Mo., 21.05.12

Beheizte Brücken 15.12.2009 Schliddern ade

Schliddern ade (Foto)
Ingenieur Ingbert Mangerig auf dem Gelaende der Bundeswehruniversitaet in Neubiberg bei Muenchen. Bild: ddp

Von Gabriel Dominguez

Fluss, Brücke, Winter: ein unheilvolles Triumvirat für alle Autofahrer. Forscher der Bundeswehr-Universität Neubiberg entwickeln nun technische Lösung gegen die Eisglätte.

Mit einer Fußbodenheizung für Brücken wollen Forscher der Bundeswehr-Universität Neubiberg bei München den Verkehr im Winter sicherer machen. Mit Hilfe von Geothermie als Wärmequelle entwickelten sie ein Verfahren, das die Glättebildung verringern soll. Da der Asphalt auf Brücken meist deutlich schneller vereist als auf anderen Straßenabschnitten, erhoffen sich die Forscher dadurch «eine deutliche Erhöhung der Verkehrssicherheit», wie Professor Ingbert Mangerig sagte.

Nach Angaben des Ingenieurs funktioniert die Heiztechnik für Brücken so, dass im Asphalt Kunststoffrohre verlegt werden. Sensoren messen die Wetterbedingungen rund um die Brücke und melden einem Computer unter der Brücke, wann das System sich ein- beziehungsweise ausschalten soll. «Bei drohender Glätte wird warmes Wasser mit Frostschutz in ein geschlossenes Rohrsystem gepumpt, das zwischen acht und zwölf Meter in die Erde hineinreicht.

Das durch die Geothermie auf zehn bis zwölf Grad erwärmte Wasser heizt den Asphalt und vermindert somit die Eisbildung auf der Brücke», erläuterte der Forscher. Die in den Sommermonaten im Untergrund gespeicherte Wärme würde somit zur Energiequelle für den Winterbetrieb.

Verwirklicht wird das System aber nicht in Bayern, sondern in Norddeutschland. Als erste öffentliche Brücke geht die derzeit im Bau befindliche Überquerung des Elbe-Lübeck-Kanals voraussichtlich Mitte 2010 in Betrieb. In diesem Pilotprojekt wird die Wärme aus einem rund 80 Meter tiefen Brunnen gewonnen.

Nach Ansicht von Mangerig lässt sich das System bei jeder beliebigen Brücke einsetzen, beispielsweise bei der Erneuerung von Asphaltschichten. Dabei rechnet Mangerig mit zusätzlichen Kosten zwischen 100 und 150 Euro pro Quadratmeter. Der Wissenschaftler sieht aber weiteres Potenzial für die Entwicklung jenseits von Autobrücken. So hätten auch die Deutsche Bahn sowie mehrere Flughafenbetreiber bereits Interesse an der Idee gezeigt. Künftig könnten also auch Bahnsteige und Landebahnen von dieser Technologie profitieren.

Verkehrsclubs und Politik sind optimistisch

Der ADAC hält die neue Heiztechnik für eine «innovative Methode». Allerdings bestehe weiterer Forschungsbedarf, insbesondere was die Praxistauglichkeit angeht. So soll die Pilotbrücke wichtige Erkenntnisse liefern, ob das System einen wirksamen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit leisten kann.

Ähnlich äußerte sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er will den «vielversprechenden» Ansatz im kommenden Jahr beim Neubau von Brücken im Freistaat sorgfältig prüfen lassen.

Mangerig selbst hofft auf eine breite Anwendung des Systems: «Wir sind optimistisch, dass in naher Zukunft nach der ersten bundesdeutschen Brücke weitere mit dem wartungsarmen System ausgestattet werden.»

Das System funktioniert übrigens nicht nur im Winter. Nach Angaben von Mangerig können die Röhren in den Sommermonaten wie eine Klimaanlage für den Asphalt eingesetzt werden. Das zwölf Grad kühle Wasser verhindert bei Hitze die Verformung der Straße und die Bildung von Spurrillen.

sgo/news.de/ddp
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