Mo., 21.05.12

Design 2020 27.12.2009 «Ã–koautos sind sexy und schick»

«Ökoautos sind sexy und schick» (Foto)
Professor Lutz Fügener lehrt Transportation Design an der Hochschule Pforzheim. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau

Politik und Wirtschaft sind maßgebliche Faktoren dafür, wie unsere Autos in Zukunft aussehen. Designprofessor Lutz Fügener im Gespräch mit news.de. Teil zwei.

Aber wie können wir unsere Entwicklung hier in Deutschland begünstigen?

Fügener: Ein wesentlicher Faktor ist die Gesetzgebung. Legislative und Vorschriften haben eine riesige Auswirkung auf Design und Aussehen. Denken Sie nur an die zahllosen Sicherheitsvorschriften für Passanten und andere Verkehrsteilnehmer.

Was muss die Politik aus Ihrer Sicht tun?

Fügener: Als Autobauer braucht man Planungs- und Rechtssicherheit. Das wäre viel wichtiger und nachhaltiger als diese zweifelhaften Mini-Boni wie die sogenannate Abwrackprämie. Die Politik ist der bestimmende Faktor für die Zukunft. Aber leider schwer zu berechnen. Dieser bestimmende Faktor kann über die Zukunft wesentlich entscheiden. Liefert die Politik die bisherigen Impulse, wird weiterhin das Automobil in der vertrauten Form – mit dem Fokus auf spritsparende Maßnahmen - evolutionär weiterentwickelt werden. Legt sich die Politik aber beispielsweise darauf fest, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt alle Fahrzeuge während des Betriebes keine Emissionen produzieren dürfen, wird sich die Wirtschaft den neuen Gegebenheiten anpassen.

Haben Sie da überhaupt Gestaltungsmöglichkeiten in diesem Spannungsfeld zwischen Politik und Wirtschaft?

Fügener: Absolut. Als Designer müssen wir mutig vorangehen und den Weg vorzeichnen. Der Markt für Zukunftsautos ist leer gefegt. Obwohl es momentan sexy und schick ist, Ökoautos zu fahren. Hätten Leute wie Sting oder George Clooney die Möglichkeit, einen Bugatti mit Elektromotor für 400.000 Euro zu kaufen, dann würden sie das tun. Aber es gibt ja nur ein Auto mit der Etikette «Ã–ko» auf dem Markt, und das ist der Toyota Prius.

Ist die deutsche Automobilindustrie gerüstet für die Zukunft?

Fügener: Ja und nein. Die Weichen müssen noch umgestellt werden. Aber im internationalen Vergleich hat unsere Industrie schon eher die Zeichen der Zeit erkannt. VW zum Beispiel ist gut und breit aufgestellt und der up! ein sehr stimmiges Konzept. Der Weg in die Zukunft sollte zunächst ein Mix aus alten und neuen Antriebskonzepten sein. Denn in Deutschland sind wir beim klassischen Automobil dermaßen hoch entwickelt, dass man dieses Potenzial, diese marktführende Position nutzen muss. Aber: Die Zeichen der Zeit hat noch nicht jeder führende Kopf der deutschen Autoindustrie erkannt. Man muss Fahrzeugen auf den ersten Blick ansehen, dass sie Produkte des neuen Denkens, der neuen Zeit sind.

Was ist ihr Ausblick für die kommenden zehn Jahre?

Fügener: Zehn Jahre sind für die Automobilindustrie ein sehr kurzer Abschnitt. Wenn wir heute loslegen mit der Entwicklung, dann müssen wir mit knapp 60 Monaten rechnen. Dann sind fünf Jahre vorbei und fünf Jahre später kommt das erste Facelift. Dann haben wir 2020. Das reine Elektroauto wird es bis dahin auf keinen Fall geben. Bei Hybridfahrzeugen wird sich Einiges tun. Ein erster wichtiger Schritt wird der hin zur Massenreduktion sein. Fahrzeuge werden leichter werden müssen. Ich hoffe sehr und gehe auch davon aus, dass es in den nächsten Jahren revolutionäre Neuerungen geben wird. Sie werden sich jedoch noch nicht in marktrelevanter Größe in den Verkaufszahlen niederschlagen können.

 

voc/news.de
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