Kompakt, flexibel und günstig: Familien-Vans mit Lieferwagen-Genen sind beliebt. Im Test vergleicht news.de zwei Konzepte aus Italien und Frankreich. Lesen sie im ersten Teil, ob und wie praktisch die beiden Kontrahenten sind.
Den Unterschied macht ungefähr ein Jahr lang Bafög aus - legt man den durchschnittlichen Fördersatz zugrunde. Wer als Familienkutsche den Peugeot Partner Tepee HDi FAP 110 im Auge hat, muss mindestens 20.350 Euro dafür ausgeben. Beim Fiat Fiorino Qubo 1.3 JTD ist man bereits ab 14.590 Euro dabei.
Die Frage ist: Lohnen der deutlich stärkere Motor und das größere Raumangebot des Peugeot den um 5760 Euro höheren Preis? Oder reicht der Italiener? Klare Antwort: Es kommt darauf an. Die meisten Aufgaben im familiären Alltag wird der Fiat nicht schlechter lösen als der Peugeot. Der allerdings kann alles etwas besser - meistens.
Auf den ersten Blick schon ähneln sich die zwei in vielem. Beide kommen in einer ähnlich praktischen Kleinlaster-Karosserie daher, die vor allem auf gute Raumausnutzung setzt. Wer es vom Design her etwas extravaganter mag, dem wird die leicht gestufte Front des Italieners eher gefallen, die ein wenig an den ersten Multipla erinnert.
Der Peugeot ist trotz des breit umrahmten Kühlergrills deutlich konventioneller. Beide haben große, weit aufschwingende Heckklappen, beide praktische Schiebetüren für die zweite Reihe. Die breite schwarze Schutzleiste an den Seiten signalisiert, dass sie den rauen Alltag im Großstadtdschungel gut bestehen wollen und auch den ein oder anderen leichten Knuff auf dem Parkplatz wegstecken. Wer beide nebeneinander stellt, merkt allerdings schon am Größenvergleich, dass man beim Tepee auch mehr Auto für den Mehrpreis bekommt.
Der Franzose ist rund 40 Zentimeter länger, 13 Zentimeter breiter und acht Zentimeter höher als der Italiener. Wer Platz nimmt, der merkt allerdings schnell: Zumindest dieses Mehr an Länge gibt der Peugeot kaum an seine Passagiere weiter - er bietet lieber den deutlich größeren Kofferraum. Auf den vorderen Plätzen haben in beiden Minivans auch groß gewachsene Passagiere keine Probleme. Die Sitze lassen sich ausreichend weit nach hinten schieben, Schulter- und Ellenbogenfreiheit gibt es reichlich.
Der Himmel schwebt so hoch droben, dass man noch mit Heiligenschein hineinpassen würde. Verschenkt wird von beiden das Potential in der zweiten Reihe. Wenn die Vordersitze bis ganz zurück geschoben sind, wird der Knieraum im Fiat ebenso wie im Peugeot unnötig eng. Warum hat man keine verschiebbaren Sitze im Fond eingebaut? Platz nach hinten wäre genug. Und mit ein wenig Verzicht auf Laderaum würden sich auch vier große Erwachsene auf längeren Touren nicht so eingeklemmt fühlen.
Denn Kofferraum ist üppig vorhanden. Der Fiat bietet voll bestuhlt mindestens 329 Liter an, wer die Sitze der zweiten Reihe umklappt oder ausbaut kommt auf 2500 Liter. Noch großzügiger der Peugeot. Er hat selbst noch mit zwei Sitzreihen 505 Liter im Angebot. Wer auch hier die hinteren Sitze abmontiert, der schafft sogar 3000 Liter. Zum Vergleich: Ein VW Passat Variant bietet selbst mit Zweierbestuhlung maximal 1731 Liter an, der neue E-Klasse Kombi von Mercedes höchstens 1950 Liter. Die Sitze lassen sich sowohl im Qubo als auch im Tepee einfach ausbauen, gehören aber nicht gerade zu den leichtesten ihrer Art.
Mit wenig Mühe lassen sich beide Minivans bestücken. Eine Ladekante gibt es nicht, die riesigen Heckklappen schwenken weit nach oben - allerdings nicht ganz ohne Kraftaufwand. Der Ladeboden ist durchgehend eben, die Seitenwände glattflächig. Beim Peugeot stellte sich allerdings schnell heraus, dass der ausgelegte Filz ziemlich schmutzempfindlich ist.
Die beiden Einzelsitze im Kofferraum, die den Peugeot zum 7-Sitzer machen, sind im Alltag kaum zu gebrauchen: Halbwegs wohl fühlen sich darauf höchstens Kinder. Dafür stören sie aber im Kofferraum mit Penetranz, wenn man sie - wie meist - nicht braucht. Die seitlichen Schiebetüren machen nicht nur das Einsteigen bequem, sondern sind vor allem auf engen Parkplätzen sehr praktisch. Allerdings muss man sie jeweils mit ziemlicher Wucht zuknallen, um sie zuverlässig zu schließen.
Lesen sie im morgigen zweiten Teil über Fahreigenschaften und Leistung der beiden Quader.
sgo/kab/news.de/pi