Abwrackprämie und Krise: Diese beiden Wörter bestimmten den Automarkt 2009. Die deutschen Hersteller heulen, die amerikanischen sind fast tot. Die Modelle waren wenig berauschend und aus ökologischer Sicht dürftig. Es gibt noch viel zu tun.
Opel hängt in den Seilen, Daimler ist stark angeschlagen und eine Reihe von Herstellern steht nicht nur in Deutschland vor einem Trümmerhaufen. Geht es in diesen Wochen und Monaten um die Autoindustrie, stehen immer weniger die Produkte oder Technologien im Vordergrund, sondern vermehrt die gesamtwirtschaftliche Situation.
Schon Ende 2008 sah es nicht gut aus für die internationale Autoindustrie. Nach der Los Angeles Autoshow 2008 und der Auftaktmesse 2009 in Detroit stand fest, dass in der Welt von BMW, Mercedes, General Motors, Toyota und Ford kaum noch etwas bleiben sollte wie bisher. Die Messen in Genf, Frankfurt und Tokio reihten sich nahtlos ein.
Der ehemals größte Autohersteller der Welt, General Motors, war Anfang 2009 pleite. Irrwitzige Unterstützungsaktionen der US-Regierung sorgten dafür, dass der ehemals strahlende Riese aus Detroit überhaupt noch am Leben bleiben durfte. Kaum besser sah es für die Hauptkonkurrenten Ford, Chrysler und Toyota aus. Chrysler wurde zu großen Teilen von einem alles andere als finanzstarken Fiat-Konzern geschluckt.
Ford gelang es noch am besten, sich aus den internationalen Querelen herauszuhalten und so kam die Firma als einziger US-Hersteller mit eineinhalb blauen Augen davon. Hier sollen Europa-Modelle wie der Ford Fiesta oder ein neuer Focus Lust auf mehr machen.
Die Opel-Posse
Auch Toyota, seit Jahren weltweit auf einer grandiosen Erfolgswelle unterwegs, musste erstmals schmerzhaft zurückstecken. Mitarbeiter wurden entlassen und die Produktion zurückgefahren. In Deutschland wurde Opel Anfang 2009 zu einem peinlichen Politikum. In Anbetracht der Bundestagswahlen im Herbst ließ sich die deutsche Politik von General Motors an der Nase herumführen. Der fest eingeplante Verkauf an Magna platzte.
Letztlich blieb alles beim alten, Opel wie es schon immer war und der Blitz hatte trotz überzeugender Produkte wie Insignia oder Astra Rostflecken bekommen. Wie es mit Opel weitergehend soll, weiß nach wie vor keiner. Dabei steht fest, dass bei derartigen Auslastungen vier eigenständige Opel-Werke in Deutschland eine Farce sind und die Mitarbeiterzahl mächtig reduziert werden muss.
Ähnlich erging es Porsche: Einst wollte der Stuttgarter Autobauer den ganzen VW-Konzern schlucken. Das ging in die Hose und so wurden die Zuffenhausener selbst geschluckt - von Volkswagen.
In Deutschland gab es im ersten halben Jahr nur ein Auto-Thema: die Abwrackprämie von satten 2500 Euro. Viele Hersteller fuhren Sonderaktionen oder verdoppelten die Prämie sogar auf eigene Kappe, um die Konkurrenz auszustechen. So kauften sich viele Kunden erstmals in ihrem Leben einen Neuwagen und verschrotteten den alten.
Die Gewinner waren in erster Linie Importhersteller wie Suzuki, Hyundai, Fiat oder PSA. Doch rund 3,5 Millionen verkaufte Autos 2009 sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass weite Bereiche der Autoindustrie vor einem Scherbenhaufen stehen und in diesem Jahr nur bei kleinen Autos wirklich etwas lief.
Bei größeren Modellen ging dagegen nicht viel, weil Firmen erst mit Verspätung neue Leasingfahrzeuge abnahmen, Kontingente reduzierten oder auf kleinere Klassen umstiegen. Darunter hatten besonders die deutschen Premiumhersteller zu leiden. Mercedes und BMW kamen mächtig unter die Räder und auch Audi musste Federn lassen. Gerade im so wichtigen Volumensegment von BMW 3er und 5er, Mercedes C- und E-Klasse sowie Audi A4 und A6 ging wenig bis gar nichts; in der Luxus- und Geländewagenklasse noch viel weniger.
Das Jahr 2009 steht auch dafür, dass die deutschen Autobauer doch noch gedenken, auf den Zukunftszug in Richtung Elektroauto aufzuspringen. Das liegt nicht an einer mehr als langweiligen Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt, die weder Fern- noch Einsicht brachte, sondern an neuen Modellen.
Nächste Haltestelle: Elektroauto
Die Hybridtechnologie ist nicht länger allein in der Hand der Asiaten. BMW und Mercedes brachten mit großer Verzögerung die ersten Hybridmodelle auf den Markt. BMW 7er Hybrid, BMW X6 Hybrid und Mercedes S-Klasse Hybrid machten einen ersten Anfang. Zahlreiche neue Autos verfügen zudem über eine Start-Stopp-Technologie, regenerative Bremsen und entkoppelbare Nebenaggregate. Es wird Kraftstoff gespart, was das Zeug hält.
Doch bei allem Entwicklungszwang kam die Emotionalität in diesem Jahr allzu kurz. Die Politik macht weiter Druck auf die deutsche Autoindustrie. CO2, Euro5, Euro6 und bald sicher auch Euro7 stehen längst viel mehr im Mittelpunkt als begeisternde Produkte, von denen es außer Mercedes SLS, VW Polo, Opel Insignia oder Porsche Panamera kaum Relevantes gab.
Von den deutschen Herstellern konnte sich besonders der Volkswagen-Konzern in Szene setzen. BMW und Mercedes leckten ihre Wunden und beschränkten sich in weiten Teilen darauf, allein Kosten zu sparen. VW und Audi aber und selbst Seat und Skoda machten es ganz anders. Hier kommen Produkte am laufenden Band und es wird getrommelt was geht. So wirkt das Heulen und Zähneklappern der ehemals so selbstbewussten Konkurrenz noch wehleidiger. Die Zukunft sieht nicht gut aus.
sgo/mas/news.de/pi