Di., 22.05.12

«Leonie» 12.10.2010 Weltpremiere in Braunschweig

Weltpremiere in Braunschweig (Foto)
Das Forschungsfahrzeug «Leonie» ist führerlos durch Braunschweig gefahren. Auch Google experimentiert mit Roboterautos. Bild: dpa

Von Stefanie Heitmüller

Das erste automatisch fahrende Auto der Welt rollt im öffentlichen Verkehr. Entwickelt haben den umgebauten VW Passat Ingenieure aus Niedersachsen. Ist der Automat ein Modell für die automobile Zukunft?

Drei Sekunden lang drückt Jörn Marten Wille auf den kleinen Ok-Knopf am Lenkrad. Dann ein kurzer Ruck und das Forschungsfahrzeug «Leonie» rollt am Donnerstag in Braunschweig weltweit erstmals automatisch im öffentlichen Straßenverkehr. Wille hat seine Hände in einigem Abstand zum Lenkrad, könnte notfalls sofort eingreifen. Doch «Leonie» hält von alleine auf dem zweispurigem Braunschweiger Stadtring die Spur, biegt links ab und bremst, wenn die Autos vor ihr ebenfalls abbremsen.

Die Fahrt ist manchmal etwas ruckelig und das Bremsen abrupt, aber «Leonie» reagiert richtig. Die Technik ist weltweit einmalig und stammt von Wissenschaftlern der Technischen Universität Braunschweig und des Niedersächsischen Forschungszentrums Fahrzeugtechnik (NFF).

Mit Hilfe von Sensoren und Lasertechnik könne der Wagen ohne fremde Hilfe auf der rund elf Kilometer langen bekannten Strecke bei Geschwindigkeiten von bis zu 60 Stundenkilometern am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, erläutert Wille, der das Forschungsprojekt «Stadtpilot» leitet, bei dem es um die Erforschung des automatischen Fahrens geht. Lediglich die Ampelanzeigen müssten derzeit noch vom Beifahrer manuell in den Computer eingegeben werden. Aber auch das solle sich in Zukunft ändern. Viele Verkehrsteilnehmer guckten zwar neugierig, Rücksicht aber nehme niemand. «Die fahren uns trotzdem oft eng vor den Wagen», sagt Wille.

Das «Gehirn» des Wagens liegt im Kofferraum

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Video: Unitec

«Leonie» ist rein äußerlich ein normaler VW Passat, innen jedoch vollgestopft mit jeder Menge Technik. Die Fahrzeugposition wird per Satellitenortung errechnet. Die Daten der Laserscanner und Radarsensoren gehen an einen großen Rechner im Kofferraum, dem «Gehirn» von «Leonie», wie Wille sagt. Den Abstand zu anderen Fahrzeugen hält «Leonie» abhängig von der Geschwindigkeit.

Bereits 2007 hatte ein Forschungsteam der TU Braunschweig mit dem Fahrzeug «Caroline» an der DARPA Urban Challenge, dem führenden Wettbewerb für autonome Fahrzeuge, teilgenommen und es unter die Finalisten geschafft. Damals sei man aber bei einem kontrollierten Szenario gefahren, wo die Strecke abgesperrt gewesen sei, sagt Markus Maurer, Leiter des Instituts für Regelungstechnik und des NFF. Der Sprung zum öffentlichen Straßenverkehr sei nun noch mal «eine enorme Entwicklung».

Zwar habe es schon seit den 1980er Jahren automatische Fahrversuche gegeben, aber an die Teilnahme am Straßenverkehr habe sich bislang niemand herangetraut, sagt Maurer. «Da haben wir hier in Braunschweig die Nase vorn.» Das Forschungsprojekt «Stadtpilot» ist ein langfristig angelegtes Vorhaben, das seit Mitte 2008 läuft. Zwar habe man schon einen großen Schritt gemacht, es gebe aber noch «eine Menge Potenzial» und viele Dinge, die noch verbessert werden sollten, sagt Maurer. Finanziert wird das Projekt ausschließlich aus Mitteln der TU Braunschweig. Es gebe eine enge Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Luft- und Raumfahrt und auch dem Institut für Flugführung, da hier schließlich Technologie aus der Luftfahrt auf die Straße gebracht werde, sagt Maurer. Ziel der weiteren Forschung sei es, den Sicherungsfahrer irgendwann nicht mehr im Auto zu benötigen.

Technik macht Fahrzeuge sicherer

Teile der Technik seien auf jeden Fall dazu geeignet, Fahrzeuge in Zukunft sicherer zu machen und die Fahrer im Verkehr, etwa in nervenden Staus, zu entlasten, sagt Maurer. Hilfreich könnte die Technik künftig auch für ältere Menschen werden. «Es wäre doch schön, wenn diesen noch ein paar Jahre länger ihre Mobilität erhalten bleibt, auch wenn sie selbst aus Altersgründen nicht mehr schnell genug reagieren können.»

Dass «Leonie» schon jetzt schneller als der Fahrer reagiert, beweist sie bei der Testfahrt. Als plötzlich ein Radfahrer vor das Auto rollt, greifen bereits die Bremsen des Wagens, ehe Wille auch nur zuckt.

Sehen Sie hierzu auch den Video-Kommentar von news.de-Redakteur Sascha Gorhau.

sgo/voc/news.de/ddp
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