Mercedes und Renault Dreiecks-Beziehung

Smart (Foto)
Bisher dümpelte man bei Smart mit maximal 100.000 verkauften Fahrzeugen pro Jahr herum. Bild: press-inform

Nachdem sich Renault schon mit Nissan zusammenschloss, holen sie jetzt noch Mercedes in Boot. Aus der illustren Dreierrunde soll der neue Smart entspringen. Laut Mercedes sei es wirtschaftlich nicht möglich, ihn im Alleingang herzustellen.

Es ist lange kein Geheimnis mehr, dass sich Mercedes einen neuen Smart nur mit Hilfe eines Kooperationspartners leisten kann. Die ersten beiden Smart-Generationen rissen gewaltige Löcher in die gut gefüllten Kriegskassen. Doch der Erfolg des kleinen Mercedes-Ablegers Smart blieb bis dato aus. Forfour, Coupé und Roadster wurden längst eingestellt; der geplante SUV schaffte es überhaupt nicht in die smarten Verkaufsräume. So wurde der Fortwo zum Einzelkämpfer. Bei Smart Nummer drei soll alles anders werden.

Auch wenn die Dementis aus Stuttgart nicht leiser werden, ist es kein Geheimnis mehr, dass Mercedes und Renault in Sachen Kleinstwagen zukünftig gemeinsam an einem Strang ziehen wollen. Die Verkündigung der Partnerschaft dürfte bereits Mitte April erfolgen. Beide Seiten arbeiten gerade an den letzten Details des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages. Dann fehlt nur noch die Unterschrift der Hauptakteure Dieter Zetsche und Carlos Ghosn. Bereits jetzt ist durchgesickert, dass es neben Planungen für eine neue Kleinwagenplattform auch um Triebwerke, leichte Nutzfahrzeuge und eine Finanzbeteiligung gehen soll. Die Daimler AG wird demnach mit einem Gesamtanteil von deutlich unter fünf Prozent am Renault-Nissan-Konzern beteiligt. Im gleichen Zug steigen die Franko-Asiaten mit dem gleichen Prozentsatz bei dem Stuttgarter Autobauer sein.

Mercedes und Renault
Deutsch-Französische Freundschaft
Deutsch-Französische Freundschaft (Foto) Zur Fotostrecke

Verhandlungen laufen seit einem Jahr

Wer glaubt, dass es direkt nach der Unterschrift unter den smarten Kontrakt mit den konkreten Planungen für eine neue Kleinwagenplattform losgehen kann, irrt. Denn bereits seit rund einem Jahr beschnuppern sich die Partner auf beiden Seiten intensiv. Abgesandte von Mercedes machten sich mehrfach auf nach Paris und die Herrschaften von Renault-Nissan kamen immer wieder gerne nach Untertürkheim und Sindelfingen, um die geplante Zusammenarbeit auch technisch auf die Rampe zu schieben.

Nachdem die größten Probleme nunmehr ausgeräumt sind, können die konkreten Arbeiten für die neue Smart-Generation des Jahres 2013 / 2014 nach erfolgreicher Unterschrift unter den Kontrakt losgehen. Im Schwabenland liegen bereits die ersten Designskizzen für den neuen Fortwo in der Schublade. «Fest steht, dass der Smart zukünftig nur als Familie existieren kann», unterstreicht Dr. Joachim Schmidt, bei Mercedes verantwortlich für Vertrieb und Marketing.

So ist die Konzeption einer viertürigen Version die logische Folge. Die soll anders als der erste Smart Forfour, den Mitsubishi entwickelte, jedoch mehr sein als ein langweiliger Kleinwagen von der Stange, sondern ein echter Smart. Tridion-Sicherheitszelle und Heckmotor sind für die neuen Versionen von Fortwo und Forfour gesetzt. Und auch die seinerzeit gestrichenen Pläne für ein Smart-SUV kommen wie auf den Schreibtisch. «Wie ein möglicher Kooperationspartner auch heißen mag: Wir werden dafür Sorge tragen, dass der Smart immer ein echter Smart bleibt», gibt sich der Mercedes-Vertriebsvorstand Joachim Schmidt betont zurückhaltend, «doch einen Smart alleine zu machen, ist wirtschaftlich nicht möglich.»

Bei der Partnerwahl wird Wert auf Elektro gelegt

Der Smart Fortwo III dürfte gewohnt kurz bleiben. Daher bleibt es auch beim Heckmotor. «Anders kann man ein 2,70 Meter-Auto gar nicht hinbekommen», erklärt Schmidt. Damit der kleinste Mercedes nicht in die Gefahr kommt, als Renault mit einem aufgesetzten Stern wahrgenommen zu werden, werden sich die neuen Smart-Generationen deutlich von den vergleichbaren Renault- und Nissanmodellen unterscheiden. Doch Grundkonstrukt und Heckmotor sind auch bei den Franzosen gesetzt. So kommt Mercedes aus der ebenso kostenintensiven wie misslichen Lage, alle wichtigen Komponenten speziell nur für den Smart entwickeln zu müssen. Denn der aktuelle Smart Fortwo hat mit den volumenstarken Mercedes-Modellen so viele Teile gemeinsam wie ein Großbagger mit einem U-Boot.

Nicht ganz unwichtig war bei Mercedes bei der Auswahl des zukünftigen Partners, dass die neuen Modelle auch elektrifiziert werden. Renault setzt seit rund einem Jahr voll auf das Thema Elektroantrieb. Zwar wird darüber nicht nur in der Mercedes-Konzernzentrale auch die Stirn gerunzelt; doch fest steht, dass sämtliche neue Smart-Modelle dem Vorbild des Smart Fortwo ev folgend auch eine Elektroversion bekommen wollen. Neben den neuen Smart-Generationen wollen Zetsche und Ghosn auch bei leichten Nutzfahrzeugen miteinander kooperieren. Im Gespräch ist ein leichter Lieferwagen, für die neue Kangoo-Generation die gemeinsame Basis sein könnte. Zwar ist man in Stuttgart von dem individuellen Design des französischen Grundmodells wenig angetan, doch das Mercedes-Designcenter hat mit der Neuauflage der R-Klasse erst gezeigt, was aus mäßigen Vorgaben noch zu machen ist.

Sehen Sie die Vorgängermodelle der Autohersteller in unserer Bilderstrecke.

tin/sgo/news.de/pi

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Christian Kraus
  • Kommentar 1
  • 07.04.2010 10:42

Wie weit Mercedes-Benz von der Kleinwagenproduktion "weg" ist-zeigt diese Aussage: Für eine durchschlagende Kleinwagenserie brauchen wir einen französischen Partner...Wenn die eigene Produktivität so was nicht hergibt, kann ich nur empfehlen: schmeißt den gesammten Manager-und Entwicklungs-Vorstand raus und stellt neue,kreative Leute ein!Mit dem jetzigen Denkmodellen habt ihr nämlich schon den Anschluß an die kommenden Jahren verpennt....

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