Mo., 21.05.12

Toyota-Pannenserie 28.01.2010 Defekte Gaspedale geißeln Europa

Toyota in Not (Foto)
Nach den USA weitet sich die Rückrufaktion wegen des defekten Gaspedals auch nach Europa und China aus. Bild: ap

Auch in Europa und China klemmen Toyotas Gaspedale. Damit weitet sich die Rückrufaktion des Autobauers weiter aus. Für Deutschland sind die Folgen bisher noch unklar. Auch Ford ist von dem Defekt betroffen.

Die klemmenden Gaspedale weiten sich für den Autobauer Toyota zu einem weltweiten Qualitäts-Desaster aus. Nach mehreren Millionen Autos in den USA sind nun auch Europa und China betroffen, wie Toyota mitteilte. In Deutschland sei das Problem bisher von Kunden nicht gemeldet worden, erklärte ein Sprecher von Toyota-Deutschland. Verunsicherte Fahrer könnten ihren Händler aufsuchen.

Der japanische Autobauer hatte in den USA mehrere Millionen Autos wegen Problemen mit dem Gaspedal und den Fußmatten in die Werkstätten zurückzurufen. Außerdem wird die US-Produktion am Montag gestoppt.

Am Nachmittag teilte Toyota mit, auch Europa und China seien betroffen. In China handelt es sich um rund 75.000 Stück des Geländewagens RAV4. Für Europa werden die Zahlen noch ermittelt.

Vorher hatte sich die Pannenserie in den USA ausgeweitet: Toyota kündigte an, in den USA weitere knapp 1,1 Millionen Fahrzeugs wegen möglicher Probleme mit den Fußmatten in die Werkstätten zurückzurufen. Es bestehe die Gefahr, dass sich die Gaspedale in den Matten verklemmten, erklärte ein Toyota-Sprecher in Tokio.

Betroffen sind fünf Modelle aus den Baujahren zwischen 2008 und 2010, darunter der Geländewagen Highlander, der kompakte Corolla der Crossover Venza und der kleine Matrix.

Verräterisches Ruckeln bei Test mit der Hand

Einen Tag zuvor hatte Toyota wegen anderer Probleme mit dem Gaspedal den Verkauf von acht Modellen in den USA gestoppt. Am 1. Februar wird außerdem die Produktion in sechs US-Werken angehalten. Und schon vergangene Woche wurden 2,3 Millionen Fahrzeuge wegen möglicher Probleme mit dem Gaspedal in die Werkstätten gerufen. Ursache ist in diesem Fall mögliche Rostgefahr an einer Rückholfeder am elektronischen Gaspedal. Insgesamt müssen rund fünf Millionen Wagen überprüft werden, wenn doppelte Rückrufe herausgerechnet werden.

Die schadhaften Gaspedale können laut Firmenmitteilung festklemmen und den Wagen ungewollt am Gas lassen. Hersteller der Problem-Pedale ist der Zulieferer CTS im US-Staat Indiana.

Ein Sprecher von Toyota-Deutschland erklärte, in Deutschland sei das Problem bisher nicht aufgetreten. Besorgte Toyota-Fahrer könnten versuchweise das Pedal mit der Hand durchdrücken. Falls sie dabei ein Ruckeln spüren, sollten sie in die Werkstatt fahren.

Erfolgsmodell Camry auch betroffen

Betroffen vom Rückruf sind einige der beliebtesten US-Modelle jüngeren Baujahrs von Toyota: der Mittelklassewagen Camry, der 2009 wieder meistverkauftes Auto auf dem US-Markt war, der Geländewagen RAV4, der Kompaktwagen Corolla, der Luxus-Geländewagen Highlander oder der gigantische Pick Up-Truck Tundra. Nicht betroffen ist der Hybridwagen Prius.

Toyota-Autos galten jahrelang als besonders hochwertig und pannensicher. Viele Analysten sehen in dem Pedal-Problem ein Ergebnis des scharfen Wachstumskurses der letzten Jahren: Aus Spargründen hatte Toyota quer durch möglichst viele Modelle auf einheitliche Zulieferteile geachtet. So sollten die Einkaufskosten gedrückt werden. Umgekehrt können so aber auch die Probleme größer werden. Der Kurs der Toyota-Aktie (zum Kurs) brach weiter ein.

Image der hochwertigen Qualität beschädigt

Toyota hatte für das laufende Jahr eine Absatzsteigerung von 6 Prozent auf 8,27 Millionen Stück angepeilt. In Deutschland hatte Toyota im Jahr 2009 rund 140.000 Autos abgesetzt und damit rund 40 Prozent zugelegt.

Auch der US-Autobauer Ford ist vom Problem der klemmenden Gaspedale betroffen. Ford hat deswegen die Produktion einiger Lieferwagen in China gestoppt, wie der Konzern mitteilte. In die Modelle werden Gaspedale vom Zulieferer CTS eingebaut, der auch die anfälligen Teile für Toyota hergestellt hatte. Bisher wurden 1600 Stück produziert, hieß es.

sis/seh/news.de/ap
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