Flensburger Konto Durch Unwissen Punkte sammeln

Punkte sammeln ist in Deutschland Volkssport, auch außerhalb des Supermarkts: Bei vielen Verkehrsdelikten drohen Punkte auf dem Flensburger Konto. Doch wofür gibt es Punkte und wann lohnt sich sogar Einspruch gegen ein Fahrverbot?

Punkte in Flensburg (Foto)
Wer regelmäßig rast, ist schnell seinen Führerschein los. Bild: dpa

Nur echte Verkehrssünder aus der Kategorie «Tempo 100 vor dem Kindergarten» haben ein prall gefülltes Punktekonto in Flensburg? Ein weit verbreiteter Irrglaube. Auch andere Verkehrssünden können den Punktestand in die Höhe treiben, vor allem Wiederholungstaten. Damit es nicht irgendwann ein böses Erwachen inklusive Führerscheinentzug und Medizinisch-Psychologischer Untersuchung (MPU) gibt, sollte jeder Autofahrer zumindest ein paar der Regeln rund um Verkehrsregister und Bußgeldkatalog kennen.

Mit diesem «Flensburg», von dem häufig die Rede ist, ist das Kraftfahrtbundesamt (KBA) gemeint, das das Verkehrszentralregister verwaltet. «Für jedes Verkehrsdelikt mit einem Bußgeld von 40 Euro oder mehr gibt es einen Eintrag im Register», erklärt KBA-Sprecher Stephan Immen. Ein direkter Zusammenhang zwischen Punktzahl und Bußgeldhöhe - nach dem Motto «80 Euro gleich zwei Punkte» - besteht nicht. Wer zum Beispiel bei Nebel ohne Licht fährt, zahlt 40 Euro und bekommt drei Punkte. Wer sich dagegen nicht an die Kindersitzpflicht hält, muss ebenfalls 40 Euro bezahlen, erhält aber nur einen Punkt.

Verkehrssünder: Promis mit Bleifuß

Vielen sei nicht klar, dass auch falsches Parken mit bis zu 50 Euro und einem Punkt geahndet werden könne, wenn dadurch Rettungsfahrzeuge behindert werden, sagt Katharina Bauer vom ADAC. Generell kursiere im Bereich der Verkehrsdelikte viel gefährliches Halbwissen: So sei die Promillegrenze von 0,5 den meisten bekannt. Nur wenige denken aber daran, dass auch bei geringeren Promillewerten auffälliges Fahrverhalten als Trunkenheitsfahrt gewertet und entsprechend bestraft wird.

Punkte abbauen in der Fahrschule

Der Punktekatalog des KBA ist im Internet abrufbar. Dort findet sich auch ein Formular, mit dem Neugierige eine Auskunft über ihren Kontostand beantragen können. Wer acht oder mehr Zähler gesammelt hat, erfährt das automatisch: Dann gibt es eine erste Verwarnung der Behörde. Abbauen lassen sich Punkte durch ein freiwilliges Aufbauseminar bei einer örtlichen Fahrschule. Ein solcher Kurs entlastet das Konto um bis zu vier Punkte, er kann aber nur einmal alle fünf Jahre besucht werden. Wer 14 oder mehr Punkte gesammelt hat, wird zum Aufbauseminar verpflichtet.

Die andere, deutlich günstigere Methode zum Punkteabbau ist regelgerechtes Fahren. «Einträge im Verkehrszentralregister werden nach zwei Jahren gestrichen», erklärt Immen. «Voraussetzung ist aber, dass es in dieser Zeit keinen weiteren Eintrag gab.» Wer also jedes Jahr einmal beim Rasen oder einer anderem Delikt erwischt wird, schleppt unter Umständen noch die Verkehrssünden von vor zehn Jahren mit sich herum.

Ab 18 Punkten wird automatisch die Fahrerlaubnis entzogen. Betroffene Verkehrssünder müssen mindestens sechs Monate auf ihren Führerschein verzichten. Um die Lizenz zurückzubekommen, ist in der Regel eine MPU erforderlich. Für besonders schwere Delikte wie Unfallflucht oder Fahrten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss kann die Fahrerlaubnis schon eher einkassiert werden.

Gegen das Fahrverbot vorgehen

Spätestens jetzt kann sich rechtlicher Widerstand lohnen, sagt Jörg Elsner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht beim Deutschen Anwaltverein: «Der Entzug der Fahrerlaubnis ist ein gewichtiger Eingriff in die Bürgerrechte. Geschieht das zu Unrecht, sollte man sich das auf keinen Fall gefallen lassen.» Aber auch bei tatsächlich begangene Vergehen lassen die Gerichte manchmal Gnade walten - zum Beispiel bei Erstverstößen oder wenn ohne Führerschein das berufliche Aus droht.

«Die Gerichte und Behörden haben einen gewissen Spielraum», erläutert Elsner. Wer aus Versehen über eine rote Ampel fährt, weil es auf der Nebenspur schon losgeht, habe durchaus eine Chance, nicht den vollen Bußgeldsatz bezahlen zu müssen. Andererseits können Wiederholungstäter empfindlicher zur Kasse gebeten werden als Ersttäter. Einzig auf die Punkte haben Behörden und Gerichte keinen Einfluss: Die gibt es auf jeden Fall und ohne Abzüge.

Elsner rät aber, nicht wegen jeder Kleinigkeit vor Gericht zu ziehen: «Wegen Bußgeldern unter 35 Euro würde ich mich nie mit Polizisten streiten. Auch beim Falschparken lohnt sich ein Rechtsstreit nicht.» Für einen Anwalt können in solchen Fällen ohne Rechtsschutzversicherung schnell bis zu 800 Euro fällig werden.

sca/rzf/kat/news.de/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • detlef friesel
  • Kommentar 1
  • 09.04.2012 19:56

die meisten verkehrssünder wissen gar nicht dass wenn sie auf der autobahn gegen das rechtsfahrgebot verstossen das heißt permanent auf der mittelspur fahren und nicht den ganz rechten fahrstreifen nutzen sofern dies möglich ist bereits mit einer strafe von 80 € und einem punkt rechnen müssen leider wird dies zu selten geahndet obwohl mittelspur fahrer eigentlich 2 spuren einer 3 spurigen blockieren.

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