Von der Faser zum Lebensretter
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Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Artikel vom 13.07.2010
Hightech auf dem Kopf: Die Zeit von Lederhauben und Fliegerbrillen ist längst vorbei. Moderne Helme sind ausgeklügelte Produkte mit hohem Konstruktionsaufwand und innovativen Sicherheitsentwicklungen. News.de erklärt, wie ein Helm entsteht.
Am 1.Januar 1976 fand die Karriere der Lederkappe im öffentlichen Straßenverkehr ein jähes Ende: Vor 34 Jahren führe die Bundesrepublik die allgemeine Helmpflicht auf Krafträdern ein. Bis dahin durften unsere Väter und Großväter noch mit stabilst errichteter Tolle als Kopfschutz auf ihren Rock N`Roll-Feuerstühlen durch die 1950er Jahre knattern. In den 1970er-Jahren, kurz vor dem Ende des Kopfliberalismus der Republik, konnten modebuwusste Zweiradlenker ihr Gottvertrauen ganz dem Federungspotenzial einer Schädelhecke vom Schlage eines Paul Breitner schenken.
Doch wer denkt: «Man nehme eine Plastikschale, baue ein Visier und einen Kinnriemen daran und fertig ist der Helm,» der liegt falsch. Einen Helm zu bauen, das ist das Ergebnis langer Entwicklungs- und Erprobungsphasen. Das tragende Teil eines jeden Helms ist die Kopfschale. Dabei kommen verschiedene Werkstoffe zum Einsatz. Bei billigen Modellen ist es meist Polycarbonat, also Kunststoff. Der ist günstig in der Anschaffung, hat allerdings ein höheres Gewicht im Vergleich zu anderen Werkstoffen und bietet eine geringere Stabilität. Andere Materialien können diese Nachteile kompensieren: Glasfaser und Karbon, beziehungsweise Mischungen der beiden.
Bis zu 300 Vorserienmodelle müssen in den Crashtest
Der Weg von der Planung bis zur Produktion eines Modells hingegen ist lang und kostspielig: «Allein für die Zertifizierung müssen knapp 60 Exemplare zu Testzwecken zerstört werden,» weiß Christof Wobst, Produktionsleiter bei Schuberth. Insgesamt sind es bis zu 300 Helme eines Modells, die im Laufe der Entwicklung im Dienste der Sicherheit malträtiert werden. Der Grund dafür sind umfangreiche Crashtests, bei denen die Kopfbedeckung ihre Steifigkeit beweisen muss. Danach ist der Testhelm natürlich schrottreif.
Abhilfe könnte in Zukunft eine absolut realitätsgetreue Computersimulation der Test- und Prüfläufe bringen. Bis dahin allerdings sterben die 300 Exemplare den Heldentod – das ist zwar teuer, aber für den Käufer im Schadensfall immer noch sicherer als die Tolle von Opa.
Wie ein Helm Schritt für Schritt entsteht, erfahren Sie in unserer ausführlichen Bildstrecke.
kat/news.de
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