So., 12.02.12

Nissan Cube Der Brüllwürfel

Von news.de-Redakteur Christian Vock

Artikel vom 07.09.2010

Über zehn Jahre lang durften sich nur Japaner über das lustige Würfel-Auto freuen. Seit kurzem fährt der Nissan Cube auch auf deutschen Straßen. News.de hat den kastigen Hingucker unter die Lupe genommen.

Schwimmanzüge mit Haihaut-Vorbild, Lotus-Effekt und Windkanal - was hat der Mensch nicht alles unternommen, um der Natur so nahe wie möglich zu kommen. Das hat in der Vergangenheit nicht nur Fragen aufgeworfen wie «Warum ist die Banane krumm?», sondern auch den Wunsch nach Perfektion befeuert. Höher, schneller, weiter.

Trotzdem gibt es Dinge, bei denen der Drang zur Perfektion bewusst durchbrochen wird. Diese Dinge haben eine andere Daseinsberechtigung: Sie sind dann eben schön, praktisch oder lustig. Im Fall des Nissan Cube wären das auf jeden Fall die Attribute praktisch und lustig. Ob man schön hier auch dazu zählen darf, muss jeder für sich selbst entscheiden. Während der Testfahrten reichte die Reaktion der Passanten jedenfalls von einem entzückten Grinsen bis hin zu brüllendem Lachen.

Design

So oder so, der Nissan Cube verbreitet gute Laune. Wer Wert auf Eleganz legt, ist beim Cube fehl am Platz. Von der Seite betrachtet, sieht er ein wenig aus, wie ein Steinchen bei Tetris, von vorne wie ein eingelaufener Hummer. Besonderer Hingucker ist aber die fehlende C-Säule auf der rechten Seite, was dem japanischen Döschen einen stylisch-futuristischen Touch verleiht. Der Nissan Cube sieht so aus, wie Kinder ein Auto zeichnen würden: Großer Kasten, kleiner Kasten, Räder, fertig.

Innenraum und Platz

Im Inneren setzt sich die gute Laune fort, die Erwartung, die man angesichts des futuristischen Äußeren hat, wird allerdings nicht erfüllt. Zwar ist das Aussehen alles andere als bieder, etwas mehr Mut beim Innendesign hätte man sich aber schon erhofft. Hier überzeugt der Cube eher in praktischen Aspekten. Ablageflächen, Getränkehalter und Aufbewahrungsgurte, sogar ein Teppich auf dem Armaturenbrett, damit das Handy nicht wegrutscht (es rutschte trotzdem weg): Im Nissan Cube darf man sich über Platzmangel nicht beschweren, die Kastenform verschenkt keinen Millimeter. Rationalität schlägt Modedesign.

Was man von Außen vermutet, bestätigt sich, wenn man erstmal einsteigt: Sowohl vorne als auch im Fond haben Passagiere reichlich Platz. Selbst hinten ist genügend Beinfreiheit auf den durchaus bequemen Sitzen. Für den Kofferraum allerdings gibt es Abzüge. Zwar ist der für seine geringe Länge von nur 3,98 Metern noch relativ groß, für sperrige Sachen muss man aber die Rückbank verschieben. Das schafft nochmal 24 Zentimeter. Dafür freut man sich umso mehr über die gute Sicht. Die Windschutzscheibe ist angeberisch riesig, die Außenspiegel überdurchschnittlich groß und für Sterngucker gibt es ein Panorama-Glasdach mit Reispapier-Jalousie.

Fahrverhalten

Während das Würfelchen im Stadtverkehr seine Vorteile hat, kommt man sich auf der Autobahn bisweilen vor wie eine Jolle auf offener See. Der Cube steht wie eine Einbauküche im Wind. Das hat vor allem zwei Effekte: Zum einen ist da der hohe Verbrauch. Auf der Autobahn schluckte der Cube bei der Testfahrt satte 8,8 Liter im Schnitt. In Zeiten der Klimaerwärmung ein fast unverschämt hoher Wert. Zum anderen wird der Cube bei hoher Geschwindigkeit extrem laut, was mitunter zu einer Brüllkommunikation der Passagiere führt. Aber wie schon gesagt: Es gibt Dinge, die müssen nicht perfekt sein und der Cube ist eben ein Stadtauto.

Motor

Etwas mehr Perfektion hätte man sich aber dann doch bei der Motorisierung gewünscht. Den Cube gibt es mit zwei Motoren: Einen Benziner (wahlweise als Automatik) mit 1,6 Litern und einen Diesel mit 1,5 Litern Hubraum. Die Leistung ist mit 110 PS die gleiche. Für die Stadt reicht das allemal, auf der Autobahn hätte man sich beim Beschleunigen doch über ein wenig mehr Durchzugskraft gefreut. Bei 180 km/h tat sich bei der Testfahrt mit der Automatik-Variante auch nicht mehr viel.

Preis

Los geht’s, und hier gibt es ein deutliches Minus, beim Nissan Cube erst ab 18.000 Euro für den Benziner (19.500 Euro für die Automatik-Version) und ab 20.000 Euro für den Diesel. Serienmäßig bekommt man dafür unter anderem eine Klimaanlage, Stereosound mit Bluetooth-Schnittstelle, ABS mit EBD, ESP und sechs Airbags. Wer mehr will, muss bei den angebotenen Paketen für Start-Stop-Engine, Klimaautomatik oder Rückfahrkamera noch mal drauflegen. Wer sich den Nissan Cube zulegt, wird das auf jeden Fall tun, denn einen Faible für besondere Extras hat er allein mit dem Kauf schon bewiesen.

Ob nun zum Brüllen laut oder zum Brüllen komisch: Der Nissan Cube ist ein Auto für Stadtfahrer, die das Besondere lieben und bereit sind, dafür auch ein bisschen was zu zahlen. Dann macht das Würfelchen richtig Spaß.

Mehr Fahreindrücke vom Cube? Auch die Redakteure Konrad Rüdiger und Sascha Gorhau fuhren den kleinen Japaner. Lesen Sie hier ihr Urteil.

sgo/ivb/news.de
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Nissan Cube: Der Brüllwürfel » Auto » Nachrichten

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