Das Ende des Individualverkehrs
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Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Artikel vom 31.12.2009
Notwendig, aber noch nicht reif dafür: Im Gespräch mit news.de fordert Stephan Rammler ein gesellschaftliches Umdenken zugunsten nachhaltiger Mobilität. Den westlichen Industrienationen kommt dabei besonders viel Verantwortung zu.
Hat das klassische Automobil perspektivisch ausgedient?
Rammler: Meines Erachtens schon. Nutzen und Innovation sind ja wesentliche Faktoren für die, auch visuelle, Gestaltung eines Automobils. Das ist aber wiederum von den Gesamtstrukturen abhängig, die ich vorfinde. Bleiben Städte mit ihren Verkehrsstrukturen so, wie wir sie jetzt kennen, dann passiert natürlich nichts Neues. Vor allem die Städte in den USA sind mit ihren endlosen Highways komplett auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ausgerichtet.
In Deutschland ist es da schon besser, hier ist öffentlicher Personennahverkehr besser eingebettet. Dort sind dann kleine, wendige Elektrofahrzeuge ein realistisches Szenario, also Elektroroller, Kleinstwagen oder Zwitterformen wie etwa der Segway.Einachsiger Roller mit Elektromotor
Die Asiaten gehen da voran. Sie haben auch keine andere Wahl, da ihre beengten Platzverhältnisse ihnen keinen anderen Ausweg lassen.
Wie kann der Weg in eine andere mobile Zukunft verlaufen?
Rammler: Politisch revolutionär, technisch evolutionär. Bei Erstem muss ein radikaler Denkumbruch einsetzen. Bei Zweitem müssen wir erst alle Optimierungspotenziale bei den klassischen Verbrennern voll ausarbeiten und zugleich den anderen Mobilitätsstrang, den elektrischen, einbinden und ausbauen. Wir müssen an diesem Übergangsprozess arbeiten und dafür viel mehr Energie und Mittel als jetzt aufwenden, weil wir uns alles andere in Zukunft überhaupt nicht mehr leisten können.
Welche Zukunft hat der Individualverkehr? Ist er überhaupt ökologisch sinnvoll?
Rammler: Wir werden die Mobilität in der Form, die wir in Deutschland kennen, nicht weiter treiben können. Dazu gehört auch, in Zukunft wieder vermehrt kollektiv unterwegs zu sein. Unsere heutige Individualmobilität ist letztlich ein Auswuchs westlichen Wohlstands, der in der Geschichte einmalig ist. Die historische Wohlstandsschwelle ist bereits überschritten und zwar aus dem Grund, weil in den letzten 100 Jahren fossile Rohstoffe so günstig wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte zur Verfügung standen. Diese Mobilitätsblase hat nun ein Ende. Und wir werden uns unweigerlich damit arrangieren müssen.
Eine Zukunft ohne Individualverkehr - ist das in Deutschland denkbar?
Rammler: Ich denke, dass Deutschland vorerst sehr stark auf Individualverkehr beharren wird. Das hat mit unserer Geschichte als Hauptträgergesellschaft der automobilen Kultur zu tun. Zumindest in der Übergangszeit werden wir daran noch festhalten.
Müssen die westlichen Industriestaaten bei dieser Entwicklung eine Vorbildfunktion erfüllen?
Rammler: Wir haben eine große Verantwortung. Allerdings ist niemand bereit, diese wahrzunehmen. Die Eliten der Entwicklungsländer orientieren sich nach wie vor an den westlichen Industrienationen. Doch die haben Ihren Wohlstand auf einer Emissionsblase aufgebaut, deren Folgen wir jetzt zu spüren bekommen. Gleichzeitig weigern wir uns, davon abzukommen. An dieser Unbeweglichkeit ist letztlich auch der Klimagipfel in Kopenhagen gescheitert. Dabei wären richtige Signale so wichtig. Ich frage mich zum Beispiel, warum Frau Merkel als selbst ernannte Klimakanzlerin nicht imstande ist, wenigstens Teile der Autoflotte des Bundes auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Das wäre ein Symbol, an dem sich auch andere orientieren würden.
«Yes, we could» also?
Rammler: Wir könnten, wenn wir wollten, davon bin ich überzeugt. Die Industrie verfügt beispielsweise sehr wohl über das nötige Maß an Gestaltungsspielraum, so dass sie sich von dem ständig wiederkehrenden Argument lösen könnten, dass die Kunden nach konventionellen Fahrzeugen verlangen. Da erwarte ich mir mehr. Ebenso die Politik, die sich von dem kurzfristigen Ziel des Machterhalts leiten lässt und darauf verweist. Es müssen seitens der Industrie die Produkte zur Verfügung gestellt werden und von Seiten des Staates durch kluge Fiskal- und Förderungspolitik Anreize geschaffen werden, diese fortschrittlichen Mobilitätskonzepte zu entwickeln, zu nutzen und zu kaufen. Beide stehen in der Pflicht, notwendige Veränderungen anzustoßen.
Stellen wir uns mal vor, wir würden im Jahr 2020 auf die Straße gehen. Was für ein Verkehrsszenario wird sich uns bieten?
Rammler: Es gibt eine optimistische und eine realistische Variante. In der optimistischen werden wir eine vielfältige Verkehrsumwelt haben. Mehr kleine Fahrzeuge, eventuell mit Elektroantrieb, wohl ein Tempolimit, außerdem werden wir weniger Verkehr auf der Straße, und dafür mehr Kollektivverkehr haben. Neue Geschäftsmodelle, Car-Sharing und so weiter, verankern diese Modelle in der Gesellschaft.
Realistisch allerdings wird sich nicht viel tun. Wir werden massive Kämpfe um die Ressourcenverteilung haben, auch in einem ganz konkreten militärischen Sinne. Der Krieg in Afghanistan ist da nur ein erster Geschmack, was uns in Zukunft verstärkt erwarten wird. Denn der geht ja ganz zweifelsfrei um den Zugang zu Ressourcen. Außerdem werden die Spritpreise noch einmal kräftig anziehen, drei Euro pro Liter halte ich für realistisch.
Das sorgt dann wiederum für zusätzlichen sozialen Sprengstoff, da sich arme Familien kein Auto mehr werden leisten können. Zusammengefasst wird sich auf den ersten Blick gar nicht so viel verändern, aber es wird sich auf anderen Ebenen einiges zuspitzen und dramatisieren.
Dr. Stephan Rammler ist Professor für Transportation Design und Sozialwissenschaften an der Hochschule für Bildende Künste (HBK) Braunschweig.
sgo/san/news.de
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Ich würde auch nicht auf die Zugehörigkeit zu einer Spitzelorganisation aus Ihrem Namen folgern. Daher sollte auch aus der mögl. Sympathie zur FDP kein Unverständnis zur Politik gefolgert werden. Aber eines ist doch wohl richtig, dass hier zu Lande die Begründung des öffentl. Verkehrs ideologischer Natur ist: Es herrscht Mobilitätszwang. Ob diese Bevormundung zunächst beworben wird, dann über gigantische Projekte initiert, es bleibt dabei der Vorwurf an alle Verdächtigen, ihr seid nicht so, wie wir es gern hätten. Und so habe ich die Kritik von Pro Libertate verstanden.
jetzt antwortenKommentar meldenKommentar zu Kommentar # 4: Wo bitte gibt es die Autobahn, auf der man/frau noch 250 km/h - und das als Durchschnittsgeschwindigkeit!!! - fahren kann? Pro Libertate (FDP-Fan?) nächstes Mal bitte ein wenig vernetzt und wirklichkeitsnaher denken. Ausserdem wäre mehr Toleranz angesagt. Was soll das rhetorische Exkrement "Eco-Faschist"? Die Etikette "Pro Libertate" ist wohl gänzlich daneben!
jetzt antwortenKommentar meldenEs ist doch umgekehrt. Die Kollektivierung ist wie ein schwarzes Loch, das alles Individuelle verzehrt. Die Mobilität ist doch nur ein Beispiel für den Kollektivierungswahn. Im Übrigen ist der öffentliche Verkehr nur in Spitzenzeiten erträglich. Mit dem Pack, das beispw. nachts fährt, kommt kein Normaler zu recht. Das sollte ein kritischer Bürger auch sehen, dass man nämlich in öffentlichen Verkehrsmitteln einem Rudel Gestörter ausgeliefert ist.
jetzt antwortenKommentar meldenIch hoffe nur, dass die Elektronic dann bei 250 km/h auch immer funktioniert. Nach einem Bremstotalausfall bei der marke mit dem Stern auf der Autobahn sowie diversen anderen Spielchen und lecuhtenden bzw. blinkenden Mäusekinos hätte ich da so meine Zweifel. Ich gebe allerdings zu, dass das was uns die DB so alles liefert, auch nicht dazu angetan ist, das Vertrauen in den öffentlichen Verkehr auf der Fernstrecke zu stärken. Trotzdem sollten wir nicht alles gleich schlecht reden, was unserer scheinbaren Individualität zu wider redet.
jetzt antwortenKommentar meldenÖffentlicher Verkehr bedient gebündelte Verkehrswünsche, z.B. befördert Schüler zu einem Schulzentrum. Individuelle Verkehrswünsche werden durch PKW erfüllt. Man muss schon einem kollektiven Wahnbild verfallen sein, wenn man wegen des Verkehrsmittels den Menschen die Verkehrswünsche austreiben will. Dies ist nichts anderes als ein Umerziehungsprogramm. Ragnaroekr fordert: Schluss mit dem Therapiestaat.
jetzt antwortenKommentar melden@Pro Libertate: Sie glauben ernsthaft an diesen Humbug, Erdöl sei abiotisch? Niedlich ... Kein Wunder, dass sie gleich in jedem neuen Denkansatz kommunistische Verschwörungen vermuten.
jetzt antwortenKommentar meldenSodann fragt man sich, warum diese Eco-Faschisten immer Geschwindigkeitslimiten wünschen. Die Entwicklung ist aber ganz in der Gegenrichtung: je mehr Elektronik, desto sicherer kann man auch mit hoher Geschwindigkeit fahren. Idealerweise kann man in der Zukunft mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 250 km/h im eigenen Wagen fahren, ganz ohne Risiko, weil der Bordcomputer steuert. Dann gibt es auch keine Staus mehr, weil die Schleicher endlich die Fahrbahn nicht mehr blockieren.
jetzt antwortenKommentar meldenHerr Rammler hat Recht, wenn er einem Wandel in Sachen Mobilität fordert. Es sollte aber nicht zu Megacities wie z.B. in Asien kommen, die mit usnerer Individualität kaum vereinbar sind. Deshalb wird es darauf ankommen, die Mobilitätsträger besser zu verknüpfen. Für den Nahbereich auch im ländlichen Raum und in der City das E-Auto je nach Bedarf, auf der Langstrecke den ICE. Das alles wäre bereits heute für den Bürger möglich, wenn man nur wollte. Es wird aber nur über stromgetriebene Fahrzeuge gehen, die nicht mit 250 über die Autobahn zu brausen brauchen. Das ist Anachronismus pur.
jetzt antwortenKommentar meldenKommunistisches Wunschdenken. Einheitsbrei. Nur keinen Individualverkehr. Der enspricht ja individuellen Wünschen und Anforderungen, aber das darf es ja im Kollektivstaat nicht geben. Schade nur für die Fundis, dass ihr Betrug aufgeflogen ist und dass die Emissionen gar keinen Einfluss aufs Klima haben, dass das Erdöl nicht ausgeht, weil es abiotisch ist und praktisch unbegrenzt zur Verfügung stehen wird und dass letztlich auch moderne Elektrofahrzeuge so schnell und gross sein werden wie aktuelle Benzinmodelle.
jetzt antwortenKommentar meldenSelten habe ich so viel Schwachsinn in einem Artikel gelesen! Der gute Herr Rammler (welch ein Name...) sollte mal versuchen auf dem Land mit öffentlichen Verkehrsmitteln seine Besorgungen zu machen: 1xEinkaufen=Tagestour. Dann hätte er nicht so viel Zeit, solchen Unsinn abzusondern!
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