Weg von Bohnerwachs und Spießigkeit
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Variant, Avant, Caravan – früher Klangen die Namen von Mittelklasse-Kombis noch nach Handwerksbetrieb und Familienurlaub. Aus und vorbei! Lifestyle und Eleganz soll die Mittelklasse mit Rucksack heutzutage versprühen.
Er hat die größte Klappe in der Kombiklasse. Nicht in der Breite oder Höhe - wohl aber in der Tiefe: Runde 40 Zentimeter weit muss man einen Sprudelkasten lupfen, bis man ihn endlich auf dem Filz im Kofferraum abstellen kann. Bis dahin: ein in Wagenfarbe lackierter ausladender Stoßfänger und zwei auf Hochglanz polierte Alu-Blenden, auf denen man sehr schnell jeden Kratzer sieht. Life Style ist schön, aber nicht unbedingt praktisch. Für diese Erkenntnis ist Opels Kombi ein Paradebeispiel. Kombis von Opel hießen früher «Caravan».
Jetzt heißen sie «Sports Tourer». Wie Kombis heute eben so heißen: «Sportwagon» bei Alfa, «Sportback» bei Audi oder «Tourer» bei Citroen. Bloß nicht mehr als biederer Lastenesel gelten, mit dem der Bäcker morgens die Brötchen ausliefert oder der Herr vom Schlüsseldienst seine Werkstatt herumfährt. Das gewerbliche Alltagsgeschäft erledigen heute Pragmatiker wie Berlingo, Kangoo oder Dacia Logan Kombi. Der Nachfolger des spießigen Opel Vectra Caravan soll heute nicht mehr Farbkübel und Aluleitern transportieren, sondern vor allem ein Lebensgefühl.
Und das tut der Insignia Sports Tourer. Wie schon die Limousine bringt er ein gefälliges und eigenständiges Stück Design auf die Straße - ein massenkompatibles außerdem. Das zeigen nicht zuletzt die explodierenden Verkaufszahlen. Der Insignia ist technisch (fast) auf der Höhe der Zeit - mit Kurvenlicht und Xenon-Leuchten, mit LED-Tagfahrlicht, selbstständig schaltendem Fernlicht und auf Wunsch einem solchen Heer weiterer moderner Hilfssysteme, dass man besser wirklich die Bedienungsanleitung durcharbeitet.
Zum Langstreckenkomfort trägt auch der 2,0-Liter-Dieselmotor bei. Mit seinen 160 PS und einem maximalen Drehmoment von 350 Nm reicht er völlig aus, um die rund 1,7 Tonnen Leergewicht in jeder Situation flott voran zu treiben. Bei 212 km/h ist Schluss mit Vortrieb, den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h schafft er laut Werk in 9,9 Sekunden.
Dass ein Diesel vorne unter der Haube arbeitet, merkt man akustisch nur im Leerlauf und kurz beim Kaltstart. Im Geldbeutel merkt man es an der Tankstelle. Die 6,0 Liter, die Opel als Durchschnittsverbrauch angibt, sind im Alltag wie gewohnt zwar nicht zu schaffen - aber der Testwert lag mit 6,9 Liter noch in einem sehr guten Bereich. Eingestuft ist der Motor mit Euro 5.
In der Basisversion verlangt Opel für den bereits ganz ordentlich ausgestatteten Insignia Sports Tourer ab 31.095 Euro - knapp 3000 Euro mehr als 2007 ein zumindest von der Leistung her vergleichbarer Opel Vectra Caravan gekostet hat. Sieht man den Gewinn an Komfort, Qualität und Ausstattung, dann ist das ein fairer Preis. Und dass der Insignia-Kombi mittlerweile vom Preis her mit Konkurrenten wie dem Ford Mondeo oder dem VW Passat in etwa auf einer Ebene liegt, zeigt das neue Selbstbewusstsein der Rüsselsheimer deutlich. Zu Recht.
sgo/seh/news.de/pi
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