AMI 2010 Die Krieger der Reinheit

Die Krieger der Reinheit (Foto)
Bis in den letzten Winkel: Fahrzeugpfleger sorgen für klinisch saubere Ausstellungsfahrzeuge. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau, Leipzig
Sie stehen im Hintergrund. Doch von ihnen hängt so viel ab. Fahrzeugpfleger sind dafür verantwortlich, dass die Autobauer beim Messeauftritt glänzen können. News.de hat ein Auge auf die Leute geworfen, die jeder kennt - und doch nicht.

Nur noch einen Moment. Gleich zieht die Gruppe von Anzugträgern zum nächsten Fahrzeug. Sobald die Herren einige Meter vom Fahrzeug entfernt sind, kommt eine Gestalt zum Vorschein, die vom Aussehen so gar nicht zum Hochglanz-Anspruch einer Fahrzeugmesse passt. T-Shirt oder Polo-Hemd und eine weite Arbeitshose, bequem geschnitten und meist mit praktischen Seitentaschen - das ist die Berufskleidung. Fahrzeugpfleger sorgen dafür, dass die Herren im Anzug sich an klinisch sauberen Autos erfreuen können.

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Fahrzeughersteller ein Billigheimer aus Asien oder eine italienische Edelschmiede ist: Am Messestand will jeder glänzen. Dafür zuständig sind die Fahrzeugpfleger. Auf diese Bezeichnung legt der Berufsstand großen Wert: «Ich will bitte nicht anders genannt werden. Alle anderen Bezeichnung empfinde ich als abwertend. Schnell hat man das Etikett der billigen Putze», stellt einer der Protagonisten klar.

AMI 2010
Gute (Putz-)Teufel

Bewaffnet mit Staubwedel und Vliestuch

Staubwedel und Vliestuch sind ihre Waffen. Die Sprühflaschen mit Reinigungsmitteln ihre Munition. Die Schlacht selbst dreht sich im Kreis, den ganzen Tag: «Man läuft einfach von einem Fahrzeug zum nächsten, immer gleich», beschreibt einer von ihnen seine Tätigkeit. So ein Turnus kann bis zu einer Stunde beanspruchen, je nachdem, wie viele Wagen zu säubern sind.

Doch trotzdem sind die meisten froh, den Rundlauf absolvieren zu können. Die Krise in der Automobilbranche hat auch die Messe-Politik der Hersteller beeinflusst. Die Stände sind kleiner geworden, die Messeauftritte wurden gestrafft. Nissan zum Beispiel verfolgt die Politik: Eine Messe pro Kontinent pro Jahr. Und da hat natürlich die Show in Genf in diesem Jahr die Hauptrolle gespielt. Das bedeutet natürlich auch weniger Einsätze für die Pflegekräfte.

AMI 2010
Das große Fressen
Video: news.de

«Früher gab es mehr von uns»

«Man merkt den Unterschied deutlich», sagt einer, der schon seit vielen Jahren dabei ist. «Die großen deutschen Marken sind dabei aber noch relativ glimpflich davongekommen. Noch immer sind die Dimensionen hier üppig und unsere Arbeitsumstände sind gut. Aber vorher war eben alles noch ein Stück besser», fährt der Mann fort. Besser - das bedeutet bessere Unterbringung und mehr Pflegekräfte. Die Macher auf den Ständen spüren das sofort. Oftmals ist das Team eines Messestandes eine Mannschaft, die sich seit Jahren kennt: «Die Techniker, die Hostessen und wir Fahrzeugpfleger treffen uns mehrmals im Jahr. Egal, ob Asien oder Europa – das Team ist meist ziemlich konstant und reist den Veranstaltungen hinterher. Früher waren wir allerdings mehr. Und die Hotels waren nicht so weit weg.»

Kann man davon leben? Eher nicht, dafür sind die Ausstellungen zu selten. Im normalen Leben sind die meisten der Fahrzeugpfleger Ich-AGs oder Studenten. «Normalerweise mach ich PR-Jobs. Doch davon allein kann ich auch nicht leben. Die Messen sind für mich immer eine willkommene Abwechslung. Man kommt herum und trifft viele Menschen», resümmiert einer, der für eine deutsche Automarke tätig ist. Doch die kurze Unterhaltung muss jetzt enden. Denn bei dem Coupè zehn Meter weiter haben die beiden älteren Herren eben ihr Probesitzen beendet. Und die nächste Gruppe von Anzugträgern kommt bestimmt.

Heiße Hostessen
Schöne Aussichten auf der AMI

juz/news.de

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