Wie ein wilder Stier
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Er war einmal die Nummer eins: Ende der 1960er Jahre war der flache Lambo der begehrenswerteste Sportwagen der Welt. Auch heute noch fasziniert die rote Flunder wie am ersten Tag. Eine Ausfahrt in einer automobilen Legende.
Am einfachsten war es, den Miura in seinem natürlichen Revier, den Wohngegenden der Schönen und Reichen aufzuspüren. Saint Tropez, Los Angeles oder Sankt Moritz. Hierhin ließ sich der Schah von Persien als einer der ersten Kunden sein dunkelrotes Spielmobil liefern. «Es war im Winter 1967. Der Schah von Persien war hier in Sankt Moritz im Urlaub. Ein Anruf - er wollte seinen neuen Miura unbedingt hier fahren», erinnert sich Valentino Balboni, ehemaliger Cheftestfahrer von Lamborghini.
Wenn der Schah anruft, dann gehen auch bei einem Automobilhersteller die Uhren gerne einmal anders herum. So wurde der eigens für Schah Mohammad Reza Pahlavi fertig gestellte Miura im Werk Santa Agata schnell winterfit gemacht. «Neben den normalen Reifen haben wir gleich noch Winterreifen mit Spikes geliefert. Schließlich hatte es hier in Sankt Moritz viel Schnee. Unser damaliger Testingenieur Bob Wallace hat den Wagen selbst hierhin gebracht und mit ihm die ersten Runden gedreht.»
Der Innenraum des Miura ist makellos. Auf dem Tachometer stehen nicht einmal 10.000 Kilometer. Die zahlreichen Schalter und die Batterie an Rundanzeigen auf der wenig filigranen Mittelkonsole sehen aus wie neu. Keiner der ehemaligen Eigentümer scheint dem Supersportler vergangener Zeit zu viel zugemutet zu haben.
Erstbesitzer: Der Schah von Persien
Auf dem Genfer Salon im Frühjahr 1966 hatte der Lamborghini Miura seine Weltpremiere gefeiert. Die Aufregung um den PS-starken Renner war schon am Lac Leman riesengroß. Besonders viele Prominente verliebten sich Hals über Kopf in den Wagen. Die Automobilwelt war fassungslos, die italienische Supersportwagen-Szene danach nicht mehr dieselbe. Hier war für viele etwas Unerhörtes, fast schon Unmögliches wahr geworden.
Es hieß Miura, wie die spanischen Züchter von Kampfstieren. Aufreizend sportlich und ungemein sexy betörte die Form des 4,37 Meter langen Lamborghini Miura, die der damals nicht einmal 30 Jahre alte Bertone-Mitarbeiter Marcello Gandini geschaffen hatte. Die wiederum war auch von technischer Revolution geprägt; hatte dieses Auto doch seinen Mittelmotor quer vor der Hinterachse eingebaut - unmittelbar hinter den beiden Schalensitzen. So etwas gab es allenfalls bei Rennwagen und genau das war der Miura. Vorteil war ein vergleichsweise neutrales Fahrverhalten durch den mittig positionierten Motor. Jedoch machten sich Lärm und Hitze im Innenraum des gerade einmal 1,05 Meter hohen Renners breit.
Noch immer ein Dampfhammer
Auch nach mehr als vier Jahrzehnten ist der ehemalige Lamborghini Miura des Schahs noch immer ein Quell automobiler Freude. Er hat zumindest bei trockenem Geläuf keinerlei Probleme, seine Leistung effektvoll einzusetzen. Die schwergängige Lenkung und die hakelige Schaltung können einem diesen automobilen Hochgenuss kaum vermiesen. Ob sich der Schah von Persien in den 60er Jahren ebenso mit seinen Spikes den Pass hinaufkämpfte oder der Miura nur auf der verschneiten Flaniermeile von Sankt Moritz sein Können zeigen musste?
Das bleibt ebenso ein Geheimnis wie die Höchstgeschwindigkeit, die beim Lamborghini Miura wohl niemand ernsthaft benennen konnte. Einige sprechen von 280 km/h, andere von knapp Tempo 300 und auch Valentino Balboni schweigt vielsagend zu diesem Thema. In jedem Fall hat er mit dem Miura seine Tätigkeit als Testfahrer bei Lamborghini begonnen. «Ich habe kein Auto lieber gefahren», sagt der Pensionär und wirft behutsam die Beifahrertür des Lamborghini Miura zu: «Der Wagen kommt jetzt wieder zurück in die Privatsammlung.»
Erfahren Sie mehr über die Italo-Legende in unserer Bilderstrecke.
sgo/ivb/news.de/pi
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