Mercedes S 400 Hybrid Gespaltene Persönlichkeit

Gespaltene Persönlichkeit (Foto)
Der erste Serienhybrid mit Lithium-Ionen-Akku: Mercedes S 400 Hybrid. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Trend verpennt: Breite, massige und durstige Luxuslimousinen haben seit Jahren ein schlechtes Öko-Image. Die S-Klasse als Hybrid verspricht nun spektakuläre 7,9 Liter Durchschnittsverbrauch. Ob der Dampfer hält, was er verspricht, lesen Sie im news.de-Test.

Sprit sparen in einer S-Klasse? Was paradox klingen mag, das stellt Mercedes-Benz mit dem S 400 Hybrid in Aussicht. Während die Common-Rail-Diesel der Schwaben bereits seit 1998 gemäßigte Trinksitten in der Oberklassenlimousine versprechen, will Mercedes nun auch seine Benziner zur Vernunft bringen. Und das wurde auch Zeit: Schließlich musste es den stolzen Stern-Ingenieuren bitter aufstoßen, den Hybrid-Trend lange Zeit verschlafen zu haben.

Die lange Tradition der Patente und Innovationen schreiben sie nun weiter, indem sie den ersten Serienhybrid mit Lithium-Ionen-Akku vorstellen. Der entlockt einem Elektromotor 20 PS. Ein Ottomotor mit 3,5 Litern Hubraum mobilisiert zusätzlich 279 PS. Das eigentlich Spektakuläre jedoch ist der Verbrauchswert, der einem in Aussicht gestellt wird. Lediglich 7,9 Liter Superbenzin soll die S-Klasse auf 100 Kilometern verbrennen.

Mercedes S 400 Hybrid
Die Sonder-Elektroklasse

Wie will der immerhin mindestens 1,74 Tonnen schwere Brummer dies realisieren? Die Zutaten lesen sich zunächst wie alte Bekannte: Start-Stopp-Automatik und Leichtlaufreifen versprechen Enthaltsamkeit. Der Elektromotor unterstützt den Benziner zusätzlich. Vor allem bei niedrigen Drehzahlen sorgt das Aggregat für den nötigen Zusatzschub, sodass das Gaspedal trotz zügigem Fahrstil nicht unnötig in Richtung Bodenblech wandern muss. Dieses Prinzip des Mildhybrids perfektioniert die S-Klasse mit einer satten Leistungsspritze von 160 Newtonmetern. Die maximal möglichen 20 PS Elektroleistung saugt die schwäbische Limousine aus einem rekuperativem Bremssystem, das die Bremsenergie umwandelt.

Auf langen Reisen verpufft der Spareffekt

Mercedes S 400 Hybrid
Dampfer mit grünem Daumen
Video: sgo/news.de/Unitec

Dieses Prinzip geht im Alltag nur begrenzt auf. Im Stadtverkehr wirken die verwendeten Zutaten wie die sinnvolle Start-Stopp-Automatik und können den Dampfer auf rekordverdächtige zehn Liter Durchschnittsverbrauch drücken. Wer etwas sorgloser mit dem Gaspedal umgeht, der findet sich schnell bei zwölf Litern. Auf langen Reisen wiederum verpufft der Effekt: Die Limousine quittiert Autobahnetappen mit zügiger, also standesgemäßer, Geschwindigkeit mit gut und gerne 15 bis 17 Litern Durchschnittsverbrauch.

Mit dem Faktor Verbrauch kann der Hybrid also nur in der richtigen Umgebung punkten, also meist in der Stadt. Gerade für chauffeurorientierte Shuttle- und Taxifahrten könnte der Hybrid so zum Geheimtipp werden. Außerdem entfällt in diesem Kurzstreckenverkehr das Risiko defekter Rußpartikelfilter, wie sie inzwischen in den sonst auf diesem Terrain üblichen Dieselfahrzeugen eingesetzt werden. Denn auf kurzen Strecken droht den sensiblen Filtern der baldige Exitus. Als Reiselimousine ist ein Selbstzünder nach wie vor die bessere Wahl. Die Hybrid-S-Klasse jedoch hat noch ein entscheidendes Ass im Ärmel: 186 Gramm CO2-Ausstoß sind weit weg davon, umweltfreundlich und zeitgemäß zu sein - in der Oberklasse allerdings ist dieser Wert konkurrenzlos. So ist die S-Klasse in der Umweltdisziplin das, was sie sein will: die Referenzklasse.

Alles zu Erscheinungsbild und Innenleben des S 400 Hybrid erfahren Sie in unserer Bilderstrecke.

Fahreindrücke der S-Klasse können Sie in unserem Blog erleben.

sis/ivb/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • hpklimbim
  • Kommentar 1
  • 09.08.2010 15:13

Zur Angabe des Herstellers zum Verbrauch halte ich mich lieber an die Weisheit von Winston Churchill - "Ich traue nur den Statistiken, die ich selbst gefälscht habe."

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