Peugeot und Citroën werden ihre Dieselmodelle demnächst mit einer neuen Generation der Start-Stopp-Technik anbieten. Die e-HDI- Technologie bringt Selbstzünder nach jedem noch so kurzen Halt geschmeidig wieder auf Trab und Sparkurs.
Ein ganz normaler Tag in Paris: Auf den Champs-Elysées stockt der Verkehr und in den schmalen Seitenstraßen, wo alle paar Meter Menschen mit Aktentasche, Einkaufstüten oder Kinderwagen die Fahrbahn kreuzen, ist an flottes Fortkommen nicht zu denken. Um den Durst der Motoren auf typischen Citytouren zu drosseln, haben Autobauer schon vor längerer Zeit die Start-Stopp-Technik entwickelt, die den Motor im Stau oder an der roten Ampel automatisch in den kurzzeitigen Ruhestand versetzt.
Die Technik kommt in Verbindung mit Benzin- und Dieselmotoren zum Einsatz. Nachdem die Technik bei anderen Herstellern bereits seit längerer Zeit zu bekommen ist, kommt mit Verspätung nun auch Peugeot mit der Start-Stopp-Technologie. Der Peugeot 308 mit Selbstzünder-Triebwerk meldet sich bei der Testfahrt durch die französische Hauptstadt nach jeder Mini-Pause angenehm schnell, leise und weitgehend vibrationsfrei zurück. Möglich wird das durch die e-HDI-Technologie, eine ganz neue Start-Stopp- Generation, die die Entwickler des PSA-Konzerns für ihre Diesel-Aggregate maßgeschneidert haben.
30 Prozent schneller als mit herkömmliche Start-Stopp-Technologie
Bei der e-HDI-Technologie wurden die Common-Rail-Diesel des PSA- Konzerns erstmals mit einem reversiblen Starter-Generator kombiniert. Dieser ist über einen Keilriemen mit dem Motor verbunden und stellt beim Startvorgang deutlich mehr Energie zur Verfügung als ein herkömmlicher Anlasser. Das Drehmoment, das der Selbstzünder zum Starten braucht, wird besonders schnell erreicht; das sorgt für mehr Fahrkomfort. So springen die e-HDI-Aggregate nach jedem kleinen Stopp schon nach 400 Millisekunden wieder an und sollen damit laut PSA 30 Prozent schneller sein als mit bisheriger Start-Stopp-Technologie.
Im Vergleich zu einem Diesel, der vom Fahrer im Handbetrieb angelassen wird, halbiere sich die Startzeit sogar. Die nötige Energie bezieht der Starter-Generator aus der Batterie, die immer dann gespeist wird, wenn der Fahrer aktiv bremst oder einfach den Fuß vom Gaspedal nimmt. Damit der höhere Energiebedarf des Generators gedeckt werden kann ohne dass die Bordelektronik kollabiert, hat PSA das e-HDI-System mit zusätzlichen Kondensatoren, einem sogenannten «E-Booster», hochgerüstet.
Im Stadtverkehr lasse sich Verbrauch der Dieselmotoren durch den Einsatz von e-HDI um bis zu 15 Prozent senken, versprechen die PSA-Ingenieure. Wie effektiv das System tatsächlich arbeitet, hängt entscheidend von der Fahrweise ab. Die neue Start-Stopp-Technik schaltet sich bereits bei Geschwindigkeiten unter 20 km/h ab - aber nur wenn der Fahrer weder Gaspedal noch Kupplung betätigt und den Knüppel seines Schaltgetriebes in Neutral-Stellung bringt. Mit einem Automatikgetriebe kombiniert klinkt sich der Motor bei Geschwindigkeiten unter 8 km/h aus. Rund 600.000 solcher Start-Stopp-Aktionen - genug für ein ganzes Autoleben - könne das System verkraften, so Christian Chapelle, der beim PSA-Konzern für Motorenentwicklung verantwortlich ist.
30 Prozent aller PSA-Diesel sollen bis 2013 e-HDI haben
Bei Citroën wird e-HDI ab Ende des Jahres für das neue Kompaktmodell C4 und die Mittelklasselimousine C5 angeboten. Peugeot zieht Anfang 2011 nach und packt dem 308 und dem Nachfolger des 407 auf Kundenwunsch e- HDI-Technik unter die Haube. Bei beiden Marken wird die Technik zunächst aber nur in Verbindung mit den 1,4- sowie 1,6-Liter-Common-Rail- Dieselmotoren angeboten und steht sowohl in Kombination mit manueller Sechsgang-Schaltung als auch mit Automatikgetriebe zur Verfügung.
Erst in einem zweiten Schritt wird e-HDI dann auch auf die größeren Diesel übertragen. Bis 2013 will PSA 30 Prozent seiner Dieselfahrzeuge mit der verbrauchsmindernden Technik vorfahren lassen. Fraglich ist jedoch, ob den Kunden die Technik einen Aufpreis wert ist. Gerade die deutschen Wettbewerber bieten die Technik serienmäßig an.
Der Mehrpreis für die Option e-HDI werde sich auf «ein paar hundert Euro» belaufen, kündigte PSA-Markenvorstand Jean-Marc Gales an. Damit man bei jeder Fahrt kontrollieren kann, ob und wie sich der Einsatz der Abschalt-Funktion lohnt, zeigt eine Anzeige auf dem Display an, wie viel Zeit der Motor auf der jeweiligen Tour im Ruhemodus zubringt. Bei der 20- minütigen Testfahrt durch die Pariser City waren das am Ende über acht Minuten.
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