BMW 7er Active Hybrid Kraftprotz für Übersee

Man kann einen Hybriden sparsam fahren. Muss man aber nicht. Denn am Steuer des BMW 7er Hybrid steht der Fahrspaß eindeutig im Vordergrund. Die neue Variante des Münchner Aushängeschilds kommt im April 2010 auf den Markt.

BMW 7er Active Hybrid (Foto)
Beim BMW 7er Active Hybrid steht der Fahrspaß vor der Sparsamkeit. Bild: pi

Der BMW 7er Hybrid soll gerade in den USA der etablierten Hybridkonkurrenz Dampf machen und Druck auf die Neuankömmlinge Mercedes S-Klasse, Infiniti M, Audi A8 und Porsche Panamera ausüben. Bereits die wenig heimisch lautende Bezeichnung BMW Active Hybrid 7“ zeigt, wohin die Reise gehen soll.

Nachdem sich die Amerikaner trotz offensichtlicher Vorteile in Alltagsgebrauch und Fahrprofil bei keiner Marke für sparsame Saubermann-Diesel erwärmen können, soll es jetzt der flächendeckende Einsatz europäischer Hybridantriebe richten. Anders als der deutsche Kooperationspartner Mercedes setzt BMW beim 7er Hybrid auf Leistung pur. Weltweit ist der 7er die dynamischste Art, einen Hybriden zu fahren, unterstreicht Projektleiter Werner Bauer: «Wir bieten Achtzylinder-Fahrgefühl, Zwölfzylinder-Leistung und einen Sechszylinder-Verbrauch.»

BMW 7er Active Hybrid: Schneller Stromfluss

Das V8-Triebwerk des BMW 750i mit seinem doppelt aufgeladenen Achtzylinder-Turbo wurde mit dem gleichen Hybridmodul wie der deutlich schwächer motorisierte Mercedes S 400 Hybrid versehen. Entwickelt und produziert werden die Hybridkomponenten von Continental. So bietet der Kraftprotz aus Bayern unter dem Strich eine Systemleistung von 342 KW / 465 PS und zwischen 2000 und 4500 Touren ein gigantisches Drehmoment von 700 Nm.

Die ökologisch integeren Gedanken, eine bullige Luxuslimousine auch mit deutlich weniger als zehn Litern Super auf 100 Kilometern bewegen zu können, kommen einem bei einem Spurtpotenzial von Null auf Tempo 100 in 4,9 Sekunden und 250 km/h Spitze kaum in den Sinn. Der hybride 7er ist eine Fahrmaschine, die selbst Sportversionen Angst macht und am Thron des übermächtigen Schwestermodells 760i sägt. Bei aller Dynamik soll sich der über zwei Tonnen schwere Wagen mit 9,4 Litern Super auf 100 Kilometern zufrieden geben.

Beim Anfahren mit dem Active Hybrid 7 wartet allerdings eine Enttäuschung: Ein Druck auf den Starterknopf ruft kein elektrifizierendes Surren, sondern sanfte Achtzylinderklänge hervor. Anders als die Vollhybridversionen kann der BMW 7er Hybrid nicht rein elektrisch fahren. Die Hybridtechnik beschränkt sich auf ein Elektromodul in der neuen Achtgang-Automatik, das 15 KW / 20 PS elektrischer Zusatzleistung liefert.

Akkus im Bierkastenformat

Beim Blick in den Motorraum sind die Innovationen im Antriebsstrang nicht sichtbar. Hybridkomponenten? Fehlanzeige. Alles mutet wie bei einem ganz normalem 7er mit Benzin- oder Dieseltriebwerk an. Anders sieht es bei einem Blick in den Kofferraum aus. Der an sich üppig dimensionierte Laderaum wird im linken Bereich von einem mit Teppich verkleideten Quader in Bierkastengröße verkleinert. Das sieht seltsam aus und verringert das Ladevolumen auf zerklüftete 460 Liter.

In dem Quader ist der rund 27 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Akkupack untergebracht. Immerhin bleibt die Skidurchreiche in den Innenraum erhalten. Gründe für die alles andere als sinnvolle Platzierung des Akkus im Gepäckabteil sind eine bessere Gewichtsverteilung und die geringeren Temperaturschwankungen. Entwicklungspartner Daimler aber hat das gleiche Akkupaket beim S 400 Hybrid sinnvollerweise in den Motorraum gepresst.

Bei der Frage, warum BMW als Trägertriebwerk für den Elektroantrieb den durstigen Achtzylinder und nicht einen kleineren Sechszylinder gewählt hat, muss Projektleiter Werner Bauer nicht lange überlegen: «Wir erwarten, dass 45 Prozent aller Active Hybrid 7 in die USA gehen. Die USA sind ein reiner Achtzylindermarkt. Das wird sich erst einmal nicht ändern. Auf Platz zwei bei der Hybridnachfrage erwarten wir Deutschland mit rund 20 Prozent.» Ob die Hybridkunden BMWs Strategie honorieren, wird sich zeigen. Schließlich hätte der erwartete Normverbrauch eines doppelt aufgeladenen Sechszylinders mit knapp 350 PS wohl unter acht Litern Super auf 100 Kilometern gelegen.

Ein günstiges Vergnügen wird der BMW 7er Hybrid nicht. Das ab Mitte April verfügbare Elektro-Flaggschiff soll mindestens 105.900 Euro kosten. Die Langversionen sind nochmals 6600 Euro teurer. Abzüglich der serienmäßigen Mehrausstattung beträgt der Hybridaufschlag im Vergleich zu 750i / 750 Li somit rund 5000 Euro. BMW rechnet quer durch alle Märkte beim Siebener mit einem Hybridanteil von knapp zehn Prozent. Er soll zusammen mit dem X6 Hybrid aber nur der Auftakt für ein neues Elektrozeitalter sein. «Das Hybridmodul, das wir hier verbaut haben, wird man mittelfristig nicht allein im 7er sehen», verspricht Baureihenleiter Oliver Walter. Längst ist kein Geheimnis mehr, dass auch die neuen Schwestermodelle 5er und 5er GT beizeiten mit der Kombination aus ZF-Achtgang-Automatik und Hybridmodul ausgestattet werden.

kat/jan/reu/news.de/pi

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