Mo., 21.05.12

Mazda RX-8 22.07.2010 Ein stabiler Querkopf

Ein stabiler Querkopf (Foto)
Der Mazda RX-8 bietet individuelles Design und solide Verarbeitung - allerdings auch einen unzeitgemäßen Durst. Bild: auto.de

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau

Quer in der Kurve, stabil im Alltag: Der Mazda RX-8 ist immer für einen Drift gut. Der eigenwillige Hecktriebler begeisterte mit tollen Fahreigenschaften und nervte mit unanständigem Durst. Der japanische Querkopf im news.de-Alltagstest.

Ein Sportwagen – viele träumen davon, doch die meist nicht minder sportlichen Preise sorgen dafür, dass ein solches Gefährt für die meisten unerschwinglich bleibt. Die R-Modelle von Volkswagen oder die OPC-Versionen von Opel schaffen da preisgünstig Abhilfe. An den Mazda RX-8 denkt kaum jemand. Dabei bietet er ab 38.180 Euro jede Menge Extras, die bei der Konkurrenz nicht serienmäßig verbaut sind: ein hochwertiges Fahrwerk von Bilstein, ein Klang-System aus dem Hause Bose oder eine Geschwindigkeitsregelungsanlage.

156 deutsche Käufer im Jahr 2009

Der RX-8 hat einen Exotenstatus: 2009 entschieden sich 156 Kunden in Deutschland für den Wankel-mütigen Renner, bis zum Juni 2010 kauften ganze 28 Hartgesottene den Hecktriebler. Das entscheidende Alleinstellungsmerkmal ist natürlich sein Motor. Der folgt nämlich nicht kreuzbrav dem Prinzip des Herrn Otto, sondern ist nach der Bauweise von Felix Wankel konstruiert. Ottmar Hitzfeld würde sich freuen, denn wie einst so erfolgreich der Ex-Trainer des FC Bayern München arbeitet diese Maschine nach dem Rotationsprinzip. Das bedeutet: Anstelle von Hubkolben erzeugt ein einzelner Kreiskolben in einer Rotorkammer aus einer Kreisbewegung Energie. Mazda ist der einzige Autohersteller, der an diesem Prinzip noch festhält.

Das bedeutet für den RX-8-Fahrer vor allem eines: Laufruhe. Gerade sportliche Naturen mögen ordentlich vor den Kopf gestoßen sein, wenn man das erste Mal die Drehzahlleiter bis in schwindelerregende 9000er-Bereiche erklimmt und dabei Ungewohntes geschieht: nämlich fast nichts. Kein Ruckeln, kein brüllender Motor, kein ruckartiger Leistungsschub. Der viertürige Sportler entwickelt 231 PS, stellt dabei aber zierliche 211 Nm Drehmoment zur Verfügung und das erst bei 8200 Umdrehungen. Das Drehmoment entspricht also in etwa dem eines 90 PS-Turbodiesels. Folgerichtig ist der RX-8 unter 5000 Umdrehungen kaum zu gebrauchen und auch dann ist die Leistungsentwicklung eher linear. Dazu passen die kleinen Ausmaße der beiden Brennkammern von gerade einmal 1308 Kubikzentimetern.

Das Fahrwerk: gutmütig, neutral und spurstabil

Als ideale Ergänzung fungiert das sehr gut abgestimmte Fahrwerk aus dem Hause Bilstein. Spurstabil, neutral und gutmütig auch im Grenzbereich ist es optimal, um auch ungeübte Piloten dem sportlichen Fahren näherzubringen. Stabilitäts (DSC)- und Traktionskontrolle (TCS) tragen dazu wesentlich bei. Doch auch mit ausgeschaltetem TCS wird der Sportler nicht zum Gesundheitsrisiko und taucht nach nachdrücklicher Provokation in einen allzeit kontrollierbaren Drift ein. Zu diesem gesunden Maß an Fahrspaß und Beherrschbarkeit passt das relativ niedrige Fahrzeug-Gewicht gut, welches, psychologisch wichtig, deutlich unter anderthalb Tonnen liegt - nämlich bei 1390 Kilogramm.

Verpackt hat Mazda sein eigenwilliges Sportkonzept in eine ebenso individuelle Hülle: Ein absoluter Hingucker sind die Schmetterlingstüren. Sie sind jeweils außen angeschlagen und lassen sich nach innen öffnen. Ein- und Ausstieg für die hinteren Passagiere ist somit nur bei geöffneter Fronttüre möglich. Für ein Coupé ist der Zustieg auch hinten ohne Verrenkungsübungen möglich. Überhaupt bietet der Japaner auch im Fond ausreichen Raum auf den beiden Plätzen. Die Mittelkonsole verleiht dem Wagen gar einen Schuss Reisetauglichkeit. Zum Wohlfühlen tragen nicht zuletzt serienmäßige Ausstattungsoptionen wie die Klimaautomatik oder die gut konturierte Bestuhlung mit einem Stoff-, Lederbezug bei. Vorne umhüllen Recaro-Sportsitze Fahrer und Beifahrer, die jede Menge zusätzlichen Seitenhalt bieten.

Gute Verarbeitung

Auch ansonsten macht der Mazda im Innenraum Spaß: Die Materialien fühlen sich hochwertig an und die Verarbeitung ist mehr als solide. Schwarzer Klavierlack verziert die Mittelkonsole. Schwarzes Leder mit roten Ziernähten umhüllt die Schaltkulisse, das Lenkrad, und auch die Sitze nehmen dieses Motiv auf. Die Sicherheitsfeatures sind für einen Sportwagen Standard, aber nicht richtungsweisend: Front-, Seiten und Kopf/Schulterairbags schützen die vorderen Insassen.

All diese positiven Aspekte stehen jedoch einigen Wehrmutstropfen gegenüber, mit denen sich der RX-8-Fahrer im Alltag auseinandersetzen muss. Bauartbedingt ist das zum Beispiel der gedankenlose Umgang des Fahrzeugs mit Schmierstoffen aller Art. Rund einen Liter Motoröl sollte man auf 1000 Kilometer einkalkulieren. Mazda verbaut darum serienmäßig im Kofferraum eine Halterung für eine Flasche Öl. Störend jedoch ist, dass zum Nachfüllen des Schwarzen Goldes eine ziemliche Fummelei im ohnehin beengten Motorraum notwendig ist.

Prost, Herr Wankel!

Der eigentliche Sündenfall des sympathischen Exoten jedoch ist sein Spritdurst, der geradewegs aus den frühen 1960er Jahren zu stammen scheint, als die Worte Ölkrise oder Rohstoffknappheit noch unbekannt waren. Der Hersteller stellt im Schnitt 11,5 Liter Superbenzin für 100 Kilmeter in Aussicht. Und selbst dieser an sich schon happige Wert ist reine Makulatur. In unserem Alltagstest waren es durchschnittlich 15, bei harter Gangart beinahe 18 Liter, die der Japaner durch die Benzinleitungen sog. Diese Werte sind schlicht indiskutabel.

So erwies sich der RX-8 in der Summe als ein Sportler, bei dem Individualität an erster Stelle steht. Eine komplette Ausstattung, eine rassige Optik, dazu eine tolle Verarbeitung und günstige Preise stehen auf seiner Habenseite. Der Wankelmotor ist reine Geschmackssache. Seine Fans verehren den seidigen, beinahe schon turbinenartigen Lauf. Seine Kritiker mokieren sich über die klinische Performance und seinen nicht vorhandenen Durchzug. Die große Schwäche des Nippon-Renners ist sein unzeitgemäßes Trinkproblem. Allein schon die schieren Benzinverbrauchswerte machen ihn für jeglichen Alltagseinsatz ungeeignet. Wer allerdings einen bezahlbaren und sicheren Einstieg ins sportliche Fahren, umweht vom Hauch des Besonderen, sucht, der ist in der Flunder gut aufgehoben. Und welcher Renner bietet schon vier vollwertige Sitzplätze?

oro/news.de
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