VW Golf GTD Der Geiz-GTI

Schnell fahren, viel sparen: Der GTD will GTI-Feeling mit moderatem Verbrauch kreuzen. Seine Verarbeitung ist hochwertig, der Auftritt sportlich und das Fahrverhalten knackig. Trotz allem Makeup ist und bleibt der Wolfsburger aber ein Golf. Nicht mehr und nicht weniger.

Der Geiz-GTI (Foto)
Der Golf GTD bietet kompaktes Sport-Feeling. Dafür allerdings sind über 36.000 Euro viel Geld. Bild: news.de

Disco, weißes Polohemd und Föhnfrisur. Die gängigen Vorurteile gegenüber GTI-Fahrern sind seit dem Erscheinen des Kompaktsportlers 1976 weitgehend stabil geblieben. 1982 etablierten die Wolfsburger den GTD, eine GTI mit sparsamem Diesel unter der Haube. Doch das Knauserimage haftet dem GTD bis heute nicht an, schon gar nicht der im März 2009 vorgestellten Neuauflage des Dieselflitzers.

Ein Kaufanreiz mehr für die Klientel: Denn auf den ersten Blick ist der Selbstzünder von seinem Benzinbruder nicht zu unterscheiden. Mit aggressivem Kühlergrill in Wabenform und chromblitzenden GTD-Logo signalisiert der Wagen im Rückspiegel der Vorausfahrenden, dass da kein Standard-Golf im Anflug ist. Serienmäßig ist der Wolfsburger auf ebenso beeindruckenden Sohlen unterwegs: Standesgemäße 17-Zoll-Alufelgen sind mit 225 Millimeter breiten Sportreifen bezogen – ein Faktor dafür, dass der GTD allzeit souverän auf dem Asphalt liegt. Egal, ob auf nasser Fahrbahn, bei der zügigen Landstraßenhatz oder in schnellen Autobahnkurven jenseits der 200 km/h: Der Golf verfolgt stoisch seine Spur und bringt den Fahrer nicht so schnell in Verlegenheit.

Golf GTD: Knausersprinter

Wesentlichen Anteil an diesem beruhigenden Faktum hat die sinnvolle adaptive Fahrwerksregelung DCC. Mit den Modi «normal», «comfort» und «sport» steht für jeden Anspruch die passende Einstellung parat. Gravierende Traktionsprobleme offeriert der Golf im Stadtverkehr. Ist die Fahrbahn auch nur feucht, dann kennen die Vorderreifen im wahrsten Sinne des Wortes kein Halten mehr und drehen fröhlich durch. Klar, 350 Newtonmeter wollen erst einmal auf die Straße gebracht werden. Für den Alltag indes ist gerade das ein Wermutstropfen.

Viel Schub in der Mitte, aber schwach bei hohen Drehzahlen

Das Sportlerherz hingegen wird seine Freude am Antrieb des Wolfsburger Turnbeutels haben. Dank Common-Rail-Technologie hängt der Selbstzünder mit 170 PS bissig am Gas und schiebt schon ab dem Drehmomentkeller beinahe verzögerungsfrei nach vorne. Vergessen die alten Tage, an denen man sich noch über St. Andreasgraben-mäßige Turbolöcher und mangelnden Bums ärgern musste. Die 8,2 Sekunden auf 100 km/h nimmt man Volkswagen ab.

Ganz oben aber wird für den Kompaktsportler die Luft dünn. Einerseits auf der Drehzahlleiter. Denn für ein so sportlich ambitioniertes Auto lässt einerseits der Drang in oberen Drehzahlregionen zu deutlich nach. Das typische GTI-Feeling auf der Jagd nach dem süchtigmachenden Schubnirvana in alpinen Drehzahlregionen kann sich so nicht einstellen.

Über 190 Sachen wird zudem der Vortrieb zäh und für den versprochenen Topspeed von 222 km/h braucht es Anlauf und Geduld. Der Verbrauch ist bei artgerechter Haltung natürlich amtlich: Bei Bleifluß zeigt die Momentanverbrauchsanzeige 15 Liter an! Im Schnitt genehmigt sich der Wolfsburger bei ambitionierter Fahrweise knapp 8,5 Liter. Lässt man es ruhig angehen, sinkt der Durchschnittsdurst allerdings bei Bedarf auch auf vorzeigbare 5,8 Liter.

Lesen Sie auf Seite 2 wie der Innenraum des Wolfsburgers aussieht

Der Innenraum indes versöhnt Fahrer und Fahrzeug wieder. Die kultigen Karositze im Retrolook zaubern schon beim Einstieg ein Lächeln auf das Gesicht des Piloten. Schade, dass der selige Schaltknauf im Golfballdesign nicht mit an Bord ist. Das Lederlenkrad mit verchromtem GTD-Emblem bietet genug Grip und fühlt sich wertig an.

Das gilt für den gesamten Innenraum, wobei sich die Wolfsburger eines cleveren Tricks bedienen: Alle Flächen, die sich im griff- und Sichtfeld der Insassen befinden – Türgriffe, Ablagen, Chromapplikationen – sind hochwertig und edel. Die Flächen außerhalb dieses Feldes bilden billigere Materialien. Das ist ein Unterschied zu Fahrzeugen aus dem Premiumsektor, geht aber völlig in Ordnung. Schließlich ist der Golf erstens von der Anschaffung her deutlich günstiger und zweitens sind die minderwertigeren Stoffe dort verbaut, wo man im Alltag ohnehin nie hinfasst oder -sieht.

Der Einstieg in die GTD-Welt beginnt bei 27.475 Euro. Dann allerdings ist der Wagen ausstattungsmäßig beinahe nackt. Der Testwagen mit reichlich Kreuzen auf der Zubehörliste kam auf satte 36.271 Euro. Mit an Bord waren unter anderem Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenfahrlicht (1295 Euro), Dynaudio Soundsystem Volkswagen Individual (2700 Euro) und der Parkassistent mit Rückfahrkamera (365 Euro). Wirklich empfehlenswert sind vier Türen (765 Euro) und das famose Doppelkupplungsgetriebe DSG 1875 Euro).

Fazit

Der Golf GTD bietet zusammenfassend viel kompakten Fahrspaß. Der Vorderradantrieb ist dabei bis auf Fahrten bei Nässe in der Stadt problemlos. Gegenüber dem hausinternen Konkurrenten GTI (ab 26.650 Euro) muss man schlechtere Fahrleistungen in Kauf nehmen – kann dafür aber relativ sparsam unterwegs sein. Trotz der guten Verarbeitung und dem hohen Fahrspaß: Der GTD ist und bleibt ein VW Golf. Ein Wagen aus der Kompaktklasse, der nicht aus dem Hause eines Premiumherstellers stammt. Und dafür sind die 36.271 Euro des gefahrenen Testwagens sehr viel Geld.

seh/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Wilfried Kurth
  • Kommentar 1
  • 17.03.2010 11:57

GTI wichtig dabei ist doch, was für ein Benzin-Luftgemisch hat der Motor, denn um den Spareffekt zu erzielen, wäre es wichtig auch der Druck mit dem die einspritzung erfolgt! Fragen Sie einmal die VW-Vertretung, kennt sich da denn einer aus? Mit fragenden Grüßen WK

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