Nippon-Schätze im Fichtelgebirge
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Friedhelm Engels Faible für die Klassiker aus Japan erfordert einen ausgeprägten detektivischen Spürsinn. Da die Japaner wenig Traditionspflege betreiben, sind selbst jüngere Modellen schon Raritäten.
45 PS stark, 6980 D-Mark teuer, knallrot lackiert und kinderleicht einzuparken. So präsentierte sich 1975 das erste Auto, dass der Toyota-Händler Friedhelm Engel aus Wunsiedel im Fichtelgebirge verkaufte. Eine ältere Dame erwarb den Toyota 1000 und blieb über all die Jahre stets mit Engel in Kontakt. «Wenn ich das Autofahren einmal an den Nagel hänge, bekommen Sie den Wagen zurück», versprach die alte Dame und hielt Wort: Heute steht der perfekt restaurierte Kleinwagen in Engels Sammlung. Dort dominieren zwar Sportwagen wie Celica oder Supra, doch der Toyota 1000 ist sogar noch viel seltener.
Obwohl die japanische Automobilindustrie in den 60er und 70er Jahren faszinierende Coupés, stattliche Limousinen und knuddelige Kleinwagen produzierte, sind die meisten dieser Autos heute vergessen und verschwunden. Neben den Z-Modellen von Nissan ist es vor allem der Toyota Celica, der den Schritt zum Kultauto geschafft hat.
Der Wagen wurde 1970 vorgestellt und ging als japanische Variante des Mustang in die Automobilgeschichte ein. Nicht ganz zu unrecht, denn bei der Fastback-Version des Wagens klauten die Japaner ungeniert Designelemente des amerikanischen Ponycars. Friedhelm Engel besitzt mehr als 30 Celicas aus verschiedenen Modellgenerationen, von denen manche noch auf ihre Restaurierung warten.
Gebrauchtwagen sind in Japan kein Erfolgsmodell
Dass japanische Autobauer kaum etwas für die eigene Traditionspflege tun, hat verschiedene Gründe. «In Japan zählt nur der Fortschritt, niemand schaut zurück. Deshalb gibt es dort bislang quasi gar keine Oldtimer-Szene», sagt Friedhelm Engel. Wer auf Nippons Straßen unterwegs ist, sieht in der Tat kaum ältere Fahrzeuge, von YoungtimernYoungtimer ist eine Bezeichnung für ältere Kraftfahrzeuge, insbesondere Personenkraftwagen, die noch keine Oldtimer sind. (Quelle: Wikipedia) ganz zu schweigen. Die Unlust am alten Blech dürfte aber auch etwas mit der Kultur des Landes zu tun haben. Japaner sind extrem reinlich und fassen ungern Dinge an, die andere schon einmal in den Händen hatten. Daher bevorzugen sie Neuwagen.
Wer einen Gebrauchtwagen verkauft, lässt ihn aufwändig aufbereiten und tauscht Teile wie Lenkrad oder Schalthebel kurzerhand aus. Manchmal werden sogar Shinto-Priester engagiert, die dem alten Blech die bösen Geister austreiben. Anderen Autofahrer-Nationen sind solche Berührungsängste fremd, und so gedeihen die wenigen überlebenden Nippon-Klassiker eher in den USA oder Europa.
Friedhelm Engel ist davon überzeugt, dass heute ein moderner Sportwagen dem Langeweiler-Image der Marke Toyota auf die Sprünge helfen könnte. Selbst die Japaner scheinen einzusehen, dass man sich kaum auf dem Erfolg des Prius ausruhen kann. Während Honda seinen Hybrid-Sportler CR-Z bereits in diesem Jahr ausliefert, ist aber noch unklar, wann der Toyota FT-86 mit seinem Subaru-Boxermotor erscheint.
«Toyota hat ein Sportwagen-Vakuum. Wenn dieses Auto kommt, muss es aggressiv und kraftvoll sein und junge Menschen ansprechen. Und es darf nicht mehr als 40.000 Euro kosten», sagt Engel und ergänzt: «Man muss die japanischen Starrköpfe davon überzeugen, dass nur Emotionen die Marke nach vorn bringen». In jedem Fall haben Toyota-Fans schon mal eine Idee für einen besseren Namen als die sperrige Bezeichnung FT-86: Celica, was sonst.
Erfahren Sie mehr über Friedhelm Engels Youngtimer-Sammlung in unserer Bilderstrecke.
tin/kab/reu/news.de/pi
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