Gebrauchtwagen Stadtflucht der Stinkstiefel

Die große Zeit der Diesel ist vorbei. Ältere Selbstzünder erhalten zudem keine grüne Plakette und dürfen nicht mehr in die Städte einfahren. Das Gute daran: Schnäppchenjäger vom Land können zur Zeit hervorragende gebrauchte Dieselfahrzeuge zu Spottpreisen erhaschen.

Stadtflucht der Stinkstiefel (Foto)
Gebrauchte Diesel ohne grüne Umweltplakette sind günstig geworden. Gute Chancen für Schnäppchenjäger also. Bild: dpa

Zu Beginn unseres Jahrtausends überrollte sie den deutschen Automarkt: Die Dieselwelle. Die Dieseldirekteinspritzung hatte den bis dato müden Selbstzündern endlich Beine gemacht. Nun war sparen endlich auch in Kombination mit ansprechenden Fahrleistungen möglich. Doch erst unlängst hatte der Autoexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer geurteilt: «Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der Diesel-Boom seinen Höhepunkt erreicht hat und in den kommenden Jahren der Benziner wieder Marktanteile gewinnt.»

Durch eine hohe Beteuerung hat sich Vater Staat diese Entwicklung zunutze gemacht. Doch neben dem finanziellen Aspekt kommt nun noch ein zweiter negativer Faktor hinzu, der Diesel unattraktiver werden lässt: Die Umweltzonen. Denn ohne Rußpartikelfilter bekommen die Fahrzeuge nur eine rote Plakette, mit wenigstens eine gelbe und eine grüne nur dann, wenn sie die strenge Euro4-Norm erfüllen. Das bedeutet perspektivisch: In den deutschen Ballungszentren haben die alten Selbstzünder ausgedient. «Den Staat zieht da jetzt die Daumenschrauben an. Diese Leute haben nicht nur im Laufe der Jahre hohe Steuergelder gezahlt, sie müssen nun auch Mobilitätseinschränkungen hinnehmen», erklärt Bastian Roet vom Automobilclub von Deutschland (AvD). Schlimmer noch: «Rund um die Umweltzonen ist ein solcher Gebrauchter kaum zu verkaufen. Für den Besitzer ist das ein enormer Wertverlust,» so Roet.

Des einen Freud des anderen Leid – denn für Schnäppchenjäger bieten sich so gute Chancen auf ein unverhältnismäßig günstiges Fahrzeug. AvD-Mann Roet weiß: «Psychologische Faktoren bestimmen auch den Gebrauchtmarkt.» Im Klartext: Ein sparsamer Turbodiesel mit gelber Plakette kann in Berlin wertlos sein, im Bayerischen Wald unter Umständen weit teurer. In der Großstadt sind für einen solchen Wagen erhebliche Nutzungseinbußen zu verzeichnen, während im ländlichen Raum das Fahrzeug uneingeschränkt seinen Dienst tun kann. Wer bereit ist, einige Kilometer für den Gebrauchtkauf zurück zu legen, der kann damit so manches Schnäppchen machen. Doch Vorsicht: Auch auf dem Lande weiß man um die Bedeutung der Umweltplaketten. Wer regelmäßig in die Stadt fährt, der überlegt sich auch bei einem Wohnsitz in der Provinz zweimal, ob eine gelbe Plakette glücklich macht.

Verkäufer sollten Ruhe bewahren

Als Verkäufer eines solchen älteren Dieselmodells gilt vor allem eines: Ruhe bewahren. «Der Verkäufer braucht Geduld. Man sollte sich eine fixe Zeitspanne setzen und auch mal Vertragshändler abklappern. Online-Portale bieten sich zum schnellen Vergleich an,» rät Sabine Götz, Pressesprecherin des AvD. So könne man den ein oder anderen Euro mehr für seinen Wagen bekommen.

Ein Blick in Online-Börsen trennt schnell die Spreu vom Weizen. «Bei Autobörsen im Internet kauft man immer billiger,» schildert Thomas Kuwatsch vom Portal auto.de seine Erfahrungen. Die Preise aus Sicht der Verkäufer hingegen haben sich in den letzten Jahren auf Normalmaß eingependelt: «Den Verkäufern ist bewusst, dass ihr Fahrzeug bei der Suche umso weiter oben erscheint, je günstiger es ist. Darum hat der Verkäufer natürlich ein Interesse, sein Auto nicht übertrieben teuer einzustellen, damit es schneller gefunden werden kann» ergänzt Kuwatsch. Vorbei sind also die Zeiten, in denen utopische Preisvorstellungen an der Tagesordnung waren.

Wer seinen geliebten Diesel trotz aller Widrigkeiten behalten möchte, der hat noch eine letzte Möglichkeit: einen Rußpartikelfilter nachrüsten. «Die Nachrüstung kann sich lohnen. Das ist einerseits ein Mobilitätszugewinn durch das Erlangen der grünen Plakette und kann andererseits den finanziellen Wert deutlich steigern,» weiß Sabine Götz. Bei älteren Dieselmodellen ohne Direkteinspritzung vom Schlage eines Mercedes 190 oder VW Golf II hingegen sind derlei Nachrüstungen nicht möglich. Deren Besitzern bleibt dann nur, die Mobilitätseinschränkungen hinzunehmen und zu warten, bis die Fahrzeuge 30 Jahre alt werden: Dann nämlich können sie Oldtimer-Status erlangen und mit dem begehrten H-Kennzeichen in die Innenstädte einfahren. Auch ohne Umweltplakette.

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • gerd
  • Kommentar 4
  • 01.03.2010 14:23

Vor etlichen Monaten habe ich in einem Kommentar zum selben Thema geschrieben: Die einzigen, die von diesen Umweltzonen profitieren, sind die Hersteller der Plaketten. Die Umwelt hat so gut wie nichts davon. Die meisten Autos haben ohnehin ein grünes Pickerl, die gelben muß man schon suchen und für rote Plaketten braucht man kriminalistischen Spürsinn. Vor ein paar Wochen begegnet ich einer älteren Karre: was die für eine graue Wolke hinter sich herzog war sehenswert. Dafür zierte diesen wirklichen Stinker eine grüne Plakette. Das letzte Sturmtief wird den Feinstaub gleichmäßig verteilt haben - ohne Rücksicht auf Umweltzonen.

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  • ragnaroekr
  • Kommentar 3
  • 28.02.2010 14:11

Wann wehren sich die Deutschen gegen solche Unsinnskampagnen wirklich: Politische Fronten gegen Technologien sind irreale Szenen. Hinzu tritt, dass sie "moral-sprachlich" gehalten sind, um der Abzocke willen, nicht von Unwelt wegen. Dieses Sprach-Babel ist notwendig, um den Menschen Vorwürfe zu machen, so dass sie über Ablasszahlungen von ihrer Schuld gereinigt werden. Das hatten wir doch schon! Der mittelalterliche Mensch hat hierauf die Kirchenspaltung durch gesetzt. Ist der heutige Mensch unfähiger?

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  • devilonweels
  • Kommentar 2
  • 28.02.2010 09:54

Betroffen sind ja auch sogenannte "Stinker", die z.Bsp. 300 Tage im Jahr in der Garage stehen. Sie haben nur ein siebtel des Schadstoffausstosses eines Ganzjährig genutzten Autos. Hier sollte meiner Meinung nach eine Besteuerung des Kraftstoffs (Verbrauch!) für mehr Gerechtigkeit sorgen. Auch die vielen Ausnahmen für ÖPNV, Feuerwehr u.s.w. lassen die Umweltplaketten als schlechten Witz da stehen. Fazit: Reine Geldschinderei!

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