Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Nichts Ganzes, nichts Halbes. Die kommenden zehn Jahre wird die Optimierung des Verbrennungsmotors bestimmen. Hybridfahrzeuge werden zunehmen. Elektrofahrzeuge aber bleiben vorerst Zukunftsmusik.
Der Zündschlüssel bei den meisten Fahrzeugen befindet sich rechts vom Lenkrad. Nach einem kurzen Dreh startet der Motor. Er befindet sich in der Regel vor dem Fahrer in einer abgeschirmten Kapsel und verbrennt entweder frisiertes Heizöl (Diesel) oder höher veredelten Brennstoff (Benzin). Dieses Prinzip bewegt Roß und Reiter seit über 100 Jahren. Spätestens seit der weltweiten Explosion der Kraftstoffpreise 2008 ist diese Selbstverständlichkeit allerdings ins Wanken geraten.
Bisher wurden Autofahrer müde belächelt, wenn sie ihre Fahrzeuge auf Gas umrüsten ließen; einige Wenige setzen auf Rapsöl, Exoten wie Saab experimentieren mit Ethanol. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) jedoch bescheinigt dem konventionellen Benzin- und Dieselkonzept eine goldene Zukunft: «Der Verbrennungsmotor hat eine über 100-jährige Erfolgsgeschichte geschrieben, die noch längst nicht zu Ende ist», bestätigte Matthias Wissmann, Präsident des VDA auf Nachfrage von news.de.
Hersteller setzen auf Öko
Die Hersteller indes versuchen momentan, einen anderen Eindruck zu vermitteln. Wöchentlich überbieten sich die Autobauer von Audi bis VW mit Studien und Pilotprojekten, die eine andere Sprache sprechen: die des elektrischen Antriebes. Ob Audi E-tron, BMW Concept Active E, Opel Ampera oder Mercedes mit seinem Brenstoffzellenantrieb F-Cell – die Botschaft soll lauten: Wir bleiben am Ball, die Zukunft ist elektrisch. Auch der VDA räumt ein, dass elektronische Fahrzeuge auf der Überholspur sind. Matthias Wissmann: «Der Elektroantrieb wird an Bedeutung gewinnen.»
Die Auflösung des klassischen Duos Benzin und Diesel beschreibt auch Cornel Stan. Der Professor für technische Thermodynamik, Verbrennungsmotoren und Alternative Antriebssysteme zeichnet das Bild einer Diversifizierung der Antriebe gemäß des jeweiligen Einsatzzweckes und -ortes. Die Frage wird also nicht mehr sein: Großer Verbrennungsmotor für großes Langstreckenfahrzeug und kleiner Antrieb für den wendigen Stadtflitzer, sondern Verbrennungs-Elektrohybrid für die große Fahrt und reiner Elektrobetrieb für den Einkauf.
Daneben wird vor allem der Ausbau der Energierückgewinnung die nächsten Jahre für die Entwickler prägen. Die Idee ist einfach und logisch: Während der Fahrt entstehende Energien sollen ressourcenschonend in den Energiekreislauf des Fahrzeuges zurückfließen. BMW beispielsweise steckt den Motor in eine Kapsel und will somit die Wärme des Aggregats speichern, um einen kraftstoffintensiven Kaltstart zu verhindern. Ein anderes Beispiel ist der Bremsvorgang, bei dem auch bis dato ungenutzte Kräfte frei werden. Durch intelligente Rückgewinnung können so beispielsweise die zahllosen elektrischen Helferlein gefüttert werden, die bisher für den Extraliter Sprit zuständig waren – also Klimaanlage, Standheizung und so weiter.
Weiter Weg bis zum Elektroauto
Wie bald sich die Gewichte allerdings zugunsten des Elektroantriebes verschieben, da mahnen die Autobauer noch zur Geduld. Klassenpri(m)us Toyota bestätigt, dass der reine Elektroantrieb noch mindestens 30 Jahre auf sich warten lassen wird. BMW bemängelt die niedrige Energiedichte und die kurze Lebenszeit der Herzkammern des Elektroantriebes, der Akkus. Die Bayern stellen momentan noch kein Zeitfenster in Aussicht und setzen in Großserie weiterhin auf die Optimierung des Kolbenmotors, allerdings mit dem Ausbau unterstützender Nebenaggregate wie der Brennstoffzelle als Stromgenerator.
Zum Anwalt der Zukunft hat sich Renault erklärt. Die Franzosen wollen unter dem Slogan «Zero Emmission» 2011 in Großserie batteriebetriebene Fahrzeuge einführen und 2020 sollen 10 Prozent aller verkauften Renault summen statt brummen. Ford wird sich die nächsten Jahre in Sachen Elektroantrieb ganz auf den US-Markt konzentrieren, wo Ökoautos angesagt sind wie nie. Auch der Weltkonzern General Motors (GM) will die (zunächst teilweise) Elektrifizierung zunächst ausschließlich in der Neuen Welt voran treiben. In Europa seien Dieselfahrzeuge die erste Wahl - auf jeden Fall die nächsten zehn Jahre, so der Konzern.
Bei allem Zukunftseifer muss man also relativieren: 2020 wird Europa, und erst recht der Rest der Welt, von Elektromobilität noch weit entfernt sein. Die gute Botschaft ist, dass wenigstens die Bereitschaft zum Umdenken hin zu neuen umweltfreundlicheren Antrieben stattgefunden hat. Bis die Zukunft Realität ist, werden allerdings noch mindestens 30 Jahre vergehen. In der Zwischenzeit werden verschiedene Kombinationsformen aus Verbrennungsmotor, Elektromotor, Brennstoffzelle und Batterie den Markt bestimmen. Das Zeitalter des Experimentierens hat begonnen.
Generell ist das nicht falsch:Hybrid-Fahrzeuge mit Spardiesel und zuschaltbaren E-Antrieb! Nur müssen die PKWs so eine hohe PS-Leistung haben und einem Hubraum über 2,0 Liter? Warum nicht die untere Mittelklasse forcieren- und die Reichweite beim 41 PS-starken E-Antrieb nur 3 km? Bis zu 90 PS-Dieselantrieb und ca. 45 PS- E-Antrieb, dafür die Reichweite beim E-Antrieb mindestens 30 km! Dann wäre die Zukunft schon sehr weit für die meisten Fahrer und Besitzer für einen erschwinglichen Preis schon heute möglich!
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