Gebrauchtwagenberatung Smart Vom Kitsch zum Kult

Belächelt und verschmäht wurde einst der Stadt-Zwerg. Doch inzwischen ist er längst etabliert – klein und clever ist in. Auch als Gebrauchter ist er beliebt. Und deshalb nicht ganz günstig. Zu Recht, denn der Smart ist erfreulich zuverlässig.

Vom Kitsch zum Kult (Foto)
Der Smart hat sich zum zuverlässigen Gebrauchtwagen mit Kult-Charakter gemausert. Ab dem Baujahr 2003 mit deutlich weniger Macken. Bild: ap

Es gab eine nicht allzu weit zurückliegende Vergangenheit, da galt der Smart als Synonym einer missglückten Unternehmensstrategie im stolzen Hause Daimler, als Milliardengrab, als bestenfalls belächeltes hässliches Entlein im stattlichen Fuhrpark der Auto-Noblen aus Stuttgart.

Wie sich die Zeiten ändern: Elf Jahre nach Produktionsstart ist der Smart Stilikone der neuen automobilen Generation «Sauber und sparsam». Und der Autozwerg bekommt auch vom TÜV guten Noten, wie der TÜV-Report 2009 ausweist. Bei seiner Markteinführung im Oktober 1998 hieß der kleine Wagen mit der internen Bezeichnung BR 450 noch Smart city coupé. Im März 2000 kam das Smart city cabriolet dazu.

Neben verschiedenen Ausstattungsvarianten, unterschiedlichen Otto- und Dieselmotoren folgten später leistungsstarke Varianten des Haustuners Brabus. Das aktuelle Modell BR 451 kam im Oktober 2007 auf den Markt. Vom 450 wurden 770.300 Fahrzeuge verkauft, allein in Deutschland 285 500. Der aktuelle Typ bringt es bislang auf 276.000 Verkäufe weltweit; hierzulande sind es 76.000. Deutlich Fahrt ins Geschäft brachte die Markteinführung des Smart in den USA im Herbst vor zwei Jahren.

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Früher Ulknudel, jetzt Trendsetter

Die beliebteste Motorisierung ist die Variante 71 PS Benziner, in Europa seit Oktober 2007 mit Start-Stopp-Funktion. Besonders gefragt ist dabei die Ausstattungslinie «passion», für die sich zwei von drei Smart-Kunden weltweit entscheiden. Die drei wichtigsten Exportländer sind Italien, USA und Frankreich. Seit April gibt es den Zweisitzer in China und Brasilien.

Am Anfang hatte es der Smart nicht leicht. Was wollte - auch noch ausgerechnet Daimler - im Lande der Motor-Muskelprotze mit einem Dreizylinder-Autöchen mit einer Kubik-Zahl unterhalb der eines anständigen Motorrads? Inzwischen hat sich das geändert. Längst hat sich der Smart als Stilikone in der automobilen Welt etabliert.

Dabei profitiert er nicht nur davon, dass automobile Kleinwüchsigkeit nicht mehr in erster Linie als Ausdruck für Mangel an Geld und Geschmack verstanden wird. Vielmehr hat der Smart mit seinem Design wesentlich dazu beigetragen, dass klein auch cool sein kann. Selbst eine zweite Frage hat der Smart inzwischen positiv beantwortet, die nach der Alltagstauglichkeit: «Bei den Hauptuntersuchungen schneidet der Smart mehr als solide ab. Wäre nicht das hartnäckige Problem mit dem Ölverlust, wäre er richtig gut», zieht TÜV-Süd-Autoexperte Hans-Werner Wormer ein positives Fazit beim Blick in die Mängelstatistik.

Bis es soweit war, bedurfte es aber einiger Jahre. Die Modelle der ersten Jahre waren noch nicht ausgereift. So berichten Fahrer des Autoflohs von brechenden Blattfedern, Problemen mit dem Glasdach, dem bereits erwähnten Ölverlust und Motorschäden. Zudem untergruben anhaltende Klappergeräusche das Vertrauen in die Langlebigkeit des Smart, und Klagen um die ausgiebigen Schaltpausen des automatisierten Getriebes füllten die einschlägigen Foren.

Die zweite Generation parkt nicht mehr quer

Einen entscheidenden Fortschritt erzielte Smart mit dem Facelift 2003. Etliche Kinderkrankheiten wurden ausgemerzt, das modifizierte Schaltgetriebe zeigte sich deutlich verbessert, und aufkeimende Diskussionen um die Kurvenstandhaftigkeit des Zweisitzers waren nach dem Einbau eines vollwertigen ESP erledigt. Ebenfalls das bisweilen auftretende Problem mit brechenden Querblattfedern wurde behoben. Schlechter als der Durchschnitt schneidet der Smart nur in den Kapiteln Vorder- und Hinterachse (Ölverlust) sowie Beleuchtung und Wirkung der Fußbremse ab. Überall sonst ist er besser als der Durchschnitt.

Der Sitzkomfort im Smart ist selbst für große Fahrer gut, seine wahren Stärken spielt der Autozwerg im urbanen Umfeld aus. Keine Wunder kann man in Sachen Zuladung erwarten, zum Einkauf für den Zwei-Personen-Haushalt reicht es allemal, bei der 2007 an den Marktstart gerollten zweiten Generation erst recht. Nachteil des für den Markteintritt in Amerika hochgerüsteten, um 19,5 Zentimeter verlängerten aktuellen Smart: Quer einparken klappt nicht mehr in den Städten. So oder so bleibt der Smart unschlagbar bei den Unterhaltungskosten.

Da der Gebrauchtwagenmarkt gut bestückt ist mit dem Stadtfloh, sollten sich Gebrauchtkaufinteressenten auf Modelle ab Baujahr 2003 beschränken. Derzeit werden Fahrzeuge ab diesem Jahrgang mit unter 50.000 Kilometern ab 4000 Euro angeboten. Achten sollten die Käufer auf die Historie des Wagens. Von Modellen, die ihr Dasein als rollende Litfaßsäulen oder Kurierfahrzeuge fristeten, sollte man die Finger lassen, da unter dem spezifischen Einsatz auf Kurzstrecken und in der Stadt der Motor leidet.

sgo/kab/news.de/ddp

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Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • frank grebe
  • Kommentar 7
  • 11.10.2009 13:56

Kann nur vom Kauf abraten. Kleinstwagen zum Preis und Unterhaltskosten einer Mittelklasse.

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  • paula g
  • Kommentar 6
  • 11.10.2009 13:27
Antwort auf Kommentar 5

Natürlich Werbefahrzeug!

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  • paula g
  • Kommentar 5
  • 11.10.2009 13:26

Eine Hundehütte zum Preis eines guten Kleinwagen. Das Ding kann man doch nur als fahrende Webefläche nutzen (fast jeder Smart hat Reklameaufkleber). Sonst einfach nur teurer Schrott. Hatten einen Smart als webefahrzeug geleast, nie wieder.

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