So., 12.02.12

Nissan Cube Herr Adenauer, ihr Wagen

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau

Artikel vom 07.09.2010

Es lebe die Geradlinigkeit. Keine Experimente. Das hätte Adenauer gefallen. Doch was auf den ersten Blick knuffig wirkt, das hält im deutschen Autoalltag viel Kummer bereit. Den Absatz des Cube wird das nicht schmälern: Er ist ohnehin lediglich ein Nischenfahrzeug für Liebhaber.

«Keep it simple, stupid». Dieser Satz ist ein Hohelied auf die Schnörkellosigkeit. Er ist nicht nur der Leitsatz der Design-Schmiede an der Fachhochschule in Schwäbisch Gmünd, er könnte auch das Motto des knuffigen Nissan Cube sein. Keine Schnörkel leistet sich der Japaner. Keine Experimente in der Formgebung. Herr Adenauer, ihr Wagen. Ein Würfel, sonst nichts. Kanten, wohin das Auge blickt. Jeder Volvo-Designer der 1980er-Jahre würde Tränen in die Augen bekommen.

Doch die Rechnung des vermeintlichen Simplicissimus geht nur außen auf. Im Innenraum verliert sich der Würfel im Detail-Nirvana. In Japan gelten Spielereien als schick. Den deutschen Geschmack werde sie wohl eher nerven. Zaubert einem zum Beispiel beim ersten Einsteigen der skurrile runde Teppich auf dem Armaturenbrett noch ein verdutztes Lächeln ins Gesicht, so wandelt sich die Überraschung schnell in Ärger, wenn man einmal realisiert hat, was der Mini-Vorleger eigentlich taugt – nämlich nichts. Das Handy ist bereits nach der ersten Kurve auf den Boden gepurzelt und ansonsten fällt die Kunstfaser hauptsächlich durch ihr hohes Potenzial als Staubfänger auf.

Diese Automatik ist von Sinnen

Dann muss es eben der Antrieb retten. Tut er aber nicht. Kann er auch nicht. Denn außerhalb der urbanen Zentren Asiens steht der Cube einfach nur wie eine Wand im Wind. Die Folge im bundesdeutschen Alltagsbetrieb: Unangebrachte Verbräuche von bis zu zehn Litern Super auf 100 Kilometer und ein gellendes Wind-Pfeifkonzert im Innenraum schon ab Autobahnrichtgeschwindigkeit. Eine noch schlechtere Figur macht die antiquierte Fünfgang-Automatik. Auf der Suche nach dem korrekten Gang schaltet sie wild und nicht nachvollziehbar umher und legt bei Überland- und Autobahnfahrten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie die richtige Fahrstufe ein.

Doch jetzt kommt der Clou des Kleinen: Das alles spielt überhaupt keine Rolle. Denn den Cube werden sich ohnehin nur Freaks und Japan-Freunde kaufen. Er ist hierzulande ein Nischenauto und mehr als Prestige-Objekt von Nissan zu verstehen. Die Freunde des skurrilen Fahrzeugkonzepts werden sich an dem vielen Platz ergötzen und freuen, dass im Cube eigentlich alles zu haben ist, womit Nissan auch andere Kompakte in Deutschland ausstattet. Nur eins lässt sich auch als Liebhaber des Nippon-Würfels nicht leugnen: Ein Preis von 20.000 Euro ist dafür ganz schön happig.

voc/news.de
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