Mechatronik Klassische Schale, moderner Kern

Klassische Schale, moderner Kern (Foto)
Egal, ob mit Originaltechnologie oder zeitgemäßen Innereien: Mechatronik hat sich Klassikern mit Stern verschrieben. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Oldtimer sind selten, Klassiker mit moderner Technik unter der Haube allerdings noch exotischer. Die schwäbischen Spezialisten von Mechatronik haben sich auf solche Umbauten spezialisiert. Ein Besuch in der süddeutschen Edelschmiede.

Carsten Ohlinger ist voll in seinem Element: Der Ur-Schwabe ist bei Mechatronik nicht nur verantwortlich für Marketing und Finanzen, sondern weiß ganz genau, wo die Philosophie seines Unternehmens am meisten geschätzt wird. Im Ausland steht der Slogan «Made in Germany» hoch im Kurs. Die Zahlen der Edelschmiede, die sich auf die Restauration und den Handel mit klassischen Fahrzeugen und Teilen mit Stern am Kühler spezialisiert hat, waren noch nie so gut wie 2010.

Der Anfang der mittelständischen Erfolgsgeschichte liegt im Jahr 1997: «Unsere Interpretation vom legendären SL war der Anfang», erinnert sich Ohlinger. Mit leuchtenden Augen erzählt der Schwabe, wie Gründer und Vordenker Frank Rickert damals dem örtlichen Mercedes-Händler eine nagelneue C-Klasse abkaufte. Nichts Besonderes, hätte Rickert den Neuwagen nicht ausschließlich dafür erworben, ihn zu schlachten. Vor allem auf Motor und Getriebe hatte es der leidenschaftliche Oldtimer-Fan abgesehen. Die Motivation: zeitgenössische Fahrleistungen und -eigenschaften in einer originalgetreuen klassischen Hülle. Jene Hülle lieferte besagter SL, das Innenleben die C-Klasse. Das Ergebnis der Transplantation war der M-SL: Ein offener Klassiker mit 197 PS, 225 km/h schnell und mit einer Beschleunigung auf 100 Stundenkilometer in 7,6 Sekunden.

Mechatronik
Pleidelsheimer Sternfahrt

Klassiker mit Stern im Mittelpunkt

Heute stehen die Mercedes-Spezialisten auf ganz anderen Füßen. Bereits 2001 erfolgte der Umzug in eine über 4000 Quadratmeter große Anlage in Pleidelsheim bei Ludwigsburg. Auf 55 Mann ist das Team inzwischen angewachsen. Leitsatz und Motivation ist das Streben nach Perfektion: «Es gibt kein fertiges Produkt, es geht immer ein Stückchen besser», so Ohlinger.

Inzwischen ist Mechatronik auf drei Ebenen aktiv. Die Classic-Abteilung kümmert sich um Wartung, Instandsetzung und Neuaufbau klassischer Mercedes-Fahrzeuge. Etwas hurtiger geht die Sparte Engineering zur Sache: Unter der originalen Hülle platzieren die Schwaben hier den Fahrspaß zeitgenössischer Motoren und Fahrwerke aus dem Hause Mercedes-Benz. Schließlich verdienen die Pleidelsheimer ihr Geld mit dem Ersatzteilhandel für Klassiker mit Stern aus den Baujahren 1945 bis 1990. «Unsere Stärke ist die Bereitstellung der vollen Wertschöpfungskette vom Einzelteil über Maschinen und Anlagen bis hin zur Werkstatt», so Ohlinger.

Die Schwaben haben sich Perfektionismus auf die Fahnen geschrieben. Diesem Prinzip folgen sie in jeder Hinsicht: Jeder Käufer erhält zu seinem Fahrzeug ein zwölfseitiges Dossier. Es offenbart alle Stärken und Schwächen des jeweiligen Fahrzeugs. Mechatronik präsentiert jedes Auto splitterfasernack - wie den Kaiser in Hans Christian Andersens Märchen. Und hüllt es danach in nagelneue Kleider. Egal, ob original oder mit zeitgenössischem Umbau.

Gespaltenes Verhältnis zu Mercedes-Benz

Doch was für Menschen interessieren sich eigentlich für diese klassischen Fahrzeuge? Laut Ohlinger seien in der Oldtimer-Szene neben Sammlern vor allem Selbstschrauber vertreten. Nicht zu vergessen Menschen, die auch einen Oldi als Nutzobjekt sehen. Gerade für letztere ist Mechatronik mit seinem breiten Angebot beinahe alternativlos. Denn durch den Umbau auf aktuelle Motoren wird das Fahrzeug auch auf zeitgemäße Emissionsstufen gehievt. In Deutschland beispielsweise garantieren diese für die Zukunft freie Einfahrt in die Städte. Auch in den USA, mit deren kometenhaft angestiegenem Umweltbewusstsein, ist die Lösung von Mechatronik gern gesehen: klassische Verpackung mit modernem Kern. Öko ist schick in den USA, Mechatronik liefert dazu den passenden Klassiker.

Zu Mercedes-Benz pflegen die Pleidelsheimer ein positives Verhältnis. Nicht ohne Genugtuung hat Mechatronik registriert, dass die Marke mit dem Stern seit einigen Jahren bei Nachkriegsfahrzeugen offener geworden ist, neuerdings auch Youngtimer betreut. Das ist natürlich förderlich für die Zusammenarbeit.

Doch der Mechatronik-Mann gibt unumwunden die Losung seines Hauses an: «Wir wollen die Besten sein.» Deshalb steht für die nähere Zukunft der Bau eines Ausbildungszentrums an, durch das der Nachwuchs gesichert werden soll. «Wir wollen nicht nur ausbilden, wir wollen Werte vermitteln», so Ohlinger. Konstruiert in Schwaben, Made in Germany. Mechatronik hat ein Ziel vor Augen.

sis/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Christian Kraus
  • Kommentar 2
  • 24.10.2010 11:23

Inreressant wäre da noch als Sparte: Umbau in Fahrzeuge mit alternativen Motoren/Antriebe: Elektro, Hybrit, Erdgas,Flüssiggas,Biodiesel.Allein schon in den Speicherkapazitäten (sprich:Akkus,eca)und auch in Gewichtsersparnissen bei der Karosserie ist ein weites Feld für Einsparungen. Tuning ist out- Einspar-Tuning ist in!Mechatronik ist ein weitgestecktes Feld-würde mein Fahrzeug sofort in zu Verfügung stellen...

Kommentar melden
  • klartext
  • Kommentar 1
  • 21.10.2010 16:57

Es sollten auch Radnabenmotor und Brennstoffzelle zum Einsatz kommen. Alles schon wissenschaftlich erforscht. Man muß mur wollen!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Partnerangebot
Gebrauchtwagenbörse
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige