Retrotrend bei Opel. Die Schmetterlingstüren des Meriva sehen nicht nur schick aus, sondern sind auch ungemein praktisch. Auch andere Details des neuen Rüsselsheimer versprechen Bequemlichkeit.
Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz im Automobilbau: Alles kommt irgendwann wieder. Das gilt für das Elektroauto ebenso wie für zahllose Design-Elemente. Helmut Ruff, Entwicklungschef des neuen Opel Meriva, steht vor einem dunkelblauen Opel Admiral aus dem Jahr 1938 und öffnet die Türen. Wie ein Schlossportal gleiten die schweren Verschläge auf, denn die hinteren Türen sind an der C-Säule verankert.
Bis in die 60er Jahre hinein war dieses Konzept quer durch alle Fahrzeugklassen weit verbreitet, ab 1961 aber verboten. Denn wurden die Türen wären der Fahrt aufgerissen und vom Fahrtwind zurückgeschlagen, konnten die Passagiere aus dem Auto stürzen. Sicherheitsgurte im Fond waren schließlich noch ein Fremdwort.
Heute sind die Schmetterlingstüren längst wieder erlaubt. Die automatische Türverriegelung verhindert das Öffnen während der Fahrt. «Rolls-Royce hat hier Pionierarbeit geleistet», sagt Helmut Ruff. Doch nicht nur die Briten-Kreuzer, auch Autos wie der Mazda RX-8, der Mini Cooper Clubman, das 3-Door Coupé von Saturn oder zahlreiche Pick-ups bekamen wegen des leichteren Einstiegs in den Fond hinten verankerte Türen. 2005 experimentierte man bei Opel mit dieser Idee, fünf Jahre später kommt nun der neue Meriva in den Genuss der Schmetterlingsflügel. FlexDoors heißen sie bei Opel.
Während der Fahrt werden die Türen ab 4 Km/h automatisch verriegelt. Kleine grüne LED-Leuchten zeigen beim Halt an, wann man sie wieder öffnen kann. Die gegenläufig öffnenden Türen sind auch ein beliebtes Element vieler Show Cars auf Automessen, dort meist ganz ohne B-Säule. In die Serie dürften es solche säulenlosen Türen bei größeren Autos kaum schaffen. «Das wäre zwar möglich, aber dann bräuchte man ganz massive Türverriegelungen, wie bei einem Tresor. So etwas lässt sich nicht wirtschaftlich umsetzen», meint Helmut Ruff.
Flexible Bequemlichkeit zum familienfreundlichen Preis
Zwei Erwachsene sitzen im neuen Meriva bequem hintereinander. Der mittlere Rücksitz ist sehr schmal, doch wenn man ihn umklappt, lassen sich mit einem Handgriff die äußeren Sitze diagonal nach hinten schieben. So entsteht eine üppige Schulterfreiheit. Da der Meriva eine elektronische Parkbremse hat, bleibt auch zwischen den Sitzen reichlich Raum. Dort sitzt eine FlexRail genannte Ablage mit zwei Aluminiumschienen, in der sich je nach Ausstattung Ablageschalen und Becherhalter oder eine Mittelarmlehne mit Staufach befinden. Man kann die Elemente nach Belieben verschieben oder ganz herausnehmen. Soviel Innenraumflexibilität haben weder Golf Plus noch Renault Modus, Kia Venga oder Skoda Roomster zu bieten.
Die Kofferraumkante des Meriva ist höher als beim Fiat Qubo oder Renault Kangoo, aber immerhin niedrig und breit genug, um bequemes Einladen zu ermöglichen. Der Opel-Van hat rund 400 Liter Gepäckraumvolumen, bei komplett umgeklappten Sitzen sind es mehr als 1000 Liter. Herausnehmen lassen sich die Sitze allerdings nicht. Gegen Aufpreis gibt es wie beim Corsa oder Antara einen integrierten Fahrradträger, den man mit zwei Handgriffen aus dem hinteren Stoßfänger zieht.
Unter der Haube stehen Motoren von 75 bis 140 PS zur Verfügung. Der 1.3 CDTi ecoflex mit 75 PS dient als Basisdiesel. Der 1,8-Liter Benziner soll durch den neuen 1,4-Liter Turbomotor mit 140 PS ersetzt werden. Auch eine Autogas-Variante (LPG) steht in den Startlöchern. Marktstart des Meriva ist am 12. Juni, der Einstiegspreis wird bei ungefähr 15.500 Euro liegen. Der alte Meriva ist noch bis Ende Februar bestellbar.
Erfahren Sie mehr über den neuen Opel Meriva in unserer Bilderstrecke.
tin/news.de/pi