Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Bei uns Schrott, in Südafrika Leihauto: «Rent a Wreck» vermietet Rostlauben zu Schleuderpreisen. In dem schroffen Land mit seinem nervenaufreibenden Verkehr eine sinnvolle Alternative. Ein Erfahrungsbericht vom Kap.
Afrika ist die Müllhalde der westlichen Zivilisation. Egal ob Altkleider, überholte Computertechnologie oder Handys aus digitaler Vorzeit - wenn es die alte Welt nicht mehr will, landet es früher oder später auf dem Schwarzen Kontinent. Das gilt nicht zuletzt für alte Autos. Sortiert der strenge deutsche Tüv das Blech aus, warten die Exporteure schon freudig auf das Frischfleisch.
Doch was bei uns als Schrott gilt, hat in Südafrika oft noch goldene Jahre vor sich. Denn einen Tüv gibt es dort nicht. Wer denkt, dass der deutsche Winter schlimm für ein Auto sei, der sollte sich einmal anschauen, wie sich auch heißer Sand durch den kleinsten Spalt zwängt. Die Straßen in Südafrika sind ohnehin meist unbefestigt - und wenn asphaltiert, dann gnadenlos überfüllt. Da liegt es auf der Hand, sich auch als Tourist den Rahmenbedingungen anzupassen und als Leihwagen eben kein hochpoliertes Neufahrzeug, sondern ein verlebtes Vehikel zu sichern.
Schrott zu vermieten
Das ist das Prinzip von «Rent a Wreck»: Ein altes Auto, das allerdings technisch noch voll auf der Höhe ist, für günstiges Geld erwerben. Sicherheitsfanatiker schätzen dabei die Tatsache, dass die automobilen Senioren die Lenker nicht sofort als Touristen zu erkennen geben. Auch Ängstlichkeit ist eben typisch deutsch.
Für Matthias Rominger allerdings stand eher der finanzielle Aspekt im Vordergrund, als er sich für ein solches Wrack während seiner Zeit in Südafrika entschied: «250 Euro ist der Preis für einen Wagen pro Monat. Ich habe allerdings knapp 300 bezahlt, weil ich mich für eine Zusatzversicherung entschieden habe.» Die ist auch bitter nötig: «Der Normalbürger in Südafrika hat seinen Wagen nicht versichert. Somit bleibt man immer auf seinem Schaden sitzen, selbst wenn man keine Schuld an dem Unfall trägt.»
Während der 29-Jährige an der deutschen Schule in Pretoria arbeitete, stand ihm der Klassiker aus der «Rent a Wreck»-Flotte zur Verfügung: eine Mazda-323-Stufenheck-Limousine in unauffälligem Weiß. Alter: um die 25 Jahre.
Rominger ist ein typischer Kunde der etwas anderen Autovermietung. Den Großteil der Fahrzeuge mieten Menschen, die in Südafrika befristet arbeiten, die dort ein Austauschsemester oder ein Gastjahr verbringen. Der fahrbare Untersatz ist auch bitter nötig, wie Rominger feststellen musste: «Ã–ffentlicher Personennahverkehr existiert praktisch nicht. Man ist auf ein Auto angewiesen. Und weil die Busse abends gar nicht mehr fahren, setzen sich dann viele auch betrunken hinters Steuer.»
Der Verkehr kann gefährlich sein
Gerade in der Stadt ist der Verkehr am Abend gefährlich. Der Straßenverkehr ist Todesursache Nummer eins in Südafrika. Leitplanken gibt es nicht, auch nicht auf Autobahnen. Außerdem sind die Schnellstraßen nicht einmal vor Fußgängern und Tierherden sicher.
Passiert ist dem Leipziger trotzdem nichts. Einmal allerdings waren er und sein Wrack in tierischer Gefahr. Ein Amarula hätte den Mazda samt Insassen beinahe dem Erdboden gleich gemacht. Dabei war mit Amarula allerdings nicht der Wildfrucht-Creme-Likör aus Südafrika gemeint, sondern ein vier Tonnen schwerer Elefantenbulle im Pilanesberg-Nationalpark.
«Das war ganz schön knapp», erinnert sich Rominger heute mit einem Grinsen. «Von dem Tier hat man eigentlich außer dem Schatten nichts mehr gesehen. Er stand direkt über uns. Man darf sich aber nicht hektisch bewegen, sonst rastet der Bulle aus. Als der Moment es zuließ, habe ich einfach Vollgas gegeben und wir waren weg», schildert der angehende Lehrer.
Der alte Mazda selbst bereitete ihm keine Schwierigkeiten. Die Verschleißteile werden bei Bedarf von lokalen Werkstätten ausgetauscht, die mit «Rent a Wreck» kooperieren. Und die Technik ist bei fast allen Fahrzeugen gut in Schuss. Allein bei der Rückkehr von einem Trip nach Swasiland hatte Rominger Glück: «Als wir nach stundenlanger Fahrt zu Hause ankamen, stellte ich fest, dass sich bei beiden Hinterreifen der Mantel gelöst hatte. Ich bin quasi auf dem Stahlgürtel heim gefahren. Da war ich erstmal sprachlos.»
Die Pneus wurden anstandslos ausgetauscht. Überhaupt war das Team der Verleiher freundlich und immer erreichbar, sagt Rominger. Und wenn der deutsche Tüv so streng bleibt wie bisher, dann bekommen die rüstigen Rostlauben in Südafrika auch immer kräftig Nachwuchs.
mas/ivb/news.de
TÜV - nicht mal die Schweizer prüfen so häufig wie wir (You- tube) und würde sogar am liebsten noch weniger. Aber deutsche Trottel sichern alles ab, wahrscheinlich haben die sogar Angst zu leben und sichern womöglich noch den Tod ab, damit sie sicher sein können, daß sie nach dem Sterben auch SICHER tod sind! Ja, ja die dummen Deuschen (bin selbst einer u. mag sie nicht) wahrscheinlich haben die schon flächendeckend BSE.
jetzt antwortenKommentar meldenWenn ich schon ein fremdes Land betrete sollte man sich entsprechend auch anpassen. Wir verlangen dasselbe von denen die zu uns kommen auch. Das gebührt die Achtung, Höflichkeit und der gesellschaftliche Anstand. Mehr gibts dazu nicht zu sagen.
jetzt antwortenKommentar meldenAber das mit den Schrottautos - das schon ne wirklich geile Sache, denn Freizeit im Siechtum hier oder dort - wo ist der Unterschied. So kann man gegebenenfalls abenteuerliche Geschichten als Mitbringsel impertieren. Das ist persönlich, echt, nicht käuflich UND hat eben nicht jeder Spießbürger u. Snob vorzuweisen. In einem Urlaub sollte auch mal was erlebt werden, denn Sicherheit u. Komfort hab ich auch zuhaus. Dazu brauchts kein Ausland.Und passieren kann mir zuhaus auch jeden Tag etwas. Komforturlaub ist für die mit der Wampe denken u. die Eintrittskarte f. Altenheim mit sich tragen.
jetzt antwortenKommentar meldendas ist schon mehr als der Gipfel an Menschenverachtung!
jetzt antwortenKommentar meldenIch finde das wahnsinnig abgefahren. Weg vom Komfort Urlaub in bewachten u. mit Mauer umgebenen Hotelanlagen. Da kann ich mich ja gleich ins Altersheim begeben, oder mich einsalzen und in die Holzkiste schmeißen lassen. - Es ist auch entwürdigend gegenüber denen die wir besuchen. - Hochmut, Arroganz u. Egomanie muß man nicht in den Ländern zur Schau stellen die wir selbst durch Kolonialisierung zuvor bis in heutige Zeit ausgeplündert haben - pervers! Selbst, daß die Pharma u. Chemie Afrika als Versuchslabor mißbraucht und deren "Unbildung" ausnutzt, um als Laborratten herzuhalten ...
jetzt antwortenKommentar meldenCool! Hätte gerne die Kontaktdaten vom Schrott-Vermieter! www.kapstadtmagazin.de
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