Kfz-Zulassungen Marktflaute

Autoverkaeufe in Europa im April gesunken (Foto)
ARCHIV: Bild: ddp

Von Hans-Peter Nacken
Golf und Astra sind keine Bestseller mehr: Die Absätze der deutschen Kassenschlager sind im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte eingbrochen. Auch Kleinwagen mussten deutliche Einbußen hinnehmen. Geländewagen und Luxusschlitten hingegen legten kräftig zu.

Von der anhaltenden Flaute am deutschen Pkw-Markt sind die aktuellen Bestseller überproportional betroffen. Während die gesamten Zulassungen im Juli weiter um 30 Prozent zum Vorjahr auf 237 428 Neuwagen absackten, büßten der Branchenprimus VW Golf und sein kompakter Erzrivale Opel Astra sogar über 50 Prozent ein, wie aus Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) vom Freitag hervorgeht. Der kleine Opel Corsa verlor fast 44 Prozent gegenüber dem durch die Abwrackprämie gesteigerten Vorjahreswert und fiel damit sogar aus den Top Ten der Neuzulassungen im Juli heraus.

Kleinwagen brechen ein

Die vor Jahresfrist vielgefragten Klein- und Kleinstwagen sind damit nur noch durch den VW Polo vertreten. Dieser konnte allerdings sein durch den Modellwechsel bedingtes schwaches Juli-Ergebnis 2009 um 40 Prozent verbessern. Zugleich rückten trotz Zulassungseinbußen Mittelklasse- und Kompakt-Pkw auf. Der VW Passat legte um gut fünf Prozent auf Rang drei zu. Besonders deutlich verbesserte sich die neue Mercedes E-Klasse. Mit 32 Prozent plus sprang sie auf Rang acht der Top Ten vor. Erstmals seit langer Zeit ist damit wieder ein Wagen der oberen Mittelklasse dort vertreten.

Mit dem Golf, Polo und Passat führt sowohl in der Bestenliste Juli als auch nach sieben Monaten ein Trio aus dem Wolfsburger Konzern. Dabei mussten per 31. Juli fast alle führenden Pkw Absatzeinbußen in zweistelligen Prozentraten hinnehmen, lediglich der BMW 3er kam mit minus 8,5 Prozent vergleichsweise glimpflich davon.

Das größte Zulassungsminus bei den Segmenten verzeichneten im Juli Minis und Kleinwagen mit 54 beziehungsweise fast 47 Prozent weniger Neuanmeldungen als im Vorjahresmonat. Die absatzstärkste Kompaktklasse verlor gut 39 Prozent, Mehrzweckfahrzeuge (Utilities) büßten knapp ein Drittel ein. Dagegen legten die Geländewagen um fast 38 Prozent, die obere Mittelklasse um 23 Prozent und die Sportwagen um nahezu 19 Prozent zu.

VW ist die Nummer Eins

In den einzelnen Pkw-Segmenten löste im Juli der VW Passat die Mercedes C-Klasse in der Führung ab. Bei den Großraum-Vans übertraf etwas überraschend der Opel Zafira den bisherigen Dauerspitzenreiter VW Touran. Volkswagen und Mercedes teilen sich nun mit jeweils fünf Klassenbesten die Spitzenpositionen.

Diese Entwicklung schlägt sich auch in der Markenwertung nieder. Trotz 34 Prozent Zulassungsminus zum Vorjahresmonat führt dort die Wolfsburger Marke mit annähernd 45.000 Juli-Neuzulassungen souverän vor Mercedes und BMW. Die Stuttgarter legten gegen den Markttrend um 8 Prozent auf 24.400 Neuwagen zu, die Münchner um 3,7 Prozent auf 23.400. Opel und Ford, die vor Jahresfrist stark von der Abwrackprämie profitiert hatten, verbuchten dagegen Absatzrückgänge um 43,5 beziehungsweise 38,6 Prozent.

Schlecht ging es den meisten ausländischen Marken. Renault/Dacia blieb zwar absatzstärkster Importeur, büßte zum Vorjahr aber ein Drittel der Zulassungen ein. Die dahinter rangierende tschechische VW-Tochter Skoda und Fiat verloren über 50 Prozent; Toyota/Lexus 47 Prozent. Bemerkenswert ist das anhaltende Absatzplus der britischen Nobelmarken Land Rover (plus 96 Prozent) und Jaguar (plus 19,3 Prozent). Die beiden Nischenanbieter sind zusammen mit dem japanischen Nissan-Konzern und dessen Edeltochter Infiniti die bundesweit einzigen Pkw-Marken, die auch nach sieben Monaten Absatzzuwächse verzeichnen.

Importeure büßen Absatz ein

Angesichts dieser Entwicklung verwundert es nicht, dass in den Top Ten der Verkaufsbesten weiterhin kein ausländisches Modell vertreten ist. Dabei sind laut Branchenexperten gerade diese mit vermehrten Rabattaktionen, Tages- und Dienstwagen-Zulassungen bemüht, ihre Verkäufe zu steigern. Dem Duisburger Center Automotive Research (CAR) zufolge gewährt Fiat so einen Spitzenrabatt von 38 Prozent für den kleinen Panda. Dieser kostet statt 9690 Euro bei Eintausch eines alten Pkw nur 5990 Euro.

Die beliebteste Marke bei den Cabrio-Fans ist derzeit BMW. Spitzenreiter ist die Open-Air-Version des kleinen BMW 1er mit 5603 Käufern nach den ersten sieben Monaten. Dahinter folgt überraschend die Cabrio-Variante des Mini, die nach gut 800 Juli-Neuzulassungen auf das zweitbeste Ergebnis (5174 Zulassungen) kommt. Das meistverkaufte Modell der vergangenen zwei Jahre, der Peugeot 207, folgt mit 5017 Anmeldungen erst auf Rang 3 vor dem BMW Z4 (4930), dem VW Eos (4591) und dem offenen BMW 3er (4304). Auf den Münchner Konzern entfällt mit 20 326 Cabrios per Ende Juli fast ein Drittel aller 67 304 Neuanmeldungen.

Die andauernde Flaute am deutschen Pkw-Markt verschont auch die Bestseller nicht. Viele verzeichnen zweistellige prozentuale Zulassungseinbußen.

Lesen Sie hier die Top Ten der gefragtesten Modelle Juli 2010.

sgo/news.de/ddp

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Sodom
  • Kommentar 2
  • 08.08.2010 21:02

Schliesse mich Komm 1 an..... Was haben sich denn die Economy-Brutalos gedacht; Es fing mit brutalen Verteilungs-Mechanismen in den Wirtschafts-Imperien an; Management zogen sich die millionenfachen Bonis u Saläre 'rein, der erste DEAL war ESSER mit 30 Millionen vom Vodafon-Deal! Mister Swiss ACKERMANN folgte und verhöhnte noch das Gericht in Düsseldorf! Mit anderen Worten "Wir sind die Macht;was geht uns das Volk an!Den Rest tat die ENERGIE WIRTSCHAFT und entzog dem Volk die KAUFKRAFT! Der HUND biss sich somit in den eigenen Schwanz!!!! Die ARMUT nahm somit ihren LAUF!

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  • 0bserver
  • Kommentar 1
  • 08.08.2010 15:02

die industrie hat es geschafft, wovor uns wirtschaftsweise schon lange gewarnt haben: lohndumping und abwanderung in billigländer rächt sich nun insofern, dass die menschen, für die eigentlich produziert wird,über keinerlei kaufkraft mehr verfügen, und somit sägt diese gewissenlose industie nicht nur ihren eigenen ast ab, sondern legt die ökonomie allgemein lahm. dann kommen die politiker und helfen ihnen wieder aus der pleite. TOLL DEUTSCHLAND!!! wir haben sie: die a-soziale marktwirtschaft

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