09.12.2009, 16.58 Uhr

Fehlende Kontrollen: Kaputte Rußfilter - und keiner merkt's

Zwar sind Rußfilter bei Dieselfahrzeugen eine sinnvolle Sache. Aber ob sie tatsächlich funktionieren können die regelmäßigen Kontrollen überhaupt nicht feststellen. Experten fordern bessere Messverfahren und angepasste Richtwerte.

Rußschleuder oder nicht? Die Messverfahren sind Kritikern zufolge derzeit nicht in der Lage, defekte Partikelfilter zu erkennen. Bild: dpa

Rußpartikelfilter für Dieselfahrzeuge sind für Umweltschützer und Gesundheitsexperten ein Segen. Schließlich verhindern sie, dass krebserregende Rußteilchen aus den Abgasen in die Umgebungsluft gelangen.

So könnten alle zufrieden sein, dass fast alle Diesel-Pkw einen Rußfilter serienmäßig eingebaut bekommen. Doch damit ist das Partikelproblem keineswegs gebannt: Denn es wird nirgendwo kontrolliert, ob die Rußfilter tatsächlich wie vorgesehen funktionieren. Die regelmäßige Abgasprüfung taugt Kritikern zufolge dazu jedenfalls nicht.

So bemängelt zum Beispiel die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in Berlin, das die alle zwei Jahre vorgeschriebene Abgasuntersuchung von Dieselfahrzeugen nicht in der Lage ist, Autos mit defektem Partikelfilter zu erkennen. Sie sei «wirkungslos» und müsse schleunigst reformiert werden. Grund dafür seien vor allem veraltete Messverfahren, mit denen keine Chance mehr besteht, etwa bei modernen Euro-5-Dieseln emissionserhöhende Fehler zu erfassen.

Denn während die Schadstoff- und Partikelgrenzwerte von der EU in den vergangenen Jahren immer höher geschraubt wurden, seien die Prüfwerte der Abgasuntersuchung auf dem Stand der 70er Jahre belassen worden. Die Kluft zwischen beiden Werten sei mittlerweile so weit gewachsen, «dass bei der Prüfung moderne und mittelalte Fahrzeuge auch bei defekter Abgasreinigung praktisch nicht mehr durchfallen können», so die DUH. Die Gebühren für die Prüfung, die ab dem 1. Januar immer während der Hauptuntersuchung miterledigt werden muss, seien somit «rausgeschmissenes Geld», schimpft DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch.

Automatische Selbstregelung

Zwar verfügen moderne Dieselfahrzeuge in der Regel über eine sogenannte On-Board-Diagnoseeinheit (OBD), die den Partikelfilter überwacht. Dabei wird der Füllungsgrad des Filterelements mit Rußteilchen ermittelt, wie ein Audi-Sprecher in Ingolstadt erläutert. Bei einer bestimmten Füllmenge leitet das System die Regeneration ein, bei dem die Rußteilchen durch eine Erhöhung der Abgastemperatur verbrannt werden.

Auch eine Fehlfunktion wird dem Sprecher zufolge erkannt: Ist das Bauteil zum Beispiel nach andauernden Kurzstreckenfahrten verstopft, leuchtet eine Warnlampe auf, die dem Fahrer signalisiert, dass er einige Minuten konstant mindestens Tempo 80 fahren muss, damit die Filterregeneration erfolgen kann.

Doch über den tatsächlichen Partikelausstoß wacht das System dabei nicht. «Die OBD ist nicht schlecht, aber kein Ersatz für eine Partikelmessung am Auspuffende», sagt Hans-Jürgen Mäurer, Leiter der Entwicklung für Prüftechnik bei der Dekra in Stuttgart. Die OBD kontrolliere nur indirekt die Regeneration, indem der Abgasgegendruck gemessen wird. «Es erfolgt keine direkte Messung des tatsächlichen Partikelausstoßes.»

Wirksame Untersuchung gibt es längst

Auch der Verkehrsberater Axel Friedrich weist auf die begrenzten Möglichkeiten der OBD hin. «Die OBD ist nicht in der Lage, gravierende Fehler in der Abgasreinigung zu erkennen», so der ehemalige Abteilungsleiter im Umweltbundesamt. Die OBD könne «eine wirksame periodische Abgasuntersuchung nicht ersetzen».

Und die gäbe es längst. Denn die Sachverständigen-Organisationen von TÜV und Dekra haben inzwischen moderne Partikelmessgeräte in Praxisversuchen erprobt. Dabei wurde bewiesen, dass sie einsatzfähig sind. Doch bevor sie zum Einsatz kommen dürfen, um bei der Abgasuntersuchung defekte Rußschleudern aus dem Verkehr zu ziehen, müssen sie noch von der Physikalisch Technischen Bundesanstalt (PTB) zugelassen werden, sagt Hans-Jürgen Mäurer von der Dekra.

Außerdem müssten die Grenzwerte entsprechend angepasst werden. Hier müsse die Politik in die Gänge kommen. Immerhin befassten sich mit dem Thema inzwischen die zuständigen Arbeitskreise der Ministerien.

Doch bis zur Zusammenlegung von Abgasuntersuchung (AU) und Hauptuntersuchung (HU) Anfang 2010 ist nicht mehr mit Ergebnissen zu rechnen. «Die Zusammenlegung ist nur eine formale Geschichte», erläutert Mäurer. «Technisch ändert sich am Verfahren nichts.» Dabei sind sich die Prüfexperten mit den Umweltverbänden einig, dass sich dringend etwas tun muss. «Eigentlich könnte man bei einem modernen Diesel den Filter ausbauen, ohne dass man das bei der Abgasuntersuchung merkt», sagt Mäurer.

kat/news.de/dpa

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