Genfer Salon 2011 Strahlende Aussichten

81. Internationaler Automobil-Salon Genf (Foto)
Models posieren auf dem 81. Internationalen Automobil-Salon vor einem Alfa Romeo vom Typ Giulietta. Auf der drittgrößten Automesse der Welt werden 700.000 Besucher erwartet. Bild: ddp

Die Automobilwelt schaut nach Genf. Die Stimmung in der Branche ist gut. So gut, dass auf der Fachmesse so viele neue Modelle zu sehen sind wie selten zuvor. Neben umweltbewusstem Fahren zählt vor allem Altbewährtes: Größe, Leistung, Innovation.

Der ungemütliche Autowinter endet in Genf mit strahlenden Aussichten im Messezentrum Palexpo. Doch wo die Slogans sich - wie in jedem Jahr - gleichen, rückt die Lust am eigentlichen Auto wieder in den Vordergrund: Effizienz ja, Leistung ja, bitte! Doch Öko allein genügt am Genfer See nicht.

Pamela ist zum dritten Mal auf dem Genfer Automobilsalon. Sie ist eine der unzähligen Messehostessen, die sich mehr oder weniger lasziv neben der Motorhaube automobiler Ausstellungsstücke präsentieren und diese noch etwas schmucker dastehen lassen. «Dieses Mal hat meine Agentur schon im November angefragt», strahlt die 23jährige Schweizerin, so früh gab es noch nie eine Zusage. Ein sicheres Zeichen dafür, dass es der Autobranche schon schlechter ging.

Genfer Salon 2011
Glanzvolle Karossen
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Asiatische Messebesucher zeichnen Design-Details ab, fotografieren was das Zeug hält und messen Spaltmaße nach. Die Gänge zwischen den Karossen sind voll wie selten und der Lärmpegel hat jede beruhigende Wirkung verloren. Gerade kämpft Opel-Chef Nick Reilly bei der Pressekonferenz gegen sein Pendant von Subaru, der nur 100 Meter entfernt versucht, Gäste mit Inhalten einzunehmen. Es wird geklotzt, nicht gekleckert.

Öko allein genügt nicht

Der Genfer Salon ist keine Messe wie jede andere. Auch nicht bei der 81. Auflage. Die Schweizer sind autoverrückt. Nirgends in Europa werden mehr teure Autos verkauft. Kein Wunder, dass beim neuen Supersportwagen Lamborghini Aventador oder dem ungewöhnlich bulligen Ferrari FF kaum ein Durchkommen am Messestand ist. Alternative Antriebe sind ein Thema, sicher. Doch mit einem Hybridmodul allein oder der Aussicht auf ein paar Kilometer elektrisches Fahren ist im Palexpo kein Staat mehr zu machen.

Porsche setzt mit dem Panamera S Hybrid ein Öko-Ausrufezeichen: 380 PS, 270 km/h Spitze und ein Verbrauch von 6,8 Litern - da reiben sich viele verwundert die Augen. Über so viel Aufmerksamkeit würden sich ein Lexus CT 200h als erstes Hybridmodell der Kompaktklasse, der hybride Toyota Yaris oder ein Infiniti M 35h freuen.

Der VW-Konzern hat den Genfer Salon seit Jahren zu seiner Lieblingsmesse auserkoren. Neben dem 700 PS starken Power-Lambo und dem Hybrid-Renner Panamera glänzen Realmodelle wie das neue Golf Cabriolet neben Visionen wie dem Seat IBX, einem überaus sehenswerten Audi A3 Concept oder dem beeindruckenden VW Bully.

Zurückhaltung bei Mercedes und BMW

Noch schärfer: der Alfa Romeo 4C, der 2012 in Serie gehen soll. Nicht ganz so emotional, aber ebenfalls sehenswert, setzt sich in Genf das Kia-Doppel aus dem neuen Picanto und dem deutlich erwachseneren Rio in Szene. Kia und Hyundai haben in den nächsten Jahren große Pläne.

Mercedes und BMW halten sich auf der größten europäischen Frühlingsmesse etwas zurück. Das C-Klasse Coupé ist längst überfällig, um BMW oder Audi nachzueifern, und der neue Mercedes SLK macht Lust auf das sonnige Frühjahr. Wem das nicht reicht, für den ist der neue Aston Martin Virage ebenso ein Hingucker wie der Maserati GranCabrio Sport.

Wichtiger sind für viele Besucher am Genfer See die Studien. Ford B-Max, Toyota Prius + und Opel Zafira zeigen, dass der Van-Trend so langsam wieder Fahrt aufnimmt. Der schmucke Renault R-Space dürfte ebenfalls eine Chance auf einen späteren Serieneinsatz haben.

Smart lässt mit seinem Forspeed die Crossblade-Idee diesmal elektrisch wieder aufleben und Mini unterstreicht mit dem rundlichen Rocketman, dass Mini wirklich mini sein kann. Noch ein Traum mit 3+1-Sitzplätzen, doch kaum ein Zweifel daran, dass der Micro-Mini Realität wird. Mazda will mit dem Serienmodell des Minagi, einem Mittelklasse-SUV, zu alter Stärke zurückfinden. Auf der Iinternationalen Automobil-Ausstellung im Herbst folgt das Serienmodell CX-5.

Brückenschlag der Geschichte

Luxus ist am Genfer See zur Messezeit Anfang März unabdingbar. Ein Beispiel ist die Rolls-Royce-Studie des EX 102, die zwar keinen Realitätsbezug hat, jedoch zeigt, dass Elektroantriebe bei den Schönen und Reichen eine Zukunft zu haben scheinen. Bodenständiger geht es bei Herstellern wie Kia, Peugeot oder Citroen zu. Der aufgefrischte Peugeot 308 ist ebenso wichtig für den europäischen Markt wie der Citroen DS4. Hyundai zeigt erstmals seinen Passatkonkurrenten i40, Honda den neuen Accord und Saab seinen 9-5 Sportkombi.

Fiat verzaubert derweil den ehemaligen Dodge Journey zu einem Fiat Freedom und die gesamte Chrysler-Modellpalette hält in Genf als Lancia-Armada erstmals offiziell Einzug. Volvo vermischt bei dem neuen V 60 Plug-In-Hybrid heute und morgen. Überhaupt scheinen nach der ersten Hybridwelle immer mehr Kombinationen aus Diesel- und Elektroantrieb in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken. Das erste Serienmodell ist der Peugeot 3008 - zu kaufen ab September.

Einer der Stars des Genfer Automobilsalons 2011 feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Vor einem halben Jahrhundert wurde in Genf der legendäre Jaguar E-Type erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Seinerzeit hatte Cheftestfahrer Norman Dewis das E-Type-Messemodell auf eigener Achse an den Genfer See gebracht. Zum 50. Geburtstag zeigte Jaguar einen 300 km/h schnellen XKR-S und auch der mittlerweile 90-jährige Dewis schaute noch einmal an seiner alten Wirkungsstätte vorbei. So etwas gibt es eben nur in Genf.

rzf/ham/zij/news.de/pi

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