Von Januar 2010 an gelten verschärfte Regeln in einige Umweltzonen: Berlin und Hannover darf man nur noch mit grüner Plakette befahren. Die Neuerungen und die Hintergründe im Überblick.
In einigen Städten wird am 1. Januar 2010 die nächste Stufe der Umweltzonen eingeführt. Das bedeutet laut dem Tüv Süd, dass Fahrzeuge mit roter Umweltplakette nicht mehr in die jeweiligen Innenstädte fahren dürfen. Demnach gibt es den schärfsten Einschnitt in Berlin und Hannover: Dort dürfen mit Einführung der «Stufe 2» der Umweltzone nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette die Innenstadt befahren.
Doch in der Hauptstadt stellten elf Kläger vor dem Verwaltungsgericht die Wirkung der Plakettenregelung gegen die Feinstaubbelastung in Frage. Der ökologisch orientierte Verkehrsclub VCD kritisierte, dass die Kläger vom «autofixierten» ADAC unterstützt werden. «Ob in Köln, Hannover, München oder jetzt in Berlin, er rammt immer wieder die Barrieren der Justiz», sagte Werner Korn vom VCD-Bundesvorstand. Der ADAC müsse endlich das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 25. Juli 2008 zur Kenntnis nehmen. «Die Bürger haben demnach Anspruch auf wirkungsvolle Maßnahmen der Kommunen, um ihre Gesundheit zu schützen.»
Neue Regeln ab Januar
Und deshalb darf ebenfalls ab Jahreswechsel in Bremen, Frankfurt am Main und Neu-Ulm nur noch mit gelber oder grüner Plakette in die Innenstadtzonen gefahren werden, nicht mehr mit der roten. Erstmalig richten zum 1. Januar Bonn, Freiburg, Heidelberg, Münster und Pfinztal Umweltzonen ein. Osnabrück folgt drei Tage später am 4. Januar. Stuttgart zieht zum 1. Juli nach. Bereits ab 1. März ist dort ein generelles Lkw-Durchfahrverbot geplant. Und die Stadt München will ab Oktober auf Grün-Gelb schalten.
Wo sich Umweltzonen befinden und wer sie mit welcher Plakette befahren darf, hat der ADAC im Internet zusammengestellt. In einem digitalen Kartensystem sind die betreffenden Stadtgebiete farblich gekennzeichnet, und weiterführende Informationen geben detailliert Aufschluss über die Plakettenpflicht und ihre Ausnahmen (adac.de/maps). Zudem liefert das System Verkehrsinformationen auf dem Weg und im Umkreis sowie über Baustellen oder Raststätten und Tankstellen.
Sperrzonen bereits in rund 40 Städten
In rund 40 Städten gibt es bereits Umweltzonen. Bereits seit dem 01. März 2007 können in Deutschland in Städten und Kommunen Fahrverbote für die «Feinstaub-Stinker» unter den Fahrzeugen erlassen werden. Voraussetzung ist, dass spezielle Umweltzonen ausgewiesen werden. Auf Zusatzzeichen wird geregelt, welche Umwelt-Plakettenfarben (plus zugehörigem Kfz) dort Zufahrt haben.
Die ersten Umweltzonen wurden zum 1. Januar 2008 in den Städten Berlin, Köln und Hannover eingerichtet. Fahrzeuge ohne eine Umweltplakette dürfen die Umweltzone nicht durchfahren. Sonst drohen 40 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg - auch wenn das Fahrzeug aufgrund seiner Emissionswerte in die Zone dürfte.
Keine Plakette zugeteilt bekommen alle Fahrzeuge der sogenannten Schadstoffklasse 1. Das sind in der Regel ältere Benziner ohne geregelten Katalysator und ältere Dieselfahrzeuge. Ob man Rot, Gelb oder Grün bekommt, hängt vom Schadstoffschlüssel ab, der im Fahrzeugschein angegeben ist.
ADAC kritisiert «massiven Eingriff in die Mobilität»
Ziel der Umweltzonen ist eine Verminderung der Feinstaubbelastung in den deutschen Städten. «In Berlin ist seit Anfang 2009 der Rußpartikelausstoß um 25 Prozent zurückgegangen», sagte VCD-Sprecher Michael Müller Görnert. Laut Berliner Umweltbehörde habe sich trotz zahlreicher Ausnahmegenehmigungen die Feinstaubbelastung der Luft im Jahr 2008 um drei Prozent verringert.
Ganz anders sieht das der ADAC. «Wir waren von Anfang an gegen die Umweltzone.Diese Regelung stellt einen massiven Eingriff in die Mobilität der Menschen dar», sagte Sprecher Andreas Hölzel. Dieser sei unverhältnismäßig, da der Pkw-Verkehr lediglich einen Anteil von neun Prozent an der Feinstaubverschmutzung ausmache. Laut einer Studie des ADAC habe sich die tatsächliche Feinstaubbelastung der Luft nach Einführung der Umweltzone nur geringfügig oder gar nicht verändert.
Prüfungen laufen in Leipzig und Dresden
In Nordrhein-Westfalen treten vorerst keine verschärften Bedingungen für Umweltzonen in Kraft. In Köln wie auch im Ruhrgebiet werde der Erfolg der Umweltzonen nun erst einmal evaluiert, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Erst danach werde entschieden, ob möglicherweise Verschärfungen nötig seien.
Eine umweltzonenfreie Zone ist Brandenburg und will es auch bleiben. Auch im Saarland gibt es noch keine konkreten Planungen für solche Sperrzonen. In den Städten Darmstadt, Mainz und Wiesbaden, die in den vergangenen Jahren unter einer teils erheblichen Feinstaubbelastung litten, soll die Entwicklung zunächst weiter beobachtet werden. In Sachsen, wo es noch keine Umweltzonen gibt, wird in Dresden und Leipzig die Einrichtung von Umweltzonen erwogen.
sgo/news.de/ap/ddp/dpa
Danke, ebenso!
jetzt antwortenKommentar meldenHaben die Böller, die Sylvester z. B. in Berlin verballert werden, auch eine "grüne Plakette" dran? Bitte vorm abschießen kontrollieren, nachher gehts nicht mehr! Vor allen Dingen nicht vergessen, vor der "UMWELTFREUNDLICHEN" Ballerei die Messgeräte abschalten, sonst ist vom ganzen Jahr die Messung im A..sch. In diesem Sinne: Einen Guten (und sehr Lauten) Rutsch ins neue Jahr!
jetzt antwortenKommentar meldenSo ein grober Unfug. Das hat doch nichts mit Umweltschutz zu tun, das ist reine Schikane. Aber es schafft Bloedsinns Arbeit und mit den Deutschen kann man's ja machen. Erst diese Trittin Sozialhilfe aka Flaschenpfand, dann Bankenrettung von Geld weissderhimmelwodasherkommt, dann Gluehbirnen verbieten aber Quecksilber im Wohnzimmer toll finden, die Politiker verbrechen doch nur noch Schwachsinn. Ich schaeme mich in einem Land zu leben, in dem alte Menschen in Muelltonnen nach Flaschen graben um zu ueberleben. Das war vor 20 Jahren nicht so.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Umweltplakette ist der größte Quatsch der je da gewesen ist, wenn mein Transporter (Renault Master 2,8 DTI) mit Lkw zulassung nur die Rote Plakette bekommt jedoch bei dem gleichen Fahrzeug nur auf Pkw zugelassen die Grüne Plakette bekommen würde. Da frag ich mich doch wo der Unterschied liegt.
jetzt antwortenKommentar meldenOle ist Recht zu geben, die Volksverdummung wird zum Staatsgeschäft. Nicht nur dass Häuserschluchten, Betonpisten und Industrieareale als Umweltzonen bezeichnet werden, sondern auch, dass an den Feinstaub vertreibenden Charakter einer Plakette geglaubt wird. Stadtluft macht frei, forstet auf ihr Freien vom Denken oder zieht um in die Heide. Im übrigen würde ich mal im Abstand von 100 m messen, wo die Messstation steht. R fordert: Boykott dem Feinstaub - und den Umweltzonen. Stadtsteuern für Staubentlastete herauf.
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