Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Freiheit, Freizeit, Familie – wer flexibel und trotzdem günstig unterwegs sein will, für den ist ein Minivan die Lösung. News.de hat mit Citröen C3 Picasso, Daihatsu Materia und Kia Soul drei höchst eigenwillige Interpretationen des Segments verglichen.
Klassisch, kantig oder modisch. Wer sich für einen kompakten Minivan entscheidet, hat die Qual der Wahl. Der Kia Soul fährt seit 2008 unter dem Banner der Jugend. Mit eigenwilligem Design will der Koreaner vor allem jugendliche Individualisten ansprechen. Die Fahrzeughöhe von 1610mm sorgt dabei für den nötigen Überblick im urbanen Dschungel. Der relativ große Wendekreis von 10,5 Metern indes stößt Städtern sauer auf. Auch der Motor hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: 126 PS klingen auf dem Papier recht ordentlich, jedoch kommt der 1,6 Liter große Motor nur bei hohen Drehzahlen vom Fleck. Gerade beim Ampelmarathon kann das nerven. Dreht man das Aggregat allerdings in höhere Regionen, so quittiert der Koreaner das mit Dröhnen und Saufen. Der mangelnde sechste Gang vermiest den Insassen die lange Reise endgültig. Schade eigentlich. Denn die Platzverhältnisse im Innenraum sind üppig, Kopf- und Beinfreiheit gefällt und auch die Sitze sind bequem.
Leider macht sich der Soul selbst das Leben schwer, indem er bei einer typischen Van-Tugend Federn lässt, der Zuladung. Die ist nämlich erstens durch eine unnötig hohe Ladekante erschwert, und zweitens vom Volumen her recht begrenzt: 222 Liter sind nicht viel, da ist auch das maximale Ladevolumen bis zu 1140 Litern bei umgeklappter Rücksitzbank ist kein Rekkord. Das schafft jeder andere Wagen auch, dafür muss man nicht auf einen Van zurückgreifen. In der Basisausführung als Benziner beginnt der Soul bei 15.900 Euro. Bleibt als Alleinstellungsmerkmal das praktische Armaturenbrett mit vielen sinnvollen Ablagen. Bei Bedarf hat der Soul außerdem in rot zum Bass wabernde Boxen. Wer`s braucht...
Daihatsus Kei-Van
Die zweite kompakte Van-Alternative, der Daihatsu Materia, setzt voll auf äußere Akzente. Nicht nur mit der Farbe des Testwagens, Mamba-Green-metallic, vor allem mit der ungewöhnlichen Kei-Car-Optik eckt der Wagen im wahrsten Sinne des Wortes an. Im Vergleich zum Kia verfügt der Daihatsu über eine noch ausgeprägtere Würfeloptik und kauert tief auf dem Asphalt, während der Konkurrent eher hochgewachsen ist. Freude macht der quirlige Motor mit 103 PS. Das Aggregat verbrennt auch bei sportlichen Ambitionen kaum mehr als 7,5 Liter Normalbenzin und macht auch längere Strecken nicht zur Qual. Brummig allerdings wird die 1,5-Liter-Maschine bei höheren Geschwindigkeiten. Das Cockpit vermittelt beinahe Go-Kart-Gefühl. Nichts wirkt überkandidelt, trotzdem ist alles Notwendige vorhanden und genau da, wo man es erwartet.
Einzig mit den Ablagen geht der Japaner etwas sparsam um. Auch die verwendeten Materialien sind eher nüchtern – es regiert das Plastik. Fast schon karg muten die einfachen Sitzbänke an, die trotzdem eine erstaunliche Langstreckentauglichkeit an den Tag legen. Allerdings: Stauräume und clevere Helfer wie beispielsweise klappbare Tabletts in den Vordersitzen sucht man hier vergeblich. Geradezu erschlagen wird man hingegen von der Fülle des Raums. Im Hinblick auf dessen Ausnutzung setzt der Materia Maßstäbe. Wie im Ur-Twingo kann die hintere Sitzbank verschoben werden und schafft somit wertvollen Raum für wahlweise Mensch oder Gepäck. Ein echtes Schnäppchen ist der Materia mit 15.490 Euro Basispreis nicht, aber wenigstens ist die Ausstattung mit vier Airbags, Klimaanlage, MP3-fähigem CD-Radio und Fensterhebern auf allen Plätzen klassenintern erfreulich komplett.
Familienstar Citröen
Während die beiden asiatischen Beiträge zum Thema Mini-Van auf klare Kante und den Hingucker-Faktor setzen, ist die Sprache des Citröen C3 Picasso eher dezent. Der Wagen setzt auf elegante Linien – das wirkt eleganter und nahbarer als bei den polarisierenden Konkurrenten. Innen setzt sich die Anmut fort. Die verbauten Materialien sind die hochwertigsten in unserem Test. Die Tachometereinheit befindet sich wie beim Daihatsu in der Mitte des Cockpits. Im Kontrast zu dem Japaner allerdings wird der Pilot digital über alles Wissenswerte informiert. Es fällt immer wieder auf, wie durchdacht der Innenraum ist, Ablagen finden sich reichlich. Auch die Erfahrung der Franzosen beim Bau von familienfreundlichen Automobilen ist omnipräsent – deutlich sichtbar an nützlichen Details wie den klappbaren Tischen auf den Rückseiten der Vordersitze. Die Sitze selbst enttäuschen leider ein wenig und bieten schlechten Seitenhalt.
Auf Anhieb herrscht ein angenehmes Raumgefühl im Citröen. Großflächige Glasfronten rundum sorgen für viel Helligkeit. So wirkt der Wagen von außen und von innen weit größer als er ist. Der Kofferraum ist mit 500 Litern riesig, umgeklappt können sogar knapp 1500 Liter mobilisiert werden. Die Ladefläche ist dann eben und kann problemlos mit einem Handgriff hergestellt werden. Das spart Zeit, Kraft und Nerven. Ein Manko indes ist der Antrieb. Der Diesel mit 109 PS ist gut gemacht, aber schlecht übersetzt. Der fünfte Gang ist ellenlang, eine sechste Schaltstufe fehlt völlig. Das kostet einiges an Dynamik und zwingt den Piloten zum munteren Schalten – nicht gut für einen Dieselmotor, der ansonsten gerade vom Durchzug lebt. Außerdem ist der C3 Picasso als Selbstzünder deutlich teurer: Mindestens 20.200 Euro muss man dafür einkalkulieren, mit einem Benziner unter der Haube ist der Franzose bereits ab 17.350 Euro zu haben.
Fazit
Insgesamt hinterlässt der Kia Soul einen zwiespältigen Eindruck. Das Konzept ist ungewöhnlich und mag junges Stadtvolk bestimmt begeistern. Allerdings ist die Raumausbeute mangelhaft und die Verarbeitung recht lieblos. Der Daihatsu Materia ist ein echter Hingucker mit seiner kantigen Kei-Car-Optik. Seine Ausstattung ist zwar relativ spartanisch, jedoch gut verarbeitet. Außerdem hat er viel Platz und ist angenehm spritzig in Sachen Fahrleistungen. Der Citröen C3 Picasso ist der familienfreundlichste des Trios und wartet im Innenraum mit durchdachten Lösungen und fetter Raumausbeute auf. Sein Äußeres ist für europäische Augen zweifellos das angenehmste. Wenn da nicht die miese Übersetzung wäre. Dennoch ist er die erste Wahl für Familien, während der Daihatsu dank seiner Frische und seinen knackigen Fahrleistungen am ehesten Allroundeigenschaften aufweist. Der Soul nervt leider mit etlichen Schwachpunkten ist nur bedingt empfehlenswert.
cvd/nbr/news.de