Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Wer noch mit Sommerreifen unterwegs ist, hat schlechte Karten. Experten raten, jetzt besonders aufmerksam zu fahren. Denn die Bremswege werden deutlich länger und die Haftung lässt drastisch nach.
Es wird kälter. Dadurch verändern sich auch die Bedingungen im Straßenverkehr. Klar, Winterreifen sind das Gebot der Stunde. Bei vollen Werkstätten und akutem Zeitmangel allerdings kommt man wohl oder übel manchmal nicht drum herum, noch einige Tage auf Sommerreifen durchzuhalten.
Die allerdings reagieren bei Kälte und Nässe anders als im gewohnten Frühlings- oder Sommerbetrieb. Bastian Roet vom AvD: «Wenn es kalt ist, muss man sich darauf einstellen, dass Sommerreifen nicht dieselbe Haftung bieten wie gewohnt. Da hilft es nur, sein Fahrverhalten anzupassen». Doch was bedeutet das genau? «Noch mehr Abstand halten und vorausschauend fahren. Die Bremswege werden ungleich länger», erläutert der Verkehrssoziologe des AvD.
Dabei versäumt es der Gesetzgeber, klar zu definieren, was eigentlich Sommer- und was Winterreifen sind. «Es gibt keine verbindliche technische Norm für Winterreifen. Sie müssen für die jeweilige Witterung passende Reifen haben, so lautet die offizielle Gesetzeslage», so Roet.
Ein Termin in der Werkstatt ist kein Problem
Trotz der hohen witterungsbedingten Nachfrage sollte es kein Problem darstellen, zeitnah einen Werkstatttermin für den Reifenwechsel zu bekommen. Die Werkstätten sind in den momentanen Spitzenzeiten personell verstärkt, um dem Andrang Herr zu werden. Außerdem ist ein Reifenwechsel ein schneller und simpler Vorgang, den jede beliebige Autogarage leisten kann.
Da der Tausch keine Auswirkung auf irgendwelche Garantieleistungen hat, kann er auch bedenkenlos bei freien Anbietern vorgenommen werden. Der Tipp vom Experten: «Kümmern sie sich so schnell wie möglich um einen Termin und probieren Sie es bei verschiedenen Häusern. Bis dahin hilft nur vorausschauendes und vorsichtiges Fahren», so Bastian Roet.
Außerdem ist es hilfreich, den zahllosen anderen sich verändernden Umwelteinflüssen entgegenzuwirken. Bastian Roet: «Gerade bei kalter Witterung ist es wichtig, die Umwelteinflüsse auf das Fahrzeug zu beachten. Wenn also schon die Haftung der Reifen eingeschränkt ist, muss neben erhöhter Aufmerksamkeit wenigstens eine gute Sicht sichergestellt sein.» Deshalb sollte man in jedem Fall jetzt schon ausreichend Frostschutzmittel nachkippen, um eine funktionierende Scheibenreinigungsanlage zu gewährleisten. «Diese Maßnahme ist effektiv, kostet nur ein paar Euro und kann leicht von jedem selbst durchgeführt werden», so Roet weiter.
Selber wechseln ist auch eine Lösung
Was viele vergessen: Reifen kann man auch problemlos selber wechseln. Für den Vorgang müssen in der Regel nicht mehr als zwei Stunden eingeplant werden, auch für Laien. Beim Aufbocken des Wagens muss auf einen geeigneten Untergrund geachtet werden: stabil, eben und möglichst trocken. Zusätzlichen Halt gibt ein Holzscheit unter dem Wagenheber.
Die Schrauben werden schon vor dem Aufbocken angelöst, dann jeweils diagonal angezogen. Eventuell mit einem Drehmomentschlüssel nacharbeiten und nach 50 Kilometern nochmals kontrollieren. Wichtig außerdem: Die Laufrichtung der Reifen beachten. Viel Schweiß und Aufwand erspart übrigens ein Radmutternschlüssel. Im Baumarkt ist der für wenige Euro erhältlich.
Die demontierten Sommerreifen sollten nach einer Reinigung trocken gelagert werden. Sachgemäß ist die Lagerung entweder an einem speziellen Felgenbaum oder übereinander gestapelt. An die Wand sollten die Pneus nicht gelehnt werden, dass kann die Räder deformieren.
fme/news.de