Autosalon Paris Bock auf Bumms

Bock auf Bumms (Foto)
Ökomesse? Fahrzeuge wie der PS-starke Benziner Opel Astra GTC prägen die Messe in Paris. Doch Elektroautos sind auch zu sehen. Bild: auto.de

Ökomesse? Sparrekorde? Beim Rundgang über den Autosalon Paris fallen vor allem Verbrennungsmotoren mit mächtig Leistung auf. Die Elektroautos sind erwachsener geworden, die Experimente scheinen vorbei. News.de hat sich umgesehen.

Wer erwartet hatte, der Pariser Automobilsalon 2010 würde sich allein als grüne Messe in die Hirne der Automobilisten brennen, sieht sich im gewohnt schmucklosen Messezentrum Porte de Versailles eines besseren belehrt. Denn sowohl die Heimspieler Peugeot, Renault und Citroen bekennen sich mehr als gewohnt zum Thema Leistung als auch die internationalen Hersteller - die machen auf ihren schmucken Messeständen trotz aller Effizienzdebatten ein Ausrufezeichen hinter Leistung und Fahrdynamik. Visionäre Elektro-Spinnereien sind stattdessen in den Hintergrund gerückt. Das heißt nicht, dass Elektrofahrzeuge auf dem Mondial keine Rolle mehr spielen. Im Gegenteil. Aber wenn, dann bitte realistisch. Dabei lassen die zahlreichen Hersteller in Paris keinerlei Zweifel daran, dass die nahe bis mittelfristige Zukunft erst einmal den Verbrennungsmotoren gehören wird.

Autosalon Paris
Die Highlights

Deutsch-französisches Aufeinandertreffen an der Seine

1898 feierte der Pariser Automobilsalons seine Premiere - mit kaum mehr als 200 Fahrzeugen und gerade einmal 140.000 Zuschauern. Bei der letzten Auflage der Mega-Messe im Herbst 2008 kamen knapp 1,5 Millionen Besucher, ein neuer Rekord. Der Automobilsalon ist auch in diesem Jahr eine der wichtigsten Automobilmessen der Welt. In der Mittelklasse kämpfen Frankreich und Deutschland im kommenden Jahr mit scharfen Waffen gegeneinander. So treffen erstmals an der Seine der neue Peugeot 508 und der gründlich überarbeitete VW Passat in der Rolle des Klassenprimus aufeinander. Der eine neu, mit sehenswert französischem Design, Dieselhybrid und Allradantrieb; der andere kaum mehr als gründlich überarbeitet mit neuem Gesicht und keinerlei nennenswerten Schwächen. Wie auf den Straßen von Paris geht es auch in den Messehallen des Expo Porte de Versailles turbulent zu.

Besonders die Franzosen haben auf ihrer Heimmesse zur alten Stärke zurückgefunden und zeigen ein breites Angebot von der luxuriösen Limousine bis hin zum Elektroroller. Zumindest hier stehlen ihnen Mini und Smart jedoch die Schau. Die beiden deutschen Trendableger von Mercedes und BMW zeigen mit ihren Elektroscootern, dass es nicht immer vier Räder sein müssen, die einen im Innenstadtbereich bewegen. Vor den Messehallen kann jeder sehen, dass Roller in Großstädten signifikante Vorteile haben; wieso nicht gleich mit einem Elektroantrieb der eine Spitzengeschwindigkeit von 50 km/h garantiert und zudem auch noch für 100 Kilometer Reichweite gut ist?

Franzosen auf dem Vormarsch

Und doch überrascht nicht nur der französische Realismus mit konkurrenzfähigen Modellen wie Peugeot 508, Citroen C4 oder den ernst gemeinten Elektroversuchen von Renault mit Fluence Z.E., dem City-Lieferwagen Renault Kangoo und dem pfiffigen Twizy , sondern auch der neue Hang zu großer Sportlichkeit. BMW präsentiert an der Seine stolz sein neues Sechser Coupé, der kommendes Frühjahr zunächst als Cabriolet auf den Markt kommen wird. Noch in diesem Jahr können sich die Kunden auf den neuen BMW X3 freuen, der in der SUV-Mittelklasse nicht nur in Sachen Antrieb wieder neue Maßstäbe setzen soll. Mit ihm wird sich auch der neue Range Rover Evoque messen müssen, der im Spätsommer kommenden Jahres nicht nur als Dreitürer, sondern auch mit fünf Türen Einzug in die Land-Rover- / Range-Rover-Modellpalette hält. Wenn es noch etwas größer sein soll und der Weg abseits befestigter Straßen das Ziel ist, ist der Jeep Grand Cherokee die rechte Wahl. Der Amerikaner ist erstmals in Europa zu sehen.

Autosalon Paris
Scharfe Kurven

Image und Höchstgeschwindigkeit bringen nicht nur der neue 6er BMW, sondern auch das dynamische Duo Porsche 911 Speedster und 911 Carrera GTS sowie der neue Maserati Gran Turismo MC Stradale, der erstmals die 300-km/h-Marke knackt und Gene der aktuellen Rennversionen in sich trägt. Noch schneller ist der gerade eine Tonne schwere Lamborghini Sesto Elemento, der mit seiner Kohlefaserkarosserie nicht nur weit über 300 km/h läuft, sondern auch zeigen soll, wohin die Reise beim neuen Lamborghini Murcielago im nächsten Jahr geht. Noch zwei Zukunftsträume: der Audi e-tron Spyder und der Kurvenjäger Audi Quattro-Concept mit seinem 408 PS starken Fünfzylinder-Turbo.

S-Klasse mit Spardiesel und viertüriges Coupé CLS

Mercedes stellt in Paris nicht nur den neuen CLS, sondern auch eine Sparversion der bekannten S-Klasse vor. Der neue S 250 CDI wird von einem wenig imageträchtigen Vierzylinderdiesel mit 204 PS angetrieben. Für seine Premiere holte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche Rennfahrer David Coulthard auf die Bühne, der dem mächtigen Vierzylinder nicht nur einen Verbrauch von 5,7 Litern Diesel auf 100 Kilometern, sondern auch einen kräftigen Durchzug bescheinigte – wenn's hilft.

In die vollen geht auf dem Pariser Salon die britische Sportwagenmarke Lotus. Bisher mit aktuell 2200 verkauften Fahrzeugen pro Jahr als historisches Mauerblümchen von den großen Sportwagenherstellern eher belächelt, wollen die Briten mit einer Milliarde Euro Investitionen mächtig loslegen. 7000 bis 10.000 Fahrzeuge jährlich sind mittelfristig geplant. In Paris stehen gleich fünf neue Modelle, die bis 2015 kommen sollen. Leichtbau, Allrad, Toyota-Technik und Hybrid: Der totgeglaubte Sportwagenhersteller geht in die Vollen.

Minivans auf dem absteigenden Ast

Überraschend, dass auf dem Pariser Salon trotz aller Kleinwagen- und Familiengeneigtheit der Franzosen wenig echte Minimobile und Vans zu bestaunen sind. Mazda zeigt die Modellpflege seines kleinen Mazda 2; Hyundai schickt seinen ausgefrischten i10 gleich hinterher. Ganz neu ist der 4,10 Meter lange ix20, zumindest bei Hyundai. Denn Konzernschwester Kia hat den kleinen Familientransporter schon seit einigen Monaten als Venga erfolgreich im Programm. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Honda Jazz: Zwar nicht mehr ganz neu, aber erstmals mit Hybridantrieb unterstreicht er die Tendenzen der einst sportlichen Japaner zur Ökomarke. Mehr als eine Klasse höher sind der 250 PS starke Ford Focus ST, die Studie des elektrischen Seat Ibe sowie der neue Opel Astra Sports Tourer unterwegs. Opel zeigt in die Paris zudem den Ausblick auf den neuen Astra-Dreitürer in Form der Designstudie GTC Paris. «Wir gehen in die Offensive und setzen unseren Wachstumsplan konsequent um,» so Opel-Chef Nick Reilly am Rande der Premiere.

In der Mittelklasse gibt es nicht nur VW Passat und Peugeot 508, sondern auch den neuen Kia Optima. Marktstart des sehenswerten Magentis-Nachfolgers ist bei uns jedoch erst im kommenden Jahr, vielleicht auch als Kombiversion. Die gibt es beim Skoda Octavia bereits. Doch in Paris steht der Erfolgs-Tscheche erstmals mit einem 85 Kilowatt starken Elektromotor. Im kommenden Jahr sollen die ersten Testflotten auf Tour gehen. So ganz ohne Elektro-Modelle geht es eben auch auf Pariser Automobilsalon nicht.

sgo/news.de/pi

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