Premium «Made in Germany»
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Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Artikel vom 27.08.2010
Leichter und stabiler müssen die Helme der Zukunft werden. Das jedenfalls ist das Ziel des Helmbauers Schuberth. News.de sprach mit Geschäftsführer Michel Lejeune über deutsche Wertarbeit und den Kopfschutz von morgen.
Wofür steht ein Helm aus dem Hause Schuberth?
Lejeune: Fast alle Konkurrenzprodukte stammen aus Japan. Aus deutschen Landen sind wir fast die einzigen. Wir produzieren Qualität «Made in Germany». Das ist das Pfund, mit dem wir wuchern. Das sehen unsere Mitbewerber übrigens genauso. Für die emotionale Komponente sind die zuständig.
Klingt solide, aber auch etwas bieder.
Lejeune: Ein Zertifikat und eine Norm sorgen dafür, auf den Markt zu dürfen. Unsere Philosophie aber ist es, besser zu sein als die Grundansprüche. Sicherheit und Komfort sind dabei die Felder, die wir hauptsächlich beackern.
Wo verordnen Sie ihre Formel-1-Helme innerhalb ihrer Palette?
Lejeune: Der Formel-1-Helm ist für Schuberth die Synthese unserer Kompetenzen. Das Visier zum Beispiel ist schusssicher. Das adaptieren wir aus dem Bereich Militär. Außerdem ist die Kopfschale brenngeschützt. Die Temperatur darin darf 70 Grad zum Beispiel nicht überschreiten. Das können wir aufgrund unserer Erfahrungen bei Feuerwehrhelmen bewerkstelligen. Aber auch in den Polizeihelmen ist Brandsicherheit ein Thema. Denn ein Molotov-Cocktail, den Demonstranten den Ordnungskräften an den an Kopf feuern, bewirkt genau dasselbe. Aerodynamik und Luftführung hingegen sind die Ergebnisse unserer Erfahrungen im Rennsport.
Formel-1 und Motorradsektor. Finden dort dieselben Helme Verwendung?
Lejeune: Zwischen Auto- und Motorradhelmen gibt es gewaltige Unterschiede. Ein gewöhnlicher Helm besteht aus acht Lagen Carbon. Über den Augen, einem der Schwachpunkte des Helmes, sind es deshalb 16 Lagen. Ein Motorradhelm hat eine relativ weiche Schale. Denn er soll beim Aufprall explodieren und die Energie zu den Seiten wegtransportieren und vom Kopf fernhalten. Im Auto hingegen sind sie festgeschnallt. Dort ist es wichtiger zu verhindern, dass etwas in den Kopfschutz eindringen kann.
Wie kann der Helm der Zukunft noch besser werden?
Lejeune: In der Zukunft werden sich die Hersteller vor allem in einem Wettlauf um die besten und damit leichtesten, aber trotzdem stabilsten Materialien befinden. Schuberth sieht sich hier in einer Tradition des Gedankens «Made in Germany». Durch die Erfahrung unserer Ingenieure und Entwickler sehe ich die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die entscheidenden Entwicklungen in den nächsten Jahren von hier kommen werden. Auch die Forschungslandschaft befindet sich am Standort Deutschland auf einem sehr hohen Niveau. Die Zusammenarbeit ist sehr fruchtbar. Wir arbeiten schon jetzt an der Zukunft. Gerade um den Standort Deutschland zu verteidigen und zu behaupten, muss man mit Innovation kommen.
Masse oder Klasse, wohin will sich Schuberth in Zukunft orientieren?
Lejeune: In Zukunft wollen wir uns noch stärker im Premiumbereich profilieren. Wir wollen uns etwas von der Massenware verabschieden. Trotzdem führen wir sie weiter, um unsere Innovationen vorantreiben und finanzieren zu können. So denken wir, unser Unternehmen samt Personal stabil zu halten.
Ist dieses Sicherheitsdenken, für das Schuberth steht, überhaupt modern?
Lejeune: Von uns erwartet man, dass wir oben mitspielen. Von einem Premiumhersteller wie Schuberth erwartet man Innovation und Qualität. Die Leute wollen ein höheres Maß an Schutz. Dieses Denken ist auch ein wirtschaftlicher Faktor. Denn neben der menschlichen Tragödie einer Verletzung ist auch der Umstand, dass qualifiziertes Fachpersonal für einen Zeitraum ausfällt, in das ein Unternehmen viel Geld gesteckt hat, ein immenser wirtschaftlicher Schaden. Schutz und Sicherheit haben Zukunft.
Marcel Lejeune ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Schuberth GmbH in Magdeburg. Der 57-jährige Belgier leitet die Geschicke des mitteldeutschen Spezialisten für Kopschutzsysteme seit dem 1.Januar 2008. Er blickt auf eine lange Karriere in der Chemie-, Aluminium- und vor allem der Automobilindustrie zurück. Er steht für eine Internationalisierung von Schuberth.
ham/news.de
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