So., 12.02.12

Auto oder nicht Auto Es leben die Sonntagsfahrer

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Artikel vom 07.01.2010

Autofahren könnte so schön sein, wenn wir es nur am Sonntag täten. Aber weil unbedingt jeder ständig in seinem eigenen Auto herumfahren will, haben wir Chaos statt Cruisen. Ein Plädoyer für leere Straßen.

Eigentlich sind Autos was Schönes. Sie haben originelle Formen, glänzen toll, manchmal duften sie innen nach Leder, und bei einigen kann man sogar das Dach aufklappen und sich fühlen, als säße man gar nicht im Auto. Wie schön, ab und zu in so einem Gefährt ganz entspannt durch die Gegend rollen zu dürfen. Freiheit.

Es wäre schon schade, wenn so viel geballter menschlicher Erfindergeist einfach verschwünde und wir stattdessen nur noch in güldenen Bussen herumfahren müssten, wie sich das der Sozialgeograph Professor Heiner Monheim ausmalt. Diese Freiheit, mit dem eigenen Gefährt ins Grüne zu fahren, einfach anzuhalten, wo es beliebt, um die Picknickdecke auszubreiten oder Blumen zu pflücken – wer möchte die schon gern aufgeben.

Autos könnten was Schönes sein. Aber sie sind zu Folterinstrumenten verkommen. Statt im Zug durch die Schneelandschaft zu gleiten, kriechen wir auf der Autobahn fluchend hinter dem Räumungsfahrzeug her. Statt die zehn Minuten vom Bahnhof zur Arbeit entspannt durch die Stadt zu schlendern, suchen wir schwitzend einen Parkplatz. Und statt freihändig mit dem Fahrrad zum Bäcker zu radeln, zwängen wir uns hinters Lenkrad, drängeln uns in den Berufsverkehr und werden vorm Bäcker ausgehupt, weil wir schnell in zweiter Reihe gehalten haben.

Dass die Kisten stinken und dem Klima schaden, geht bei Autofahrern zum einen Ohr rein und zum anderen raus. Aber dass wir ständig unsere Nerven auf die Straße werfen und oft genug dort lassen, hinterlässt irgendwann Spuren.

Natürlich ist es verführerisch, ab und zu mal einen Ausflug auf den eigenen vier Rädern zu unternehmen, über diese leergefegten Landstraßen der Heimatfilme aus den 1950er Jahren. Aber offenbar hat es süchtig gemacht, und jetzt haben wir den Blech-Salat. Es gibt zu viele Autos, und wir benutzen sie zu oft. Das lohnt sich für niemanden. Nicht für die Umwelt, nicht für den Staat und am allerwenigsten für uns selbst. Den Autoindustriellen immerhin bringt es viel, viel Geld. Aber selbst die finden keine leeren Straßen mehr, um glücklich Auto zu fahren.

kas/news.de
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URL : http://www.news.de/auto/855039374/es-leben-die-sonntagsfahrer/1/
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 08.01.2010 09:15
von
XY

Das einzig wahre Fortbewegungsmittel ist der Panzer. Im Sommer wie Winter. Bei Hitze, Eis, Schnee und Kälte. Und von wegen Parkplatzsuche - wo der steht, steht niemand mehr!

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