Der Wende-Trabant Das letzte Zucken

Kurz vor dem Ende der DDR gab es die modernsten Exemplare von Trabant und Wartburg - mit Volkswagentechnik. Eine Chance bekamen beide Modelle allerdings nie und das lag nicht nur an der Wende.

Das letzte Zucken (Foto)
Vor ihrem Abgang wurden Trabent und Wartburtg noch einmal mit VW-Motoren ausgestattet. Bild: wikipedia/asterion

Wer die glatte, neutrale Front sieht, wird womöglich raten müssen: Ist es ein Lada? Oder ein nachgebauter Volvo? Doch nein, es ist ein Wartburg 1.3, der Nachfolger des DDR-Autos Nummer zwei. Modern wollte er im Jahr 1988 sein und hatte tatsächlich nach all den Jahrzehnten der des Zweitakt-Geräuschkulisse einen Viertaktmotor zu bieten. Genau wie der neue Trabant 1.1, der aber im Gegensatz zum Wartburg außen fast unverändert im Vergleich zum Vorgänger blieb. Beiden Modelle vereint vor allem eins: Sie sind zu spät Geborene in einer falschen Zeit. 

Die Viertaktmotoren waren Lizenzbauten von VWs Polomotor mit 1,3 beziehungsweise 1,1 Litern Hubraum und 58 beziehungsweise 40 PS. Mit ihnen sollten die beiden Neuauflagen der DDR-Klassiker Jahren ohne echte Fortentwicklung endlich etwas Moderne in die hoffnungslos veraltete DDR-Autowelt bringen. 1988 rollte der Wartburg 1.3 an, im Herbst 1989 kam quasi als Wendekind der Trabi 1.1 und auch der Barkas, der DDR-Transporter, war in einer Neuauflage mit dem 1,3-Liter-Motor zu haben.

Ob der Plan ohne Wende geglückt wäre? Wie eine Bombe schlug die Nachricht von den Neuen nicht jedenfalls nicht ein und die Nachfrage war eher verhalten. Nicht allein die höheren Preise von rund 20.000 (Trabant) oder 30.000 D-Mark (Wartburg) waren daran schuld oder - im Fall des Trabant - die Grenzöffnung. Auch die Tatsache bewirkte nichts, dass sich endlich einmal mehr als nur ein Instrument im Armaturenbrett geändert hatte, nach all den Jahren der gescheiterten Prototypen und Modernisierungsversprechen.

Die Wagen waren einfach zu veraltet in jeder Hinsicht. Jedes Kind wusste vom Westbesuch, wie ein modernes Auto aussehen sollte, zumal es auch in der DDR schon länger vereinzelte importierte Fahrzeuge ausländischen Typs gab. Für einen Trabant oder Wartburg viel Geld auszugeben, der genauso aussah wie das zwanzig Jahre alte Modell der Eltern - dazu hatte wohl niemand mehr Lust. Vom Viertakt-Trabant wurden rund 40.000 Exemplare verkauft, vom Wartburg 1.3 mit seinem zeitlichen Vorsprung um 150.000 Wagen.

So bleiben der Geschichte zwei echte Exoten der Autogeschichte, um die sich heute Liebhaber kümmern. Die Geschichte von den letzten Zügen der DDR-Autoproduktion und ihren Höhepunkten seit der Gründung des Landes dokumentieren zum Beispiel folgende Seiten:

wartburg-camping.de

Eisenacher Prototypen

viertakttrabant.de

Epoche 3 - Geschichte des Trabant

sgo/news.de

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Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Klever
  • Kommentar 5
  • 26.12.2009 08:49
Antwort auf Kommentar 2

...ja und? es geht ja auch um den trabant 1.1?

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  • Detlef Beck
  • Kommentar 4
  • 25.12.2009 20:21

Wie wahr,wie wahr!!! Der Komment. von Wolfer lässt mich erinnern : Anno 1968 o.' 69 sah (u.hörte)ich in einer erzgeb. Kreisstadt einen Kleinwagen,Front vom Trab.,etwas modifiz.,das bekannte 2-Taktklappern vornedrin,und hinten das neue Schrägheck u.dunkelrot lackiert das alles.Kurze Zeit später auf Zwickaus Strassen(Nähe Stadion)ein gleicher Typ,schöner Frontgrill,hellblaue Lackierung.Paar Jährchen darauf war der Golf1 geboren. Dieses Schrägheckpatent wurde für "harte Währung" an VW verklingelt! Und da beisst die Maus keinen Faden ab: Der Golf1 ist das Werk Zwickauer Designingenieure!!!

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  • ulrich ehnert
  • Kommentar 3
  • 24.12.2009 17:50
Antwort auf Kommentar 1

Naja schade, finde ich es nicht, das es die "volkseigenen Blamagen", Autos genannt, nicht mehr gibt. Schade empfinden das vermutlich NUR die ewig gestrigen, für die bei Honnecker und Mielke alles Besser war. Man bekam, wollte man NUR das Land verlassen, noch Metall, in Form von Projektilen "nachgereicht". Vielleicht ist ja auch das "schade, das es das nicht mehr gibt"!

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