Mo., 21.05.12

Kombi-Vergleich 12.05.2010 Herz oder Hirn?

Herz oder Hirn? (Foto)
BMW 325i touring (links) versus Audi A4 2.0 TFSI Avant. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau

Man hat`s nicht leicht: Karriere, Kinder, Küche einrichten. Und dann noch den richtigen Kombi für alle Fälle finden. Audi A4 Avant und BMW 325i touring können Alltag und Sport. News.de hat die beiden auf Herz, Hirn und Nieren getestet.

Die ersten Falten machen sich breit. Der Job fordert einen voll und das kleine Geschwisterchen von Malte ist bereits unterwegs: Nein, die postakademischen Entscheider von morgen haben zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr nicht viel zu lachen. Gerade solche Menschen - viel Geld, wenig Zeit - will das bayerische Premium-Duo Audi und BMW mit ihren potenten Mittelklasse-Kombis ansprechen. Wagen, die den Anschein biederer Familienkombis wahren und gleichzeitig für Papi zum Spaß-Gerät am Wochenende mutieren können.

Die beiden Bayern im news.de-Test meistern diesen Spagat mit Bravour: Sie sehen auf den ersten Blick aus wie zwei zahme Vertreter-Transporter mit Basis-Dieselaggregat im Bug. Doch Leistungen von über 200 PS sprechen eine deutliche Sprache. Dabei könnten die Unterschiede der Antriebskonzepte nicht größer sein: BMW ballert seinen mächtigen Drei-Liter-Sechszylinder auf 218 PS. Audi lädt einen Zweiliter-Vierzylinder auf 211 Pferdestärken auf. Der Münchner ist traditionell eine Heckschleuder, Audi setzt auf sein Allrad-Prinzip quattro.

Im Innenraum siegt der BMW

Der Innenraum darf als familienkompatibel gelten - mehr allerdings nicht. Diese beiden Kombis sind Lifestyle, nicht Lastesel. Beim Audi ist sogar auf den vorderen Plätzen die Raumausbeute unverschämt knapp. Hinten dürfen die Platzverhältnisse getrost als mangelhaft in Anbetracht der Fahrzeugmaße bezeichnet werden. Kopf- und Beinfreiheit sind eines ausgewachsenen Mitteleuropäers schlicht unwürdig. Dafür setzt der Ingolstädter innen auf ein gehobenes Ambiente. Die typischen Aluminium-Applikationen verleihen Wertigkeit und Eleganz.

Innen allerdings ist der BMW einen Schritt weiter als sein inner-oberbayerischer Konkurrent. Vorne ist das Platzangebot etwas großzügiger - vor allem Kopf und Bein dürfen sich freier fühlen. Trotzdem versprüht der 3er noch mehr sportives Flair. Er ist nicht nur von den Eckdaten her flacher als der A4, sondern das Gefühl, gerade auf den Vordersitzen darf schon beinahe als coupéhaft bezeichnet werden. In Sachen Wertigkeit und Haptik hat der Münchener ebenfalls die Nase vorn. Alles ist aus einem Guss, wie aus einem Block geschlagen. Während der Ingolstädter gerade in der Mittelkonsole mit unübersichtlich vielen Schaltern verwirrt, wirkt der Münchner aufgeräumter, entspannter. Das iDrive funktioniert auf Anhieb, als habe man noch nie etwas anderes bedient. Man will nichts anderes mehr. Punktsieg für den BMW.

Kombi-Vergleich
Herz oder Hirn?
Video: Unitec

Audi klinisch, BMW emotional

Im Bug setzt der Audi auf Turbo und Direkteinspritzung. Die Ingolstädter nennen das Ganze TFSI. Ein sattes Drehmoment von 280 Nm steht ab 1800 Touren bereit. Und damit die Kraft auch auf dem Asphalt ankommt, verfügt unser Testwagen über den Allradantrieb quattro. Das zahlt sich vor allem in kritischen Situationen aus, wie unsere Tests auf dem ADAC-Fahrsicherheitszentrum Leipzig-Halle zeigen konnten.

BMW hat seit jeher eine andere Philosophie. Typisch für die Münchner: Auch der 325i ist eine echte Drehorgel. Die 218 PS stehen erst bei stattlichen 6500 Touren zur Verfügung. Auch während des Fahrbetriebs lechzt das Aggregat nach Drehzahlen. Ein Sportmotor der alten Schule. Ein Genuss auch die Akustik: Die Maschine faucht, will getreten werden. In Sachen Drehmoment hingegen kann der 3er dem A4 nicht das Wasser reichen. Bei den Leistungs-Eckdaten des 3ers hätte man mehr als 250 Nm erwartet.

Knackige Fahrleistungen - exorbitanter Verbrauch

Bei beiden stehen knackige Fahrleistungen zur Verfügung: Der Audi stürmt in 6,6 Sekunden auf 100 km/h, beim BMW vergehen bis dahin 6,9 Sekunden. Bei der Höchstgeschwindigkeit hat der Münchner die Nase wieder vorn: Erst bei 248 km/h bleibt die Tachonadel stehen. Dem Audi geht bei 237 Sachen die Luft aus. Dabei outen sich beide Test-Kandidaten nicht als Sparfüchse: Vor allem der Audi nervt mit knapp zwölf Litern im Schnitt. Der BMW ist zwar auch kein Schotte, aber wenigstens mit zehn Litern auf 100 Kilometer bewegbar.

Wen das nicht stört, der kann mit beiden nach Bedarf den Nachwuchs stilsicher zum Kindergarten chauffieren oder am Wochenende 18-Jährige mit tiefergelegten Tankstellen-Rennern zum Weinen bringen. Da lacht das Herz des Piloten - und lässt ihn für wenigstens ein paar Stunden Falten, Plagen und Werbeagentur vergessen. Apropos Herz: Rational ist der Audi der bessere, weil rundere Kauf. Rein emotional aber kann er dem BMW nicht das Wasser reichen. So bleibt am Ende noch eine verdammt schwierige Entscheidung: Herz oder Hirn? Als ob das Leben nicht schon anstrengend genug wäre zwischen 30 und 40.

cvd/ivb/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • beta
  • Kommentar 2
  • 13.05.2010 18:20
  • Alphaleser
  • Kommentar 1
  • 13.05.2010 18:01
 

Kann mir daraus noch nicht so recht einen guten Reim machen. Zwar sind die beiden Eckdatengruppen der Fahrzeuge nicht uninteresant, aber für meinen Instinkt und Geschmack atme ich da gerne etwas tiefer ein und durch. Außer dem vermisse ich eine wenig die Worte und Sätze mit welchen die motordynamischen Druckkräfte am Fahrpedal kommentiert werden können. Das trift auch auf die Lenkung und die Bremse zu. Für Werktags den Audi für 500000 Km/10a und für die Freizeit den BMW 261800 Km/10a damit kann ich mich anfreunden.

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