Saisonauto-Pflege: Das große Einmotten

Liebhaber von Old- und Youngtimern sollten sich noch mal richtig Zeit für ihr automobiles Schätzchen nehmen. Die richtige Pflege vor der Winterpause ist das A und O für ein sicheres Frühlingserwachen.

Damit der Kleine auch im nächsten Jahr wieder munter weiterrollt, sollte man ihm vor der Winterpause noch etwas Pflege gönnen. Bild: pi

Alfa-Spider, Karman Ghia, Porsche 924 gehören dazu. Aber immer öfter auch Autos wie VW Corrado oder Opel Kadett Cabriolet. Als Liebhaberfahrzeuge werden diese Autos oft nur im Sommer gefahren. Die Zulassungsstellen geben für die automobilen Liebhaberstücke, die nur im Sommer bewegt werden, Saisonkennzeichen aus. 2010 waren laut Kraftfahrtbundesamt deutschlandweit mehr als 1,7 Millionen Fahrzeuge mit Saisonkennzeichen auf den Straßen.

Auf das sommerliche Fahrvergnügen, das mit etwas Wetterglück bis weit in den November hinein ausgedehnt werden kann, folgt das große Einmotten. Das sollte möglichst professionell vonstatten gehen. Denn nur wer sein Schmuckstück fachgerecht in den Winterschlaf schickt, wird auch in den nächsten Autosommern ungetrübten Spaß dran haben. Die gründliche Wäsche vor der Winterpause ist ein Muss. Sauberkeit beugt Rost und Startproblemen vor. Spezial-Shampoos mit Waschkonservierer oder Waschanlagenprogramme mit Wachszusatz seien dabei erste Wahl, empfiehlt der Tüv Süd.

FOTOS: Saisonauto-Pflege Schlaf gut!

Reinigen

Das Waschwasser transportiert die schützenden Mittel sogar in Fugen und andere nicht direkt zugängliche Karosserieteile. Die Reinigung des Unterbodens ist ebenfalls wichtig. Und eine Motorwäsche hat nicht nur optische Effekte, sondern sorgt für einen problemlosen Start, wenn die Frühlingssonne wieder Lust auf eine Spritztour macht. Bei einer Hochdruckwäsche ist allerdings Vorsicht angesagt. Auf keinen Fall darf der Wasserstrahl Aggregaten wie der Lichtmaschine und anderen elektrischen Komponenten zu nahe kommen. Ein Mindestabstand von 50 Zentimetern sollte immer eingehalten werden. Das Gleiche gilt für die Reifen. 

Schmutz zieht Feuchtigkeit und damit Korrosion an. Die Reinigung des Innenraums beugt dem vor und macht zudem Schluss mit schlechten Gerüchen. Moderne Autos haben einen Pollenfilter. Hygiene halber sollte man den Einsatz wechseln, bevor man sein Auto in die Winterpause schickt, rät Philip Puls vom Tüv Süd. «Im Frühjahr und Sommer haben sich darin Schmutz, Pollen und Sporen angesammelt, die im Winterhalbjahr zu ungesundem Schimmel führen können.»

Ölen

Zusätzliche Fußmatten überwintern am besten außerhalb des Autos, damit sich unter ihnen keine Feuchtigkeit bilden kann. Eine gute Belüftung des Innenraums dient dem gleichen Ziel. Dazu hält man einfach die Seitenscheiben ein paar Zentimeter geöffnet. Für wertvolle Ledersitze gibt es entsprechende Pflegemittel. Von denen sollte man in jedem Fall Gebrauch machen. Sie verhindern, dass das edle Material spröde wird oder auf Feuchtigkeit allzu empfindlich reagiert.

Frisches Öl schützt den Motor. Auch wenn das Wechselintervall längst nicht erreicht ist, lohnt sich die Investition. «Im Laufe des Betriebs bilden sich Säuren und andere aggressive Stoffe im Öl, die Metallteile und Dichtungen angreifen», erläutert Puls. Echte Oldtimer kommen mit dünnen Ölen wie 0W-30 schlecht zurecht und ältere Dichtungsmaterialien leiden oft unter synthetischem Schmierstoff. Den wiederum benötigt ein aktuelles Cabrio. Also auf die richtige Sorte achten! Die Kontrolle der Ölstände in Getriebe und Achsantrieb und das Auffüllen auf den korrekten Stand mit dem richtigen Öl stellt sicher, dass alle Zahnräder und Lager während des Stillstands optimal versorgt sind.

Talken

Gute Pflege wirkt lebensverlängernd - das gilt auch und ganz besonders für Cabrioverdecke. Autohersteller bieten spezielle Reiniger und Konservierungsmittel an. Von angeblichen Wunderchemikalien sollte man lieber die Finger lassen, rät der TÜV-Mitarbeiter. Vor allem Dichtungen könnten die chemischen Keulen übel nehmen. Bei Oldtimern sei Talkum das beste Mittel für die Gummiteile des Verdecks.

Moderne Synthetik-Dichtungen brauchen keine speziellen Substanzen mehr. Die Reinigung mit Seifenwasser genügt. Das Verdeck selbst sollte man während der Winterpause am besten in einer leicht entspannten Position verharren lassen, also ein klein wenig geöffnet. Das schont Stoffhülle, Gelenke und Spiegel. Wenn das Verdeck stattdessen längere Zeit ganz geöffnet bleibt, reagiert der Stoff mit bleibenden Falten. Für die Pneus ist ein leicht erhöhter Fülldruck gut. 2,5 bis 3 Bar sollten vor dem Abstellen im Reifen sein. Etwas Talkum an den Außenseiten von Oldtimer-Reifen erhöht die Haltbarkeit des Gummis.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, ob man seinen Liebling noch einmal vor dem Einmotten betanken sollte.

Tanken

Am besten füllt man an der Tankstelle auch den Kraftstoffbehälter auf. Wenn viel Luft im Tank ist, kann sich während der Winterpause Kondenswasser bilden. Ein voller Tank dagegen beugt Korrosion und Startschwierigkeiten vor. Die Scheibenwaschanlage wird leicht vergessen. Hier sollte man das Wasser entfernen, damit sie nicht einfrieren kann. Alternativ lässt sich dieses Missgeschick aber auch durch den Einsatz von Frostschutz verhindern.

Nach dem Einfüllen muss die Anlage ein paar Mal betätigt werden, damit der Gefrierschutz bis in die Düsen gelangt und auch dort wirksam wird. Die Scheibenwischer selbst kommen abgeklappt - ohne Verformung oder Festkleben - gut über den Winter. Bei modernen Fahrzeugen ist zum Abheben manchmal die Serviceposition der Wischer nötig. Die Betriebsanleitung sagt, wie das geht.

Die Batterie von Oldtimern kann abgeklemmt werden. Bei modernen Autos mit viel Elektronik empfiehlt sich das jedoch nicht. So oder so ist regelmäßiges Laden des Stromspenders nötig. Eine leere Batterie kann nämlich bei Minustemperaturen einfrieren - und das macht sie kaputt. Sehr empfehlenswert sind moderne Ladegeräte, die den Ladezustand automatisch prüfen und nur bei Bedarf tätig werden. Das erspart die lästige Überwachung. Solche cleveren Geräte können ständig am Netz und angeschlossen bleiben. Der Energieverbrauch ist dabei im Gegensatz zu älteren Ladern sehr gering.

Bewegen

Keinem Auto tut es gut, immer an der gleichen Stelle zu stehen. Während der Winterruhe sollte es daher alle paar Wochen ein paar Dezimeter bewegt werden. So lässt sich der so genannte Standplatten an den Reifen vermeiden. Auch verteilen sich Öl im Achsantrieb oder Fett in Antriebswellen dabei und bauen einen schützenden Schmierfilm auf.

Der Motor von jungen Fahrzeugen darf sogar hin und wieder ein paar Minuten laufen, um die Klimaanlage zu schmieren. Dabei müsse die Anlage auch wirklich eingeschaltet sein, appelliert der Tüv-Mann. Andernfalls könne ein Teil des Kältemittels durch ausgetrocknete Dichtungen entweichen und die Kühlwirkung ist in der nächsten Saison verschwunden.

Am besten steht das Sommerauto in einer trockenen und gut belüfteten Garage. Steht so ein Winterquartier nicht zur Verfügung, hilft ein Überzug aus reißfestem Material. Der muss richtig befestigt werden, damit er Herbst- und Winterstürmen trotzt. Auf der Straße dürfen allerdings nur angemeldete Fahrzeuge stehen und das Nummernschild muss sichtbar sein. Das praktische Saisonkennzeichen reicht dafür nicht.

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