Navigationshilfen App-Marsch und App-Fahren

Vom Telefon zur eierlegenden Wollmilchsau. Spätestens seit dem iPhone ist auch Navigation auf dem Handy ein Thema. Telefonbauer, Netzbetreiber, Verkehrsclubs und sogar Medien buhlen mit ihren Lösungen um die Kunden. News.de zeigt, wer alles mitmischt.

App-Marsch und App-Fahren (Foto)
Früher fürs Telefonieren, jetzt für alles: Smartphones bieten inzwischen vollwertige Navigationssysteme. Bild: dpa

Der Markt für Handynavigationssysteme kommt in Bewegung. In Zukunft wird der Reisende bei der Suche nach einer Adresse immer weniger auf einen Ortskundigen angewiesen sein. Er muss nur auf sein Handy schauen, um sich zuverlässig zu orientieren. Die immer bessere Technik der kleinen Alleskönner macht es möglich. Der Mobiltelefonanbieter Nokia beispielsweise stellt die Software für Fußgänger- und Fahrzeugnavigation bei zehn seiner Geräte kostenlos zur Verfügung. Die Anzahl der kompatiblen Smartphones soll stetig erweitert werden. Inzwischen werden alle neuen GPS-fähigen Smartphones ab Werk mit Karten inklusive Fahrzeug- und Fußgängernavigation sowie Reiseführern und Karten für Deutschland, Österreich und die Schweiz beziehungsweise Europa ausgeliefert.

Navigationshilfen: App geht die Reise

Das passt ins Bild. Nokia will in Zukunft nicht mehr allein auf den Verkauf seiner Geräte setzen. Verstärkt rücken Software und Dienstleistungen rund ums Handy in den Fokus des Geschäftsinteresses. Apple hat es vorgemacht. Mit dem Schritt, sein Kartenmaterial für 74 Länder in 46 Sprachen kostenlos in seinem Applikationsshop anzubieten, versucht Nokia mit Macht zum Branchenprimus aufzuschließen. Das Kartenmaterial für Ovi Maps hat Nokia von Navteq. Den Navigationsspezialisten hat Nokia 2007 für über 5 Milliarden Euro übernommen. Navteq hatte bislang noch Geld mit dem Verkauf seines Kartenmaterials verdient. Ob die Finnen mit dem Gratisvorstoß auf lange Sicht Geld verdienen können? Den Autofahrer kann es erst einmal nur freuen.

Nokias Kampfansage: Navigation serienmäßig

Die Autonavigation von Nokia beinhaltet einen Fahrspurassistenten, eine Tempolimitanzeige, eine Geschwindigkeitswarnung und die Möglichkeit, sich vor Radarfallen (in Ländern, wo dies erlaubt ist) warnen zu lassen. Über das Ovi Portal können zusätzlich aktuelle Verkehrsinformationen für zehn Länder bezogen werden. Die Fußgängernavigation berücksichtigt bei der Routenplanung auch Wege und Abkürzungen durch Parks und Fußgängerzonen.

Bislang kostete eine solche Navigationslösung von Nokia rund 60 Euro pro Jahr. Ein vergleichbares Navigationssystem von TomTom für Apples iPhone kostet knapp 80 Euro. Für diese Plattform bietet der Merian Reiseverlag jetzt zusätzliche Informationen zu den Navigationszielen an. Merian scout bietet ReiseGuides für das iPhone und den iPod touch zu Reisezielen in ganz Europa. Die Applikation steht im Apple-Store für 0,79 bis 2,99 Euro zum Download bereit. Die Reiseguides gibt es für die mobilen Navigationssysteme von TomTom, Garmin und Navigon.

Auch Medien mischen bei der Navigation mit

Auch Medien vertreiben im sogenannten Appstore ihre jeweiligen Dienste: Die Zeitschrift Prinz verkauft ihre EventGuides für 13 deutsche Städte - geeignet für ebenfalls mit dem iPhone oder iPod ausgestattete Einheimische oder unternehmungslustige Touristen. Die aktuellen Veranstaltungen und Termine werden übersichtlich aufgelistet und nach Datum, Uhrzeit, Alphabet oder Entfernung sortiert. Die integrierte Kartenansicht ermöglicht eine schnelle räumliche Orientierung. Da alle Informationen direkt auf dem Speicher des Handys abgelegt werden, kann der EventGuide auch ohne Internetverbindung unterwegs genutzt werden. Mit Kauf der Applikation wird der Eventguide einer Stadt für drei Monate freigeschaltet. Nach Ablauf der drei Monate können weitere drei Monate nach dem Abo-Prinzip zugekauft werden.

Die deutschen Verkehrsclubs bieten inzwischen ebenfalls mehr als das gute alte Kartenmaterial zum Zusammenfalten. Speziell für das iPhone hält der ADAC beispielsweise kostenlose Wanderkarten als App bereit. «Für diese Anwendung fallen zudem keine Roaminggebühren im Ausland an», erklärt Andrea Piechotta vom Münchener Verkehrsclub. Wohl aber für den Erwerb der Kraxelhilfen: 9,99 Euro werden pro Wandergebiet fällig.

ADAC-Maps nur fürs iPhone

Außerdem bietet der ADAC eine eigene komplette Routenplanung inklusive Verkehrsinformationen, Sehenswürdigkeiten oder Umkreissuche: ADAC Maps. Die Anwendung ist bisher nur für das iPhone von Apple verfügbar. Andrea Piechotta: «Bisher bietet der ADAC das App nicht für andere Geräte an. Momentan prüfen wir, ob es entsprechende Angebote in Zukunft geben wird.» Benutzer des Smartphones aus dem Hause Apple, die Mitglieder des Verkehrsclubs sind, können kostenlos auf die App zurückgreifen. Nicht-Mitglieder zahlen 14,99 Euro. Insgesamt also besteht für die Apple-Konkurrenten ein immer noch deutlich geringeres Angebot an Navigations- und Reiseanwendungen.

In diese Lücke stoßen neben oben beschriebenen Telefonbauern wie Nokia vermehrt auch die Netzbetreiber selbst. O2 stattet beispielsweise seit März 2010 alle GPS-fähigen Geräte mit der Navi-Software von Telmap aus. Der Software-Anbieter sieht darin eine Win-Win-Situation: «Netzbetreiber können unsere Standortdienste vollständig in ihre Strategien und Infrastrukturen integrieren», so Oren Nissim von Telmap. Dadurch fallen natürlich auch Roaminggebühren an und der Nutzer ist zusätzlich von der Netzdichte des Betreibers abhängig. Andererseits bietet eine auf dem Mobilfunkgerät gespeicherte Navigation den Nachteil der mangelnden Aktualität – gerade im Bereich der Verkehrsinformationen.

Navigation gibt es übrigens auch speziell fürs Fahrrad. News.de sagt, wie weit die Entwicklung ist.

iwe/news.de/pi

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