Alternative Antriebe «Der Elektromotor rei├čt noch nichts»

Alle reden von alternativen Antrieben. Verdr├Ąngen die neuen Energiequellen die etablierten Alternativen wie Biodiesel und Ethanol? News.de sprach dar├╝ber mit dem Experten f├╝r nachwachsende Rohstoffe, Michael Grunert.

Pl├Ądoyer f├╝r Biokraftstoffe: Dr. Michael Grunert. Bild: Michael Grunert

Was ist Bio an den Bio-Kraftstoffen?

Grunert: Die Rohstoffbasis ist immer Biomasse. Das ist gewisserma├čen das Bio. Ein einfaches Beispiel: Biogas kann ein Biokraftstoff sein, Erdgas nicht. Strom ist nur ein Biokraftstoff, wenn er aus entsprechenden Quellen erzeugt wird wie Sonne oder Wind.

Gibt es Gesetzesgrundlagen, die das regeln?

Grunert: Die Gesetzgebung ist kompliziert. Die beiden wichtigsten Papiere sind die Nachhaltigkeitsverordnung und die Biomasseverordnung. In ersterer wird geregelt, wie die Biomasse erzeugt werden muss.

Biokraftstoffe und herk├Âmmliche Kraftstoffe – stehen sie in Konkurrenz oder ziehen sie am selben Strang?

Grunert: Biokraftstoffe sind eine Alternative zu fossilen Kraftstoffen. Dabei wird es allerdings keine 100-Prozent-L├Âsung durch eine Variante geben. Ein Alternativkraftstoff, der alles abdecken kann, ist derzeit ├╝berhaupt noch nicht in Sicht. Viele Optionen werden also parallel existieren. In absehbarer Zukunft werden Biokraftstoffe und herk├Âmmliche Quellen nebeneinander bestehen. Der fossile Anteil aber muss gedr├╝ckt werden. Zu beachten ist, dass der Markt nicht einheitlich ist und verschiedene Fahrzeugantriebe konkurrieren. Letztlich muss sich der Wettbewerb an der Nachhaltigkeit orientieren. Konzepte mit den niedrigsten CO2-Wert sollten sich durchsetzen.

Gilt das f├╝r alle Fahrzeugtypen, also auch f├╝r Nicht-Pkw?

Grunert: Verschiedene Fahrzeuge brauchen unterschiedliche L├Âsungen – beim Traktor zum Beispiel wird es einen reinen Elektroantrieb in absehbarer Zeit nicht geben. Die Batteriekapazit├Ąt reicht daf├╝r nicht aus. Pflanzen├Âlkraftstoff ist eher geeignet f├╝r den landwirtschaftlichen Betrieb. Hybride Konzepte sind in letzter Zeit im Gespr├Ąch, sie k├Ânnten eine Alternative sein. Hier k├Ânnten erhebliche Synergieeffekte durch Kopplung von Biokraftstoffnutzung und Elektroantrieben entstehen.

Graben andere alternative Kraftstoffe den Bio-Kraftstoffen das Wasser ab?

Grunert: Das muss man n├╝chtern sehen. Der Elektromotor rei├čt momentan noch nichts. Gleichzeitig sind aktuelle gesetzliche Rahmenbedingungen und die Rohstoffpreise Hemmnisse f├╝r Biokraftstoffe. Bei den gesetzlichen Vorgaben liegt der Grund in einem Richtungswechsel der Regierung. Im Ergebnis werden die Biokraftstoffe Biodiesel und Pflanzen├Âl als Reinkraftstoffe vom Markt verdr├Ąngt. Beim Ethanol hingegen wird die Reinkraftstoffvariante E85 ebenso wie verf├╝gbare geeignete Fahrzeuge nicht von den wichtigsten Firmen angeboten. Weltweit ist E85 dagegen eine feste Gr├Â├če. Ich erwarte, dass es mehrere L├Âsungen alternativer Kraftstoffe und Biokraftstoffe geben wird.

Was sind Vor- und Nachteile von Bio-Kraftstoffen?

Grunert: E85, also Bioethanol, ist beispielsweise eine unproblematische L├Âsung, geeignete Fahrzeuge stehen zur Verf├╝gung. Biodiesel ist ebenfalls unproblematisch. Doch leider geht die Zahl der Fahrzeugfreigaben dramatisch zur├╝ck. Biodiesel wird auf Grund der zunehmenden Besteuerung leider vom Markt verschwinden. Auf Verbraucherseite, aber auch bei Biokraftstoffproduzenten entstand in letzter Zeit eine gro├če Unsicherheit mit der Folge, dass der Marktanteil zur├╝ckgeht.

Pflanzen├Âl ist vorwiegend eine L├Âsung f├╝r Nutzfahrzeuge. Es ist insbesondere geeignet f├╝r schwere Arbeiten mit konstanter Leistungsabnahme, bei M├Ąhdreschern zum Beispiel. Biogas ist eine sofort einsatzf├Ąhige Variante – in erdgastauglichen Fahrzeugen. Aber: Kraftstoff sparen ist die oberste Devise. Wir werden unseren aktuellen riesigen Kraftstoffbedarf niemals mit Biokraftstoffen s├Ąttigen k├Ânnen. Erst brauchen wir Einsparungen, dann Alternativen.

Weisen Bio-Kraftstoffe Probleme bei der Einsetzbarkeit in modernen Fahrzeugen auf?

Grunert: Bei Biodiesel und E85 muss man das Fahrzeug anpassen. Am besten schon bei der Herstellung. Das Angebot entsprechender Fahrzeuge ist in Deutschland leider sehr begrenzt. Der K├Ąufer hat hier inzwischen weniger Anreize, ein Auto mit Biokraftstoff zu kaufen. Die zunehmende Besteuerung schluckt die wirtschaftliche Attraktivit├Ąt. Es verschwinden also die ├Âkonomischen Anreize. Inzwischen ist die Anzahl der Biodieseltankstellen erheblich gesunken. Biokraftstoffe werden als Reinkraftstoffe im vollen Bewusstsein vom Markt verdr├Ąngt. Dabei bieten sie neben der CO2-Minderung weitere Vorteile: Pflanzen├Âl zum Beispiel ist nicht wassergef├Ąhrdend und au├čerdem kein explosiver Stoff.

Wie sieht die Zukunft f├╝r Biokraftstoffe aus?

Grunert: Ich hoffe, dass sie wieder st├Ąrker Fu├č fassen. Wenn man das Thema ernst nimmt, dann ist mittelfristig keine andere L├Âsung in Sicht. Die Beimischung kann hier nicht die alleinige L├Âsung sein. Insgesamt ist zu beachten, dass die erforderlichen Rohstoffmengen sicher nicht vollst├Ąndig aus einheimischer Produktion kommen k├Ânnen. Importe werden auch eine Rolle spielen.

Wie sehen Sie die Entwicklung von Bio-Kraftstoffen unter einer schwarz-gelben Regierung, wird es da Änderungen geben?

Grunert: Das kann ich nicht sagen. Ich kann nur hoffen, dass es gesetzliche Rahmenbedingungen geben wird, die zuverl├Ąssig sind und Bestand haben. Die Unzuverl├Ąssigkeit legt vieles lahm. Zudem hoffe ich auf ein Umdenken im Hinblick auf reine Biokraftstoffe zum Beispiel bei der Besteuerung.

Dr. Michael Grunert (44) ist Referent f├╝r nachwachsende Rohstoffe im S├Ąchsischen Landesamt f├╝r Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

mac/news.de

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1 Kommentare
  • Theodor Fabian

    15.02.2012 13:40

    Man wei├č nicht wof├╝r der gute Mann steht, aber den E-Motor so dar zustellen ist unverantwortlich. Es gibt E-Motoren die gute Leistung bringen und wenn nicht so w├Ąre, k├Ânnten die E-Autos einpacken, das steht fest! (E-Mini von BMW, und anderen!) Es ist eine Binsenweisheit, dass die Agrikultur und Transport nicht auf der Variable E-Antrib umzustellen ist. Die Energie Dichte des ├ľls, sei es Bio- oder Erd-├ľl ist un├╝bertroffen, aber welcher Treibstoff sich durchsetzen kann, wird die Praxis zeigen! Eines, der Massenverkehr, PKW, soll zu erst umgestellt werden (ca. 60%) dann sehen wir weiter.

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