Chevrolet Captiva Ein Hauch von Offroad

Es ist der zweite Versuch für den koreanischen SUV. Nachdem der Chevrolet Captiva überarbeitet wurde, wirkt er bulliger. Doch was Autofahrer vor allem freuen dürfte: Der SUV bringt mehr Leistung bei weniger Verbrauch.

Chevrolet Captiva (Foto)
Optisch ist der Captiva seinen US-Vorbildern stärker nachempfunden. Doch in Sachen Sparsamkeit ist er ein Europäer. Bild: pi

Der Captiva soll mehr Selbstbewusstsein ausstrahlen. Deshalb wurden Frontpartie und Seitenlinie optisch überarbeitet. Die Motorhaube besteht nun aus Aluminium, hat eine ausgeprägtere Linienführung. Die Prismen-Scheinwerfer wirken kämpferisch, die Nebelscheinwerfer wurden besser in den Bereich von Stoßfänger und Ölwannenschutz integriert.

Die neu gestalteten Kotflügel, in die bis zu 19 Zoll große Räder passen und die optisch in eine ansteigende Charakterlinie übergehen, prägen das Profil. Zum Heck hin fällt die Dachlinie ab. Coupéartiges Aussehen verhindert Kopffreiheit auf den hinteren Plätzen, ist aber nicht nur bei Chevrolet-SUVs groß in Mode. Akzente setzen Chromleisten am unteren Rand der Fenster und die nun in den Rückspiegeln integrierten Blinker.

Chevrolet Captiva: Der Stadtkraxler

Fahren - ganz intuitiv

Am Heck gibt es keine Neuigkeiten. Die Klappe ist weit heruntergezogen und schwingt hoch auf, das Rückfenster lässt sich separat öffnen, eine Ladekante ist so gut wie nicht vorhanden und die beiden Auspuffrohre werden durch den silberfarbenen Unterfahrschutz verbunden. Insgesamt ist der Captiva leicht in der Länge gewachsen (von 4635 auf 4673 Millimeter). Der Radstand ist mit 2707 Millimetern aber praktisch gleich geblieben.

Innen haben die Designer kräftig Hand angelegt. Das Armaturenbrett ist zweifarbig - eine Kunststoffeinfassung in Alu-Optik arbeitet die Bedienfelder im Cockpit heraus. Die Materialien wirken der Klasse entsprechend hochwertig. Dazu kommen Komfortfeatures wie eine elektrische Feststellbremse. Die Instrumente sind gut einzusehen, die Knöpfe problemlos erreichbar. So lässt sich der Captiva einfach und intuitiv bedienen. Nervig ist das Navi: Es markiert auf dem großen Display nicht die komplette Strecke, sondern nur Abschnitte an Kreuzungen.

Reichlich, bequem und mit gutem Seitenhalt präsentieren sich die vorderen Plätze. Hinten geht es eng zu, wenn Basketballspieler unterwegs sind und die Vordersitze weit nach hinten geschoben werden. Die abfallende Dachlinie behindert hinten die Kopffreiheit. Den Captiva gibt es als 5- oder als 7-Sitzer. In letzterem taugt die dritte Sitzreihe allenfalls als Notbehelf. Zudem ist der Stauraum mit 97 Litern mehr als mickrig.

Besser sieht das beim 5-Sitzer aus: Bis hoch zum Dach lassen sich 769 Liter Ladegut verstauen, mit umgeklappter Rücksitzbank sind es - bei ebenem Ladeboden - bis zu 1577 Liter. Das sind in diesem Segment Spitzenwerte: Der Opel Antara etwa liegt mit 420 bis 1420 Litern deutlich darunter. Auch der Ford Kuga kommt nur auf 410 bis 1405 Liter.

Guter Schnitt auf 100 Kilometern

Vier neue Antriebsaggregate stehen zur Wahl. Bei den Dieselvarianten ist es genau genommen nur ein Common-Rail-Motor, der in zwei Leistungsvarianten angeboten wird: mit 163 oder 184 PS. Den Vierzylinder beatmet ein Turbolader mit verstellbarer Geometrie, die Zylinderköpfe wurden ebenso optimiert wie die Laufkultur und der Geräuschpegel. Das Ergebnis ist ein stärkerer und gleichzeitig etwas sauberer Motor.

Der mit 120 kW/163 PS eingestellte Selbstzünder kommt auf ein maximales Drehmoment von 350 Nm. Das reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von 189 km/h und eine nominale Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,9 Sekunden. Die Variante mit 135 kW/184 PS schafft 200 km/h und braucht für den Spurt eine halbe Sekunde weniger. Den Normverbrauch gibt Chevrolet trotz unterschiedlicher Leistung beide Male mit 6,4 Liter auf 100 km an, was einem CO2-Ausstoß von 170 g/km entspricht und einen Liter unter dem Verbrauch des Vorgängers liegt.

In der Realität sieht das nicht ganz so kraftvoll aus - selbst beim handgeschalteten 184-PS-Motor. Der muss beim Allrader bereits leer knapp zwei Tonnen bewegen, voll beladen sind es mehr als 2,5 Tonnen. Im normalen Fahrbetrieb reicht das - beim Überholen dauert es jedoch ungemütlich lange. Positiv fällt auf, dass sich der Diesel akustisch bei Vollgas zurückhält, gelassen und ruhig läuft. Schaltfaules Cruisen ist zwar möglich, wer flott vorankommen will, muss aber Schaltarbeit leisten - in sechs Gängen. Optional ist eine neu entwickelte Wandler-Automatik mit ebenfalls sechs Stufen zu haben.

Sichere Kurvenlage

Alternativ zum Diesel bietet Chevrolet für den Captiva zwei Benzinmotoren an. Der 167 PS starke 2,4-Liter-Vierzylinder ist die Basismotorisierung des SUV. Eine Randnotiz dürfte zumindest in Deutschland der V6-Captiva sein: Ein Durchschnittsverbrauch von 10,7 Liter auf 100 km ist in dieser Klasse nur schwer vermittelbar. Und wenn bei einer Leistung von 190 kW/258 PS die Höchstgeschwindigkeit gerade mal bei 198 km/h liegt und für den Spurt aus dem Stand immer noch 8,6 Sekunden fällig sind, überzeugt das wenig.

In der kleinsten Motorisierung ist der Captiva auch als Fronttriebler zu haben - für normale Verkehrsnutzung genügt das. Wer gelegentlich ins leichtere Gelände will, ist bei den Allrad-Versionen gut aufgehoben: Die stufenlose Kraftverteilung zwischen den Achsen erfolgt situationsabhängig und automatisch, Bergab- oder Berganfahrhilfe bedienen ansatzweise das Gefühl, in einem Offroader zu sitzen. Im leichten Gelände oder auf Schnee reicht das allemal. Auf der trockenen Straße läuft auch der 4WD-Captiva rein mit Frontantrieb.

Das Fahrwerk wurde für den neuen Captiva neu abgestimmt - läuft bei langsamerem Tempo aber etwas polterig. Für einen Offroader ist diese Härte üblich - in einem Alltags-SUV könnte es etwas sanfter zugehen. So oder so: Der neue Captiva läuft sicher auch in flott gefahrenen Kurven, zur Not greifen ESPDas Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) verhindert in Kurven das Ausbrechen des Hecks oder der Vorderräder. Möglich wird dies durch das computergesteuerte Abbremsen einzelner Räder. , ABS und Traktionskontrolle rechtzeitig helfend ein. Die geschwindigkeitsabhängig arbeitende elektronische Lenkung fühlt sich zwar künstlich an und könnte mehr Rückmeldung bieten, ist aber präzise.

Den Basis-Benziner bietet Chevrolet mit Frontantrieb für mindestens 25.690 Euro in einer akzeptablen Ausstattung an. Den 2,2-Liter-Diesel gibt es - ebenfalls frontgetrieben - ab 27.390 Euro. Der liegt damit in etwa auf einer Ebene mit vergleichbaren Konkurrenten wie dem Ford Kuga (27.250 Euro) und über dem Hyundai ix35 (25.090 Euro). Den stärkeren Diesel lässt sich Chevrolet mit unverhältnismäßig üppigen 34.090 Euro bezahlen, den V6 gar mit 39.840 Euro - dafür ist schon ein BMW X3 20d mit besseren Fahrwerten und sehr viel weniger Verbrauch zu haben.

ham/zij/ivb/news.de/pi

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Chevi012
  • Kommentar 1
  • 01.09.2012 11:44

Wie war das noch mal mit de Äpfel und Birnen? Der BMW X 3 ist kürzer, kleiner, enger und gegenüber dem Captiva von der Ausstattung her ein Hungerleidermodell. Real verglichen würde der X 3 bei gleicher Ausstattung wie der Captiva statt 40.000.- annähernd 52.000.- € kosten. Na ja, Äpfel - und Birnen - bitte etwas sorgfältiger recherchieren!!!

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