An sich dürften die beiden Kontrahenten erst in knapp vier Jahren die Klingen kreuzen. Doch bei der Oldtimer-Rallye Silvretta Classic kam es früher als erwartet zum erste Showdown. Mercedes SLS E-Cell und Audi e-tron traten im glühend heißen Montafon gegeneinander an.
Neongelb gegen dunkelgrau, Stuttgart gegen Ingolstadt, Power gegen Power - an sich nichts Ungewöhnliches, würden die beiden Boliden Mercedes SLS und Audi R8 nicht ausschließlich von einem Elektromotor angetrieben. Keine Rennstrecke oder Autobahn in Deutschland oder den USA sollte zeigen, wer der bessere ist. Es ging ins österreichische Montafon zu einem ersten Vergleich der beiden elektrobetriebenen Supersportler.
Der Elektroantrieb ist längst in aller Munde und auch wenn in den nächsten zehn Jahren nur Bruchteile der weltweiten Neufahrzeuge ein reines Elektroherz bekommen sollten, so geht es bei den großen Herstellern derzeit heiß her.
Die Entwicklungsabteilungen schieben Extraschichten und auch das Marketing kommt kaum zur Ruhe, um die neue Elektroidee in die Hirne der potenziellen Kunden zu brennen. Da kommt eine Traditionsveranstaltung wie die Oldtimer-Rallye Silvretta Classic gerade Recht. Nachdem Audi einen roten e-tron Ende 2009 zu einem kurzen Prototypen-Ausflug auf dem Pacific Coast Highway in Kalifornien bereits von der Leine ließ, zog Mercedes in diesem Sommer mit einem Abstecher nach Norwegen nach.
«Wir brauchen in Größe und Palette kaufbare Produkte. Die Vergangenheit hat aber auch gezeigt, dass nur wenn die Infrastruktur steht, sich auch der Kundenerfolg einstellt. Da müssen wir aufs Tempo drücken», so Andreas Scheuer (CSU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium am Rande der Veranstaltung. Doch aufs Tempo drückten erst einmal die Elektrorenner.
Audi und Mercedes problemlos im Testlauf
Technologisch fährt der dunkelgraue Audi e-tron auf Augenhöhe. Doch muss er im aktuellen Entwicklungsstand mit 313 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von rund 200 km/h auskommen. Der Benziner hat ein V10-Triebwerk und 525 PS. Doch der Anzug auf den Straßen Richtung Bartholomäberg ist ebenfalls enorm. Michael Dick, Entwicklungschef bei Audi: «Für uns ist das eine ideale Hitzerprobung. Ende des Jahres starten wir eine kleine Pilotserie des e-tron. 2012 folgt dann eine Kleinserie des rein elektrisch angetriebenen Sportwagens. Wir hatten hier im Fahrbetrieb keine Probleme. Dort, wo es der Kunde nicht sieht, zum Beispiel bei den Akkuzellen, müssen mehrere Hersteller zusammenarbeiten. Das spart Entwicklungskosten und ermöglicht Einsparungen über größere Stückzahlen.»
Bleibt nur zu hoffen, dass die Elektro-Rallye im Rahmen der Silvretta Classic im kommenden Jahr etwas mehr Wettkampfcharakter und Streckenlänge bekommt. Denn pro Tag können Strecken bis 60 Kilometer, 35 Grad im Schatten und steile Anstiege die Elektrofahrzeuge nicht ernsthaft auf die Probe stellen.
Vorarlberg ist Modellregion für Elektromobilität
Der sonnenreiche Montafon im Bundesland Vorarlberg war in diesem Jahr zum 13. Mal Veranstaltungsort für die renommierte Alpen-Rallye Silvretta Classic. Vorarlberg ist mit 750 Ladestationen und 75 Fahrzeugen Modellregion für Elektromobilität. «Die vergangenen drei Tage haben gezeigt, dass E-Autos schon sehr leistungsfähig sind. Jedoch müssen in den nächsten zwei Jahren die Batteriekosten noch mal drastisch sinken. Derzeit sind wir je nach Anbieter bei 600 Euro pro Kilowattstunde und damit bei Gesamtkosten von über 10.000 Euro für einen Akku. Wir müssen aber auf 200 Euro und weniger pro Kilowattstunde für wirklich autotaugliche Akkus kommen», erläutert Ulrich Hackenberg, Entwicklungschef bei Volkswagen, deren Golf Elektro mit der dreitätigen Hitzetour ebenfalls keinerlei Probleme hatte. Er soll 2013 in Serie kommen.
Mercedes SLS und Audi e-tron konnten ihre beeindruckenden Fahrleistungen nicht ausfahren, aber allemal die Werbetrommel rühren. Supersportwagen und Elektroantriebe schließen sich nicht aus. Doch nicht bei den meisten Autofans auf der Silvretta Classic sprang der Funke über. Kein Wunder - die meisten wollten brüllende Porsche 911, hüstelnde Ford Taunus, grollende Jaguar oder blubbernde Käfer aus der guten alten Zeit sehen. Das wird sich auf absehbare Zeit wohl kaum ändern.
sgo/kat/news.de/pi
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