Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Außen klein, innen groß. Mit diesem Rezept schuf Peugeot 1991 einen hervorragenden Kleinwagen. Der nervt im Alter leider mit einigen technischen Macken. Dafür ist der kleine Gallier clever, sparsam und günstig.
Die Pausenklingel läutet. Die Abwrackprämie miemt die fiese Jungsbande. Der Abfalleimer ist der Schrottplatz. Und genau dorthin stecken die Halbstarken ihr wehrloses Opfer hinein, den Peugeot 106. Dieses Schicksal hat viele Exemplare des französischen Kleinwagens im letzten Jahr ereilt: Durch die Schrottprämie hat sich der Bestand der 106er drastisch reduziert.
Dabei ist der gallische Zwerg ein feines Wägelchen. Die Platzverhältnisse für die Insassen sind für ein so kompaktes Auto beinahe unglaublich. Vier Erwachsene können ohne irgendwelche Platzängste reisen. Der Kofferraum ist naturgemäß klein, lässt sich aber gut beladen. Bei Bedarf wächst der Stauraum beträchtlich, wenn man die Rückbank umklappt. Das reicht schon für einen oder anderen Studentenumzug.
Auf dem Markt erschien der 106 als dreitüriger Kleinwagen mit Schrägheck im Jahr 1991. 1996 bekam er ein Facelift, das zu einer runderen Karosserieform führte. Eine weitere Überarbeitung wurde 1999 vorgenommen. 2003 wurde die Baureihe schließlich eingestellt. Im Jahr 2005 erschien der deutlich modernere Peugeot 107.
Startschuss für die Kleinwagenzukunft
1991 war der Wagen bahnbrechend, ein Wegbereiter für zukunftsträchtige Kleinwagenkonzepte wie den Smart: kompakt, clever und trotzdem nicht auf niedlich getrimmt und vor allem anständig verarbeitet. Natürlich ist er jetzt, fast 20 Jahre nach seinem Erscheinen etwas angestaubt. Das Design ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit und vor allem eine reichhaltige Sicherheitsausstattung nach aktuellen Standards sucht man vergeblich.
Ein günstiges Fortbewegungsmittel um von A nach B zu kommen, das war der kleine Franzose damals und heute ist er es genauso – nur noch billiger. Das wiederum mag auch daran liegen, dass der eine oder andere 106 durch Macken nerven kann, wie die Pannenstatistik des ADAC in München deutlich macht.
Bei dem Automobilclub ist der Kleinwagen aus Frankreich für unterschiedlichste Defekte bekannt. Am ärgerlichsten dürften die Fälle sein, bei denen es zu durchgebrannten Zylinderkopfdichtungen und Motorschäden gekommen ist. Besonders Dieselmotoren fallen zudem durch hohen Ölverbrauch auf. Zu den weiteren Macken zählen laut ADAC Probleme mit der Tankbelüftung, verschlissene Gelenkwellen und Achsgelenke bei älteren Fahrzeugen sowie starke Korrosion am Auspuff. Ebenfalls bekannt sind Fälle von defekten Scheinwerfer-Höhenverstellungen durch Wassereintritt. Insgesamt liegt der kleine Peugeot in Sachen Zuverlässigkeit daher auch eher im Mittelfeld.
Ein Diesel passt am besten
Die Motoren sind allesamt klein und relativ sparsam: Vierzylinder-Benziner mit Leistungen zwischen 45 PS und 89 PS. Es gab aber auch ein sportliches Modell mit immerhin 118 PS. Diesel wurden mit 55 PS bis 58 PS angeboten. Sie sind wie bei fast allen gallischen Fabrikaten der Geheimtipp in der Motorenpalette. Natürlich kann man die alten Saugdiesel nicht mit modernen Fabrikaten vergleichen, die über Einspritzung verfügen. Trotzdem sind die Selbstzünder laufruhig, langlebig und – das wichtigste bei einem Kleinwagen – sparsam. Leider sind sie keine Kandidaten für eine grüne Umweltplakette, was den Kauf eines 106ers für so manchen Großstädters kategorisch ausschließt.
Alle Landeier, Studenten und Führerscheinneulinge können sich dafür über niedrige Gebrauchtpreise freuen. So gibt es einen 106 Sketch von 1998 laut Schwacke-Liste heute für etwa 1750 Euro. Ein 106 Grand Filou von 2003 steht mit 3150 Euro in der Liste. Ein Dieselmodell 106 D Special aus dem Jahr 2001 gibt es für 2450 Euro.
sis/news.de/dpa