Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Kalkulierbares Risiko: Konkrete Zahlen zu Unfällen, Raub oder Belästigung, die im Rahmen einer Mitfahrgelegenheit entstehen, wurden noch nicht erhoben. Der Großteil der möglichen Schäden wird durch die normale Haftpflicht gedeckt, sagen Experten.
Die Fahrgemeinschaft 2.0 hat die Mobilität in Deutschland grundsätzlich verändert. Was für Berufspendler schon lange gängige Praxis ist, ermöglicht jetzt auch Studenten, Wochenendpendler oder Abenteuerlustigen günstig von A nach B zu kommen. Wer allerdings günstiger als mit Bahn, Flugzeug oder alleine im Auto unterwegs sein will, der nimmt gleichzeitig Unsicherheitsfaktoren in Kauf.
«Die Ängste vor Überfall, Unfall oder Belästigung sind vermutlich größer als die empirischen Daten», so Bastian Roet vom Institut für Verkehrssoziologie des Automobilclubs von Deutschland (AvD). «Allerdings fehlen bislang verlässliche Zahlen. In der Forschung ist das Gebiet ein blinder Fleck», erläutert der Verkehrssoziologe.
Am heikelsten ist sicherlich die Frage nach Haftungen und Schadensersatzansprüchen bei Verkehrsunfällen. «Grundsätzlich sind alle Insassen eines Fahrzeuges durch die Kfz-Haftpflichtversicherung geschützt», erläutert Herbert Engelmoor, Verkehrsjurist beim AvD. Dadurch würden fast alle möglichen Szenarien abgedeckt.
Eine zusätzliche Absicherung böten Insassenversicherungen. Herbert Engelmoor: «Es sind zwei Szenarien denkbar, in denen sich eine solche Extrainvestition lohnen könnte: Erstens bei Schwerstverletzungen mit lebenslangen Schäden. Doch auch hier sind in beinahe allen Fällen die entstehenden Kosten durch die Deckungssumme der Haftpflicht abgedeckt. Zweitens lohnt sich eine Absicherung gegen Schäden durch höhere Gewalt, also beispielsweise Wettereinflüsse oder Naturgewalten». Als Mitfahrer könne man sich am sinnvollsten mittels einer allgemeinen Unfallversicherung schützen, so der Verkehrsjurist.
Fast aussichtslos hingegen ist es, als Mitfahrer entstandene Schäden einzufordern, die durch den Ausfall der Mitfahrgelegenheit entstanden sind. Ein denkbares Beispiel wären etwa die finanziellen Folgen eines verpassten Bewerbungsgespräches.
Es gibt jedoch allgemeine Hinweise, die einen Interessenten bereits im Vorfeld der Fahrt stutzig machen sollten. Bastian Roet: «Bei Fahrern, die beruflich unterwegs sind, sollte man nicht mitfahren. Beispielsweise der Zeitungsbote, der jeden Tag von Hannover nach Hamburg liefert und sich ein Zubrot verdienen will. Um nicht erwischt zu werden, schalten solche Personen oftmals dieselben Angebote auf verschiedenen Portalen, nur mit verschiedenen Namen. Inseriert also der Klaus und am Telefon meldet sich ein Peter, dann ist Vorsicht angesagt».
Mitfahrgelegenheiten bieten klar den Vorteil, konkurrenzlos günstig zu sein. Valide Aussagen über deren Risiken lassen sich indes noch nicht treffen, da genaue Zahlen und Statistiken fehlen und wissenschaftlich noch nicht ausgewertet sind.
Man weiß nur: Deutschlands größtes Vermittlungsportal, mitfahgelegenheit.de, sorgt jeden Tag für 10.000 bis 15.000 Fahrten. Diese Zahl würde wohl nicht entstehen, wenn es ständige Probleme geben würde. Der beste Schutz gegen böse Überraschungen ist wohl noch immer ein gesunder Menschenverstand kombiniert mit einer gesunden Portion Bauchgefühl.
mat/news.de