AMI 2010 Vier sind zwei zu viel

Vier sind zwei zu viel (Foto)
Die Messe zum Probesitzen: Auf der AMI gibts auch Motorräder zu bestaunen. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau in Leipzig
Motorräder auf einer Automesse, passt das? Ja - denn einige Autobauer bieten mehr als nur Vierräder. Außerdem können ohnehin PS-infizierte Besucher leichter für die Motorrad-Sparte sensibilisiert werden. News.de zeigt die Zweirad-Stars der AMI.

Weltpremieren und Testparcours, Fachkongresse und Treffpunkt für die Branche: Die Leipziger AMI ist eine Automesse, die alles bietet, was man sich von einer solchen Veranstaltung erwartet. Umso überraschender ist es, wenn man in den Ausstellungshallen plötzlich auf Motorräder stößt. Die Zweiräder sind ohnehin schwer zu sehen, da sie allein schon aufgrund ihrer Abmessungen in der Masse der viel größeren Automobile verschwinden.

Dabei bieten die Ausstellungen vor allem für Hersteller, die auch auf dem Zweiradsektor aktiv sind, die Möglichkeit, Synergieeffekte zu nutzen. Aaron Lang von Honda Deutschland: «Unser Grundgedanke ist es, die Welt von Honda darzustellen. Und die umfasst die Bereiche Auto, Motorrad, Marine und Garten.» Einen ähnlichen Ansatz verfolgt BMW: «Viele Menschen, die Interesse am Auto haben, sind auch Motorrad-affin. Automobilmessen sind daher eine ideale Plattform, um vielen Menschen unsere Motorräder näher zu bringen», weiß Beata Telingo von BMW.

AMI 2010
Lizenz zum Fremdgehen
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Aktuelle Modelle im Vordergrund

Honda zeigt auf seinem Messestand die brandneue VFR 1200 F. Der Tourensportler wartet auf Wunsch mit Doppelkupplungsgetriebe auf und drückt immerhin 173 PS ans Hinterrad. Will Honda damit etwa auch seine Automobile im sportlicherem Glanz erstrahlen lassen? «Nein, der Charakter des Fahrzeuges ist eher zweitrangig und Abstrahlungseffekte stehen eher im Hintergrund. Viel wichtiger ist der Aktualitätsgedanke», stellt Aaron Lang richtig. Ein dritter Faktor ist ganz banal der Pragmatik geschuldet: der Platz. Wenn also noch ein paar Quadratmeter frei sind, dann werden sie eben mit einem Motorrad gefüllt. Ist der Stand ausgelastet, dann bleiben die Zweiräder zu Hause.

Ausreichend Platz hatte demzufolge BMW auf der AMI zur Verfügung. Nachdem die Münchner 2009 mit ihrer Abwesenheit glänzten, sind nun neben der Weltpremiere des 5er Touring jene beiden Motorräder auf dem Stand platziert, die als die aktuellen Zugpferde ihrer Kraftrad-Sparte gesehen werden können: Der brandneue Supersportler S 1000 RR und der Touren-Klassiker R 1200 GS. Erstere Maschine ist erst im Herbst 2009 erschienen und darf getrost als Meilenstein in der Riege der bayerischen Motorradbauer gelten. War doch jahrzehntelang der Bereich der Superbikes traditionell in japanischer Hand.

«Gummikuh» ade

BMWs waren entweder als lahme «Gummikühe» verschrien oder mit ihren zweizylindrigen Boxermotoren leistungsmäßig hoffnungslos unterlegen und gewichtsseitig hoffnungslos überlegen. «BMW Motorräder waren bis vor einigen Jahren noch als eher komfortabel und wenig dynamisch bekannt. Das hat sich nun durch eine vollkommene Neuausrichtung bei den Modellen und des Motorsportengagements nachhaltig geändert - die Images beider Marken gleichen sich mehr und mehr an», so Beata Telingo. In der Tat: Die s 1000 RR kommt mit 193 PS auf 202 Kilogramm fahrfertigem Gesamtgewicht erschreckend nahe an das Sportmotorrad-Ideal von lediglich einem Kilogramm, das pro PS bewegt werden muss.

Heiße Hostessen
Schöne Aussichten auf der AMI
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Die andere Maschine am Stand von BMW ist ein Klassiker unter den Reise-Enduros, die R 1200 GS. Sie hat im Gegensatz zu ihrer supersportlichen Schwester noch den unverwüstlichen Boxermotor mit zwei Zylindern. Mit 110 PS ist sie für ein so großes geländetaugliches Motorrad üppig motorisiert, hat zudem deutlich an Gewicht verloren und bringt nur noch 256 Kilogramm fahrfertig auf die Waage. Außerdem hat sie ein schlagendes Argument dafür, dass sie auf keiner Automesse fehlen sollte: Mit einer Höhe von 1,52 Meter überragt sie sogar einen 3er BMW. Und ist damit problemlos sichtbar. Auch für Leute, die eigentlich nur wegen Automobilen gekommen sind.

kab/ivb/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ronny Kohl
  • Kommentar 1
  • 19.05.2010 10:25

«Viele Menschen, die Interesse am Auto haben, sind auch Motorrad-affin. Automobilmessen sind daher eine ideale Plattform, um vielen Menschen unsere Motorräder näher zu bringen», weiß Beata Telingo von BMW. Umkehrschluss: Alle Autofahrer haben einen Motorradführerschein... pures naives Wunschdenken würde ich da mal sagen. Vielleicht mal über Statements nachdenken, bevor man sie abgibt?!

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