Rover 75 Ein Jaguar für Schotten

Ein Gebrauchter für Unerschrockene: Qualitätskatastrophen wie der 75 sorgten dafür, dass es Rover nicht mehr gibt. Das Design ist britisch-klassisch bis altbacken. Zahllose Mängel allerdings vermiesen die edle Optik. Ein klassischer Fall für Liebhaber - nicht für den Alltag.

Ein Jaguar für Schotten (Foto)
Nach seinem Debüt 1998 räumte der Rover 75 zahlreiche Preise ab. Später stellte sich heraus, dass er seinen Haltern häufig Probleme macht. Bild: dpa

Autos aus britischer Produktion mit Rover-Schildchen am Heck sind als Neuwagen heute nicht mehr zu bekommen - die MG Rover Group ging 2005 in die Insolvenz. Bis dahin jedoch lief der Rover 75 von Band - jene mängelanfällige Stufenhecklimousine, die nicht nur wegen ihrer Macken früheren Jaguar-Modellen ähnelt. Denn der 75 erinnert auch optisch an den Jaguar XJ6 gleicher Jahrgänge. So hübsch der Rover auch anzusehen ist: In Sachen Zuverlässigkeit dient er nach Einschätzung des ADAC nicht als Vorbild.

Vor allem Exemplare der ersten Baujahre kommen in der Pannenstatistik des Automobilclubs häufig vor. Mit defekten Motoren, durchgebrannten Zylinderkopfdichtungen, maroden Kupplungen und klemmenden Gasgestängen in der Einspritzanlage fielen insbesondere Limousinen des Baujahres 2000 auf. Als weitere Mängel stellten die Pannenhelfer undichte Kühler, hängende Thermostate, gebrochene Lüfter und gerissene Antriebsriemen des Generators fest. Außerdem blieben einige Fahrzeuge liegen, weil die Tankanzeige nicht korrekt war.

Optik hui, Technik pfui

Als der Rover 75 im Jahr 1998 als Nachfolger der 600er- und 800er-Serie vorgestellt wurde, bekam er aufgrund seiner britisch-eleganten Erscheinung nicht nur Lob. Zwar gewann er Preise wie «Car of the Year» oder «World Car». Manch einem Kritiker erschien das Design aber zu altbacken. 2004 folgte ein Facelift, auch die Motorenpalette wurde erweitert. Neben der Limousine war auch ein Kombi erhältlich.

Das stärkste Modell ist der 2004 und 2005 gebaute Rover 75 4.6 V8 Celeste L mit 260 PS. Je nach Generation und Modelljahr leisten die Benziner ansonsten zwischen 120 und 177 PS. Die Dieselversionen decken eine Spanne von 116 bis 130 PS ab. In den Anfangsjahren hatte der 75 einen Selbstzünder unter der Haube, der auch im BMW 320d zum Einsatz kam - die stark defizitäre Firma Rover gehörte damals noch zum Münchner Konzern.

Wer sich für einen gebrauchten Rover 75 entscheidet, muss mindestens rund 2550 Euro anlegen. Für diesen Betrag führt die Schwacke-Liste den Diesel 75 2.0 CDT Classic von 1999 mit 116 PS. Am teuersten gehandelt wird die V8-Version für etwa 12.700 Euro. Eine Limousine des Baujahres 2003, etwa der 75 2.5 V6 Charme, kostet noch 6350 Euro, der Kombi 75 Tourer 1.8 T Classic mit 160 PS von 2004 rund 7050 Euro.

sgo/reu/news.de/dpa

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • B.Pophal
  • Kommentar 2
  • 28.02.2013 16:14
Antwort auf Kommentar 1

Stimme in allen Punkten zu. Bin verliebter 75er Besitzer seit 1999. Super Fahrzeug.Nie Probleme.Immer zuverlässig. Und schick bis heute. A class of its own eben.

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  • W. Nahr
  • Kommentar 1
  • 10.05.2012 22:11

Wer stereotyp auf der Leier des "mängelbehafteten" Rover 75 herumreitet, der hat nie einen getestet oder überhaupt nicht recherchiert. Ich besitze zwei 75er mit den beiden Diesel-Varianten und kann nur sagen, dass die Autos hinsichtlich Komfort, Verarbeitung und Zuverlässigkeit nahezu in der Audi- und Mercedes-Liga spielen. Vielleicht sollte der Schreiber mal bei BMW recherchieren, welch großen Qualitätsaufwand der damalige Eigentümer betrieben hat. Pleite ging Rover wegen der deutschfeindlichen Borniertheit der englischen Käufer und dank wirtschaftskrimineller Aktivitäten.

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