Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
265 PS garantieren viel Fahrspaß - und eine fleißig arbeitende Traktionskontrolle. Der Scirocco R begeistert mit böser Optik und grandioser Verarbeitung. Allerdings nervte im news.de-Test sein Durst und die häufig überforderte Vorderachse.
Vor dem großen Wintereinbruch im Januar 2010 war die letzte Jahreshälfte 2009 noch einmal richtig heiß – zumindest aus Wolfsburger Sicht. Denn mit dem Scirocco R wurde ein heißer Feger präsentiert, der nicht nur das Topmodell der dritten Baureihe darstellt, sondern auch der frontgetriebenen Konkurrenz ordentlich Feuer unterm Hintern machen sollte. Und in dieser Liga ist die Luft dünn, der Ford Focus RS ist die unumstrittene Referenz mit 1220 scharrenden Hufen, also 305 PS.
Sportliche Optik
Der Scirocco drückt 265 PS an die Vorderachse – und präsentiert das Ganze in einer leckeren Verpackung. Die Optik zieht alle Register des sportlichen Metiers: Die flache Coupé-Schnauze wird von riesigen Lufteinlässen bestimmt. Helmut Schmidt, Leiter der Abteilung Design Motorsport und Individual betont: «Die breiten Lufteinlässe sollen die Zugehörigkeit zur R-Familie hervorheben.»
«Ein R-Modell ist ein emotionales Erlebnis», bringt Stefan Ellrott von Volkswagen Individual das Ansinnen der Wolfsburger auf den Punkt. Mit dem Motor ist das teilweise geglückt. Das nur zwei Liter kleine Vierzylinderchen drückt seine Leistung vehement auf den Asphalt. Das hervorragende Doppelkupplungsgetriebe harmoniert damit exzellent. Doch irgendwie verläuft für ein solch sportliches Fahrzeug alles ein wenig zu klinisch, zu perfekt. Sicher ist die Soundkulisse im Innenraum eine Wonne. Aber gerade im Vergleich zum direkten Konkurrenten Ford Focus RS mit seinem gierig pfeifenden und pulsierenden Turbo-Fünfzylinder wird deutlich, was der Unterschied zu echter Gänsehaut ist.
Immenser Spritdurst
Gut, dann ist wenigstens der in Aussicht gestellte Verbrauch von acht Litern auf 100 Kilometer ein Argument, oder? Mitnichten. Bei strömendem Regen und zwangsverordnetem Tempomat bei 100 km/h flossen durchschnittlich 9,1 Liter durch die Benzinleitungen. Bei artgerechter Haltung sind es gerne mal um die 15 Liter Superbenzin, die nachgetankt werden müssen. Das ist trotz aller Performance im Jahre 2010 viel zu viel für ein so kleines Motörchen. Auch ansonsten ist der Scirocco R kein billiges Vergnügen: Der Grundpreis von 35.725 Euro wird mit standesgemäßer Ausstattung schnell zur Makulatur. Der news.de-Testwagen hatte einen Listenpreis von 43.069 Euro. Viel Geld für die junge Zielgruppe.
So bleibt ein zwiegespaltenes Urteil: Einerseits begeistert der Wagen mit hervorragender Flexibilität dank variablem Dämpfersystem und DSG, das für alles von Schleichen bis Rasen immer die passende Antwort hat. Doch die furiosen Leistungsdaten des Wolfsburgers lassen sich nicht adäquat auf der Straße umsetzen. Der R ist stets leicht nervös und kämpft jederzeit spürbar mit seiner schieren Kraft.
Erfahren Sie alle Details zum news.de-Test in unserer Bilderstrecke.
kat/ivb/news.de