Mercedes C111 Flunder mit Diesel-Kick

Wanderdüne statt TDI. Früher war ein Diesel ein Verkehrshindernis mit Stink- und Antikomfortgarantie. Vor mehr als 30 Jahren hat Mercedes den ersten waschechten Rennwagen mit Dieselmotor präsentiert. Für news.de haben sie ihn noch einmal ausgegraben.

Mercedes C111 (Foto)
Schon damals seiner Zeit weit voraus und auch heute noch ein echter Renner. Bild: pi

Wie ein Ufo taucht der orangefarbene Keil am Horizont auf. Seine schwarze Unterseite verschwimmt mit der Straße, als habe er gar keine Räder. Erst wenn der Mercedes C111 mit Donnergrollen an einem vorbeizieht, sieht man, dass es sich um ein Auto handelt und nicht um einen Landgleiter aus «Krieg der Sterne». Der flache Renner legt sich in die Steilkurve der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Papenburg.

Der beste Platz ist jetzt natürlich hinter dem Steuer: Man wird in der Steilkurve mit voller Wucht in den Schalensitz gepresst, die Hände umklammern das Lenkrad mit dem schicken Holzkranz, bis die Knöchel weiß werden. Dabei könnten sie es bei vollem Tempo getrost loslassen - in der um fast 50 Grad geneigten Kurve bleibt der C111 ganz von selbst in der Spur.

Mercedes C111: Renntaxi und SL-Nachfolger

Serienfertigung gab es nie

Als auf dem Genfer Salon 1970 ein leicht veränderter zweiter Entwurf des Wagens präsentiert wird, treffen die ersten Blankoschecks in Stuttgart ein. Viele wollen den Sportflitzer unbesehen kaufen, doch keiner wird ihn bekommen. «Dabei war die Serienfertigung lange Zeit wahrscheinlich, der C111 hätte eigentlich die Idee des 300 SL fortführen sollen», sagt Daimlers Historien-Experte Josef Ernst. Doch erst der SLS AMG bescherte Mercedes wieder einen Supersportler mit Flügeltüren.

Der Diesel übrigens feierte in den USA tatsächlich seinen Durchbruch. 1981, kurz nach der zweiten Ölkrise, hatten rund 80 Prozent aller in Nordamerika verkauften Mercedes-Pkw Dieselmotoren an Bord. Neue Abgasbestimmungen setzten dem Trend zum (damals) rußenden Stinker schließlich ein Ende. Erst mit sauberer Bluetec-Technologie konnte der Selbstzünder ein noch zaghaftes US-Comeback feiern. Einen Diesel-Renner mit Flügeltüren als Imageträger wird es diesmal aber nicht geben: Der SLS AMG soll stattdessen als Elektro-Supersportler der Marke einen grünen Anstrich verpassen.

Erfahren Sie mehr über den schwäbischen Ur-Flitzer in unserer Bilderstrecke.

sgo/ham/news.de/pi

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