Statussymbole iPhone hängt Auto ab

Angeben mit dem Auto war gestern: Ein Smart oder ein Opel sind für junge Leute heute in etwa so sexy wie eine Waschmaschine. Gefragt sind dagegen Smartphones. Doch auch die leiden unter einem Nachteil.

Smartphones  (Foto)
Cool ohne viel PS unter der Haube: Smartphones laufen dem Auto als Statussymbol den Rang ab. Bild: dpa

Jahrzehntelang konnten die Autobauer sicher sein: Die Deutschen lieben ihr Auto. Das kostbare Blech wurde gehegt und gepflegt, dann fuhr man voller Stolz aus. Heute lassen sich jüngere Menschen mit einem Auto immer weniger beeindrucken. In Großstädten sinkt die Zahl derer, die überhaupt noch ein Auto haben - oder einen Führerschein. Hat das Auto als Statussymbol ausgedient?

Nicht unbedingt, sagt Dirk Bathen, Geschäftsführer des Trendbüros Hamburg. Denn Mobilität ist weiter gefragt: «Es ist ein Statussymbol, mobil zu sein - aber ich muss nicht unbedingt ein Auto besitzen», erklärt er.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sagt: «Facebook und virtuelle Welten prägen Werte von jungen Menschen - und weniger die Heldensagen von Alfa Romeo, Ferrari, Porsche oder Lamborghini.» Und überhaupt: Die Kosten für Automobilität seien in den vergangenen Jahren «weit überproportional gestiegen, was bei der preissensitiven Jugend ein starkes Argument ist», erklärt Experte Stefan Bratzel vom Center auf Automotive Management in Bergisch-Gladbach.

«Lifestyle ist nicht mehr 500 PS unter der Haube»

Bratzel spricht von einem «Trend der Ent-Emotionalisierung». Für eine wachsende Gruppe von 20 bis 30 Prozent spiele das Auto keine Rolle mehr - sie sind also nicht bereit, bei der eigenen Wohnung, Urlaub oder Freizeit zu sparen, um sich ein Auto leisten zu können. Das sei übrigens kein deutsches Phänomen - schon in den 1990er Jahren habe man im stark verstädterten Japan «Demotorisierungstendenzen» beobachten können.

Gefragt als neue Statussymbole sind dagegen Smartphones wie das iPhone von Apple, urteilen die Experten. Allerdings werde dies umso weniger der Fall sein, je mehr das Gerät seinen Neuigkeitswert verliere, sagt Bathen. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Progenium sieht nur noch eine Minderheit das Auto als Statussymbol, für die meisten hat es nur noch funktionale Bedeutung. Ein Smart oder ein Opel kommen demnach in etwa auf den Status einer Waschmaschine. Nur wer einen Porsche besitzt, hat gut Lachen: Der Sportwagen bleibt Statussymbol.

Was verlangen junge Menschen von einem Auto, wenn die «alten Auspuffträume» ausgeträumt sind, wie Dudenhöffer sagt? «Das Auto muss sich neu erfinden, um seinen Stellenwert bei der jungen Generation zu halten», erklärt der Experte. «Lifestyle ist nicht mehr 500 PS unter der Haube.» Bratzel sagt, das Auto müsse Entwicklungen nachholen - jüngere Menschen seien allerdings kaum bereit, für etwas im Auto zu zahlen, was sie per Smartphone ohnehin nutzen: «Das Auto zählt daher für viele Jugendliche zur ‹alten Welt›, das den neueren Entwicklungen der Vernetzung hinterherhinkt und dem der Coolness-Faktor fehlt.»

Charme-Chance Elektroauto

Dennoch gibt es Möglichkeiten: Vor allem das Elektroauto biete eine enorme Chance, Emotionen zu wecken, sagt Bratzel. Dudenhöffer schätzt, das E-Auto habe schon den Charme des iPad - und es könne gelingen, das Auto jungen Menschen in Großstädten so wieder schmackhaft zu machen.

Vor allem will man natürlich weiter mobil sein - nur wie? Die Antwort heißt Carsharing - dank der niedrigen Kosten. Und die Autobauer haben dies erkannt: Daimler startet sein Carsharing-Angebot «Car2go» nächstes Jahr in Hamburg und damit erstmals in einer Millionenstadt. Aus Unternehmenskreisen verlautete, die Zahl der Städte, mit denen man im Gespräch sei, belaufe sich auf etwa ein Dutzend Metropolen in Europa und Nordamerika. Auch der Rivale BMW will in München stundenweise Autos vermieten. Wichtig ist: teuer darfs nicht sein - nur so könne man junge Leute mit dem Auto versöhnen, meint Bratzel.

cvd/sgo/news.de/dpa

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